Kai Wandschneider: „Wir waren heute einfach schlecht! Ohne Wenn und Aber!“

Bild: www.sportfoto-vogler.de

DKB Handball-Bundesliga

HSG Wetzlar erwischt gegen HSV Hamburg gebrauchten Tag und verliert zu Hause, vor ausverkauftem Haus, deutlich und verdient mit 23:29 (11:15)

In einem Spiel der Handball-Bundesliga unterlag die HSG Wetzlar am Freitagabend vor 4421 Zuschauern in der Rittal-Arena dem HSV Hamburg mit 23:29 (11:15). Zwischenzeitlich lagen die Wetzlarer sogar mit zehn Toren im Hintertreffen, konnten die Niederlage in der Schlussphase noch einigermaßen erträglich gestalten.

Es gab schon während des Spiels viel Redebedarf bei den Bundesliga-Handballern der HSG Wetzlar. Anders war die Szene während der Auszeit in der 48. Minute nicht zu deuten, als Sebastian Weber, Carlos Prieto und Andreas Wolff im Dreiergrüppchen diskutierten, während der Rest der Mannschaft den Worten von Trainer Kai Wandschneider lauschten. Der Coach hatte sein Team noch einmal zusammengerufen und an die Moral und Ehre appelliert, denn andernfalls wäre aus dem zwischenzeitlichen 19:29 wohl eine noch höhere Niederlage entstanden als die völlig verdiente 23:29 (11:15)-Pleite.

"Das war einfach schlecht", konstatierte der Trainer, der von dem schwächsten Auftritt seiner Mannschaft der letzten drei Monate sprach. Der HSV, der von Coach Michael Biegler optimal eingestellt schien, nahm den Grün-Weißen zu Beginn den Wind aus den Segeln. Schnell führten die Hanseaten 3:1 (5.) und 5:2 (8.), weil die Wetzlarer Defensive nicht die nötige Konsequenz an den Tag legte. Mal agierte der Mittelblock zu passiv, mal wurde das Eins-gegen-Eins auf den Halbpositionen verloren. Zudem schlossen die Hausherren im Angriff schlecht ab. Ex-Nationalspieler Pascal Hens markierte in der elften Minute bereits seinen dritten Treffer zum 7:4, während die 4421 Zuschauer in der ausverkauften Rittal-Arena wohl ahnten, was auf sie zukommen würde.

Doch Wandschneider vertraute seiner Mannschaft, verzichtete auf eine Auszeit und brachte nach einer Viertelstunde Mirkulovski für den blassen Laudt. Und die HSG steigerte sich in der Abwehr. Das frühe Annehmen der Gästespieler funktionierte deutlich besser, sodass die Wurfchancen nicht mehr so klar waren. Dahinter fand auch endlich Nationalkeeper Wolff ins Spiel, der in der Anfangsviertelstunde das Duell gegen seinen Gegenüber Johannes Bitter deutlich verloren hatte. Die verbesserte Defensive war der Schlüssel dafür, dass die Hausherren beim 8:9 durch Ferraz in der 20. Minute den Anschluss herstellen konnten.

Den Ausgleich konnten die Mittelhessen aber nicht erzielen, denn dafür agierten die Wandschneider-Schützlinge nicht clever genug. Joli setzte einen Siebenmeter am gegnerischen Gehäuse vorbei (25.), Ferraz handelte sich eine unnötige Zeitstrafe ein (26.). Der HSV nutzte diese fehlende Cleverness, um in Person von Hans Lindberg die Führung auf 13:10 (28.) auszubauen. Bis zur Halbzeit sollte Caspar Mortensen sogar noch auf 15:11 erhöhen. Der Däne war für Kevin Schmidt gekommen, der an seiner alten Wirkungsstätte extrem unauffällig agierte.

Zur zweiten Halbzeit brachte Wandschneider Nikolai Weber zwischen den Pfosten und beorderte Carlos Prieto für Kristian Bliznac in den Mittelblock. Der Schwede durfte nun im Angriff ran und ersetzte den glücklosen Fäth, der gleich dreimal an Bitter gescheitert war.

Der ehemalige Nationalkeeper entschied aber auch das direkte Duell mit Weber klar für sich und war Garant dafür, dass sich der HSV bis auf 19:14 (Pfahl/38.) absetzen konnte. "Manchmal verleiht es Flügel, wenn man nicht Favorit ist und den Druck hat", sagte der Hüne im Tor.

Jannik Kohlbacher war der Einzige, der bei der HSG annähernd Normalform erreichte. Der Rest schaffte es nicht, an der Leistungsgrenze zu spielen. Dass dies in der Bundesliga nicht reicht, um zu punkten, das ließ der HSV die Hausherren eindrucksvoll spüren. Nach einem Fehlpass von Vladan Lipovina netzte Lindberg per Gegenstoß zum 22:16 (41.) ein. Gestützt auf einen bärenstarken Bitter spielten sich die Gäste in einen Rausch. Um die HSG musste man indes Angst haben. Vor allem Rechtsaußen Hans Lindberg zeigte bei den Norddeutschen seine Klasse. Er vernatzte Weber (43.), überlupfte Wolff per Siebenmeter (45.), drehte erneut Weber den Ball von außen am Kopf vorbei (47.) und sorgte mit dem Gegenstoß-29:19 (49.) für die höchste Führung. "Wir haben heute in der Summe zu viele Fehler gemacht", erklärte Kreisläufer Sebastian Weber.

Die Wetzlarer, die auf dem besten Wege waren, komplett auseinander zu brechen, bäumten sich nach besagter Auszeit noch einmal auf. Vorne markierten Lipovina und Fäth die Treffer, hinten bekam Wolff ein paar Bälle zu fassen. Beim 23:29 (60./Kohlbacher) gestaltete sich das Ergebnis zumindest etwas freundlicher. Das konnte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die HSG auf ganzer Linie enttäuschte.

Stenogramm: 

HSG Wetzlar: Wolff, Nikolai Weber; Holst (2/1), Fäth (3), Bliznac, Mirkulovski (3), Laudt, Lipovina (3), Klesniks, Ferraz (4), Joli (1), Sebastian Weber (2), Kohlbacher (5), Prieto.

HSV Hamburg: Bitter, Vortmann; Nenadic (2), Damgaard (1), Hens (5), Jaanimaa, Pfahl (6), Feld, Schmidt, Schröder (n.e.), Mortensen (3), Lindberg (11/1), Grabarczyk, Brozovic (1).

Schiedsrichter: Pritschow/Pritschow (Stuttgart). – Zuschauer: 4421. – Zeitstrafen: 4:6 Minuten. – Siebenmeter: 3:1/1/1.

Quelle: Gießener Allgemeine/Fabian Karpstein