Kiel taumelt lange, aber stolpert gegen HSG Wetzlar nicht!

DKB Handball-Bundesliga

Grün-Weißen halten lange Anschluss - Spieler verabschieden sich nun in die Winterpause

Die HSG Wetzlar erwies sich - wie bereits im Hinspiel - als ein unangenehm zu spielender Gegner für die Gastgeber. Zwar konnte sich der THW über 2:0 auf 7:3 (11.) absetzen, doch die Mittelhessen ließen den Kontakt nie abreißen. Das Team von Kai Wandschneider agierte aus einer aggressiven 6:0-Formation heraus und konnte dem Kieler Spiel viel von seinem Schwung nehmen - etwas, das dem HSV Hamburg vor wenigen Tagen in der Sparkassen-Arena nicht gelungen war. 

So war es zunächst auch nicht der hochkarätig besetzte Rückraum, der dem Spiel seinen Stempel aufdrückte, sondern ein Youngster im schwarz-weißen Dress: Rune Dahmke erhielt von Alfred Gislason das Vertrauen und durfte auf Linksaußen beginnen. Das Eigengewächs des THW bedankte sich mit Toren für das Vertrauen. Das 11:7, das der Linksaußen in der 22. Minute erzielte, war bereits der sechste Treffer im sechsten Versuch - womit mehr als die Hälfte der Kieler Treffer zu diesem Zeitpunkt auf sein Konto gingen. Auch in der Abwehr stand der Youngster gut - erst in der 26. Minute musste er seiner fehlenden Masse Tribut zollen und unterlag Kent Robin Tönnesen im 1:1. 

Der Rückraumspieler der HSG nutzte die Möglichkeit, ließ sich auch vom ansonsten starken Andreas Palicka nicht irritieren und netzte zum 12:10 ein. Christian Rompf ließ einen Angriff später gar den Anschlusstreffer folgen - es war der verdiente Lohn eines großen Kampfes, den die HSG bot. Immer wieder gelang es der Wandschneider-Truppe, Nadelstiche zu setzen und die Kieler 3:2:1-Deckung auseinander zuspielen. 

Zudem fand auch Keeper Andreas Wolff zunehmend besser in die Partie. War das Torwartduell in der Anfangsviertelstunde noch klar an Palicka gegangen, machte der deutsche Nationalkeeper danach immer wieder mit spaktakulären Paraden auf sich aufmerksam. So nahm Wolff unter anderem Marko Vujin einen Siebenmeter ab (25.) und vereitelte auch sonst einige Kieler Chancen. 
Dass Wetzlar der Ausgleich jedoch trotz aller Anstrengungen nicht gelang, war zum Teil selbstverschuldet: Das HSG-Team kassierte zum einen mehrere Zeitstrafen und machte zum anderen einfache Fehler. So landete ein Querpass von Vladan Lipovon direkt in den Armen der Kieler, die zum Gegenstoß starteten und sich die Chance nicht entgehen ließen. Niklas Ekberg traf kurz vor der Pause zum Halbzeitstand von 16:12 - es war ein deutlicherer Rückstand, als er angesichts des Spielverlaufs verdient gewesen wäre. 

Nach der Pause wechselte Wandschneider im Tor und brachte Routinier Jose Hombrados. Gislason vertraute hingegen weiterhin auf seine Aufstellung aus der ersten Halbzeit und ließ auch Dahmke weiterhin auf Linksaußen wirbeln - Urgestein Dominik Klein stand nicht einmal im Kader und verfolgte das Spiel aus dem Zuschauerraum. Doch was der Kieler Trainer zunächst sah, stellte ihn nicht zufrieden: Nach dem ersten Treffer der zweiten Hälfte durch Domagoj Duvnjak agierte seine Mannschaft zu passiv gegen den Rückraumd der HSG, sodass Wetzlar durch Steffen Fäth und Adnan Harmandic auf 15:17 (34.) verkürzen konnte. 
Doch kaum wurde es eng, zeigte sich die Klasse der Kieler: Mit einem Zwischenspurt setzte sich der THW eiskalt und höchst effektiv wieder auf vier Tore ab. Wetzlar begünstigte dies durch zwei Fehlpässe in Folge. Derart ins Laufen gekommen, ließ sich der THW nun nicht mehr bremsen und zog auf 23:16 (39.) davon. Wandschneider reagierte mit einer Auszeit und brachte Wolff wieder anstelle des glücklosen Hombrados. 

Die Ansprache zeigte offensichtlich Wirkung und Wetzlar verkürzte innerhalb weniger Minuten auf 19:23 (41.). So wechselte nun auch Gislason den Keeper und brachte Johan Sjöstrand in die Partie. Als sich die HSG drei Minuten später weiterhin nicht hatte abschütteln lassen, legte Gislason ebenfalls eine Auszeit. Zunächst gelang es den Kielern jedoch nicht, sich erneut abzusetzen. Im Gegenteil: Der eingelaufene Rompf verkürzte auf 22:25 (47.). Duvnjak stellte im Gegenzug jedoch die die Vier-Tore-Führung umgehend wieder her. 

Bei der HSG häuften sich nun die Fehler; zudem fehlte nun der entscheidende letzte Schritt im Angriff. So zwang die THW-Deckung zu langen Angriffen, deren Abschlüsse oftmals in den Händen von Sjöstrand landeten. Der THW nutzte die Ballgewinnen und setzte sich bis fünf Minuten vor dem Ende auf 30:24 ab. Das Spiel war damit entschieden, sodass die letzten Minuten zu einem Schaulaufen wurden. Wetzlar, dass bis zum Schluss nicht aufsteckte, aber dem am Ende die Kraft für den Coup gefehlt hatte, unterlag so mit 25:32.

 

(Quelle: www.handball-world.com)