„Kleine Raupe Nimmersatt“- der Blutegel als kleiner Heiler!

DKB Handball-Bundesliga

Mannschaftsarzt Marco Kettrukat erklärt im "Medical Corner" des Hallenmagazins den Einsatz von Blutegeln in der Sportmedizin

Ein glitschiger Wurm, der in grünen Teichen auf badende Opfer lauert und Blut saugt. Das ist das, was man häufig mit den Blutegeln assoziiert. Aber weit gefehlt, denn seit Jahrtausenden machen wir uns die Heilkünste der Tiere zu nutzen. Mittlerweile ist die Wirkung der Blutegeltherapie auch durch die moderne Forschung belegt. Aber was passiert bei der Blutegeltherapie. Nach dem Biss werden verschiedene Stoffe wie z.B. das Hirudin in die Wunde abgegeben. Diese greifen in genialer Weise in die komplizierte Gerinnungskaskade ein und wirken entkrampfend, Durchblutungsfördernd, entzündungshemmend und lösen Thromben auf. Die Blutegeltherapie kann bei verschiedenen Indikationen wie z.B. Arthrose, Gelenkreizungen, Sehnenscheidenentzündungen, Tennis- und Golferarm und bei Blutergüssen eingesetzt werden. Je nach Indikation kommen 2-6 Blutegel zum Einsatz. Diese werden nicht wild gefangen, sondern unter standardisierten Bedingungen für den Medizinbedarf gezüchtet. Mit einem kleinen Glas werden die Blutegel auf die Behandlungsregion gesetzt. Nach dem Biss saugt der Egel etwa 5-10 Milliliter Blut ab und fällt nach ca. 30-60  Minuten ab. Danach verliert der Patient noch ca. 10-20 Milliliter Blut. Damit kommt es zu dem bekannten „sanften Aderlass“.

Einmal die Hemmungen verloren, wird der Blutegel zum genialen Partner auch meiner ganzheitlichen sportmedizinischen Betreuung. Dabei setze ich die Blutegel z.B. nach akuten Sprung- oder Kniegelenksverletzungen mit massiven Einblutungen  ein und kann dadurch sehr schnell die Schwellung und Schmerz reduzieren. Für „Pferdeküsse“ gibt es fast nichts Besseres als 6 hungrige Blutegel um schnell den schmerzhaften Bluterguss aufzulösen. Bei Überlastungsschäden mit Achillessehnen-, Patellasehnen und Ellenbogenreizungen sowie aktivierten Gelenkreizungen setze ich immer wieder die Blutegel ein und spare z.B. damit gefährliche Kortisoninjektionen. Dabei darf man allerdings den Nachblutungsefekt nicht vernachlässigen und muss die behandelnde Region gut einpacken.

Auch wenn der Blutegel noch nicht bei uns auf der Bank sitzt, ist er zu einem festen Bestandteil des Therapeutenteams geworden und ist bestimmt kein Ekel.

Mit grün-weißen Grüßen, 

Ihr Marco Kettrukat

 

Mehr Informationen zum Blutegel finden Sie auf der Homepage unseres Partners, der Biebertaler Blutegelzucht GmbH, unter www.blutegel.de!