Kai Wandschneider: „Waren in ersten 15 Minuten überhaupt nicht auf dem Platz!“

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DKB Handball-Bundesliga

HSG Wetzlar verliert beim Tabellenfünfzehnten TBV Lemgo verdient mit 26:29 - Philipp Weber mit 15 Toren Alleinunterhalter bei Grün-Weißen

Die HSG Wetzlar hat in das Auswärtsspiel beim TBV Lemgo am Mittwochabend genau so gefunden, wie die Ankunft der Grün-Weißen an der Lipperlandhalle kurz zuvor stattfand - mit Verspätung. Wegen zahlreicher Staus auf der A45 Richtung Dortmund erreichte der Mannschaftsbus des Tabellensechsten sein Ziel erst 75 Minuten vor dem Anwurf. 15 Minuten später als geplant. Und genau eine solche Viertelstunde war es auch, die dem Tabellenletzten bei den abstiegsbedrohten Ostwestfalen zum Verhängnis wurde.

„Wir waren in den ersten 15 Minuten überhaupt nicht auf dem Platz“, ärgerte sich HSG Wetzlar-Trainer Kai Wandschneider nach der 26:29-Niederlage bei den Lipperländern. „Allen voran in der Abwehr und das darf uns nicht passieren, denn wir wussten was uns heute hier erwartet.“ Nämlich eine Lemgoer Mannschaft, die vor über 4.000 frenetischen Zuschauern vom Anpfiff weg um jeden Zentimeter Boden fightete. „Normalerweise zeichnet uns aus, dass wir da gerade in der Abwehr Gegenhalten, doch das war heute leider nicht der Fall“, so Wandschneider weiter, der mit Anschauen  musste, wie seine Spieler wichtige Zweikämpfe verloren und sich im Angriff technische Fehler an Fehlwürfe reihten. So führte Lemgo, das ohne etatmäßigen Linkshänder im Rückraum antreten musste, bereits in der 13. Minute mit 8:3 in Front lag.

Auch nach einer deutlichen Auszeitansprache ihres Trainers brachten die Grün-Weißen zunächst kein Bein auf den Boden. Bis auf den überragenden Philipp Weber, Jannik Kohlbacher und den Rückkehrer Kristian Björnsen konnte kein Wetzlarer stabil für Torgefahr sorgen. Im Gegenteil, klarste Torchancen wurden vergeben und so war es TBV-Kreisläufer Christoph Theuerkauf, der in der 18. Minute zum 11:5 für den wie entfesselt aufspielenden Tabellenfünfzehnten traf.

Er danach fingen sich die Gäste etwas. Nikolai Weber brachte im Kasten Hände und Füße an den Ball und im Angriff zog Philipp Weber die Fäden. So war es Spielmacher Philipp Peter, der in der 26. Minute vom Kreis zum 10:13 traf und wieder für etwas Hoffnung im Lager der Mittelhessen sorgte. Doch Lemgo ließ nicht locker und legte zwei weitere Tore, zum 15:10-Halbzeitstand, nach.

„In der Kabine musste ich meine Spieler darauf hinweisen, dass das so nicht geht und wir endlich unsere wahren Tugenden in die Waagschale werfen müssen“, erklärte Kai Wandschneider nach dem Spiel. Und tatsächlich kamen die Grün-Weißen deutlich besser aus der Pause und legten, basierend auf einer aggressiven Deckung, einen 4:0-Lauf hin. „Beim 14:15-Anschlusstreffer hatten wir das Momentum auf unserer Seite und das geschafft, was wir eigentlich von Anfang an wollten, nämlich die Partie eng gestalten, um Lemgo zum Nachdenken zu bringen“, beschreibt es Björn Seipp. „Nur leider sind wir dann wieder eingebrochen, weil wir den siebten Feldspieler der Lemgoer schlecht verteidigt haben.“

TBV-Rechtsaußen Tim Hornke unterbrach mit seinem Treffer zum 16:14 den Wetzlarer Lauf und was folgte waren technische Fehler und ein Innenpfosten-Treffer des blassen Linkshänders Stefan Cavor. Lemgo nutzte dies, um bis zur 48. Minute wieder auf fünf Tore davon zu ziehen (22:17).

„Ab der 15. Minute hat unsere Mannschaft gekämpft, da kann man ihr keinen Vorwurf machen. Aber immer, wenn es so schien als könnten wir noch einmal richtig ran kommen, dann haben wir Fehler gemacht - im Angriff oder in der Abwehr“, so Björn Seipp.

Die Grün-Weißen hatten es in der zweiten Halbzeit ausnahmslos Philipp Weber zu verdanken, überhaupt noch im Spiel zu sein. Dem Nationalspieler gelangen 15 (!) Treffer, davon neun nach der Pause. „Leider sind wir ansonsten aus dem Rückraum blass geblieben und dann ist es schwer zu gewinnen“, erklärt Kai Wandschneider. „Auch unsere Torhüterleistung war nicht so, wie gewohnt.“

Am Ende half Wetzlar selbst eine offensive 3:3-Deckung und eine doppelte Überzahl nicht mehr, um die erste Niederlage nach einer Serie von zuvor sieben Spielen ohne Niederlage abzuwenden. „Lemgo hat absolut verdient gewonnen“, so Wandschneider, der seiner Mannschaft jedoch nur den einen Vorwurf machte, „dass sie für das Spiel vom Kopf her nicht bereit war.“

„Man muss nur auf den Spielberichtsbogen schauen, dann sieht man, dass heute etwas nicht gestimmt hat“, wusste Björn Seipp in der Pressekonferenz. „Die Partie hieß heute Philipp Weber gegen Lemgo. Ein etwas ungleiches Duell!“ Trotzdem wusste der Geschäftsführer die Niederlage auch einzuordnen. „Wir haben eine herausragende Saison gespielt und so langsam schwinden unseren Jungs auch die Kräfte, das war heute deutlich zu spüren. Jetzt gilt es diese Niederlage schnell abzuhaken, denn die Spieler wissen selbst, dass das nicht das war, was sie können und bislang so stark gemacht hat. Ich bin mir sicher, dass wir am kommenden Mittwoch, zu Hause gegen die Rhein-Neckar Löwen, wieder ein anderes Gesicht zeigen werden.“