„Kleiner Bruder“ verliert Derby und verpasst Anschluss

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HSG Wetzlar vergrößert Punkte-Polster und muss um Göppingen-Zähler bangen

Als „Schlafwagenhandball“ bezeichnete einer der über 2900 Besucher in der Gießener Sporthalle Ost die ersten 30 Spielminuten. Doch da nicht nur der Traum Schlafes Bruder ist, sondern auch das Aufwachen, war entscheidend, dass die Handballer der HSG Wetzlar aufgewachter aus der Kabine kamen und nach der Pause den Grundstein für den 26:22 (13:11)-Erfolg im Bundesliga-Derby beim TV Hüttenberg legten.

 

TVH-Trainer Jan Gorr sah aber schon früher den Anfang vom Ende seiner Schützlinge gekommen. Denn nur in den ersten 20 Spielminuten hätten seine Mannen „wahnsinnig gut verteidigt“. Dann habe Wetzlar dem Spiel den Stempel aufgedrückt. „Dann ist es so gekommen, wie man es hatte erwarten können, dass der große Bruder den kleinen schlägt.“

In der Tat wirkten die Gäste in Gießen vor allem nach der Pause als die stärkere und besser eingespielte Mannschaft, nachdem sie bereits vor dem Gang in die Kabinen aus einem 6:8- (21.) und 10:11-Rückstand (27.) eine 13:11-Halbzeitführung durch den vierten (von insgesamt sechs) sicher verwandelten Siebenmetern des ansonsten blassen Adnan Harmandic gemacht hatten.

„Wir waren unkonzentriert und haben einfache Bälle weggeworfen“, ging Hüttenbergs Linksaußen Andreas Lex mit sich und seinen Mitspielern hart ins Gericht - was in einen 12:19-Rückstand des TVH nach 40 Minuten mündete. Doch gaben sich die Gastgeber nicht auf und verkürzten unter der Anfeuerung des jetzt lautstarken Hüttenberger Anhangs noch einmal auf 18:21 eine Viertelstunde vor Schluss. Zu mehr reichte es jedoch nicht. Spätestens beim fünften Treffer des stark aufspielenden Timo Salzer zur 25:20-Führung der HSG war die Partie entschieden und übernahmen die Wetzlarer Fans die akustische Vorherrschaft in der ausverkauften Halle.

Nicht nur den Faktor der größeren Erfahrung seiner Mannschaft wollte Gäste-Trainer Gennadij Chalepo als Grund für den verdienten Derbyerfolg anerkannt wissen. Wichtig sei auch die Disziplin gewesen. „Wir haben uns die ganze Woche akribisch auf das Spiel vorbereitet“, erklärte der ehemalige weißrussische Nationalspieler. So ließ sich die Mannschaft der Grün-Weißen auch nicht durch das kurzfristige Fehlen von Chalepos ehemaligem Mitspieler Andrej Klimovets aus der Spur bringen. Der erst vor wenigen Tagen von der HSG verpflichtete Weltmeister von 2007 war vorsorglich zu Hause geblieben, nachdem Oberligist TSG Haßloch einen zweiten Spielberechtigungsantrag in der laufenden Saison bei der Handball-Bundesliga (HBL) vorgelegt hatte.

Hier will die HBL heute oder morgen eine Entscheidung treffen. Was Aberkennung der Punkte aus dem 26:25-Heimerfolg gegen Frisch Auf Göppingen (unter Mitwirkung von Klimovets) und eine längere Sperre für den 37 Jahre alten Routinier bedeuten kann. Die HSG-Verantwortlichen scheinen aber für diesen Fall vorbereitet und wollen gegebenenfalls den Instanzenweg (bis zu einem ordentlichen Gericht) gehen.

Um den Gang in die Zweitklassigkeit sollten sie auch bei Aberkennung der Göppingen-Zähler nicht fürchten müssen. Dafür haben die zwei Derby-Punkte das Polster auf 18 anwachsen lassen.

Vielmehr dürften sich nach den Ergebnissen des 20. Spieltags die Teams ab Rang zwölf - TV Großwallstadt (15:23 Punkte), HBW Balingen-Weilstetten, TSV Burgdorf, Bergischer HC, VfL Gummersbach (12:28) - einen intensiven Kampf um den drittletzten Tabellenplatz (den ersten Abstiegsrang) liefern.

Aufsteiger TV Hüttenberg als Vorletzter mit fünf Punkten Rückstand auf Gummersbach hat da nach der Niederlage im Derby nur noch minimale Chancen auf den Klassenerhalt. Die Mannschaft um Kapitän Florian Laudt darf sich auf jeden Fall keine Minute Schlafwagenhandball mehr leisten und muss in jeder Phase der noch ausstehenden Spiele hellwach sein.

Albert Mehl