"Können es besser als im Hinspiel"

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Hüttenbergs Michael Stock und Wetzlars Steffen Fäth glauben an den Derbysieg

Wenn am Freitagabend um 19.45 Uhr die 26. Auflage des mittelhessischen Handball-Derbys zwischen dem TV Hüttenberg und der HSG Wetzlar angepfiffen wird, geht es um mehr als nur zwei Zähler. Der Außenseiter will in der Gießener Osthalle die Pleite aus dem Hinspiel (20:28), dem ersten Aufeinandertreffen der beiden Traditionsvereine in Liga eins überhaupt, vergessen machen - und wieder an den Klassenerhalt glauben.

 

Das jedenfalls betont TVH-Linksaußen Michael Stock. Der 28-jährige Lehramtsreferendar für Sport und Erdkunde glaubt fest an ein erfolgreicheres Auftreten seiner Truppe als beim bitteren Abend in der Rittal-Arena im vergangenen September.

Das will HSG-Talent Steffen Fäth - im Hinspiel mit fünf Treffern bester Werfer im Wetzlarer Lager - indes verhindern. Der 21-Jährige beschwört vor dem Duell der nur zehn Kilometer voneinander entfernt liegenden Bundesligisten die individuelle Qualität, die für die Gäste spricht. Im Gespräch mit dieser Zeitung ist die Vorfreude bei beiden jedenfalls riesig.

Herr Stock, Herr Fäth, ist vor solch einem Derby überhaupt noch eine Portion Extramotivation nötig?

Stock: Nein, die ist sowieso gegeben. Das Hinspiel hat gezeigt, dass die Atmosphäre und die Stimmung bei den Fans das Duell zu einem besonderen Spiel machen, allein schon wegen der geografischen Lage und der alten Rivalität. Aber letztlich ist es auch ein Spiel wie jedes andere: Es geht um zwei Punkte, und die will jede Mannschaft auf ihre Seite schaufeln.

Fäth: Vor so einem Derby ist jeder motiviert und wird alles geben, weil er gewinnen will. Ich freue mich sehr darauf, weil es ein ähnliches schönes Duell wie in Wetzlar geben wird. Bei einem Derby ist die Atmosphäre einfach immer ein in Stück weit hitziger.

Das Hinspiel war eine klare Angelegenheit. Ist das noch in den Köpfen und wo lagen die Gründe dafür?

Stock: Wir haben dort nicht zu unserer gewöhnlichen Deckungsleistung gefunden, im Angriff war in einer Phase in Halbzeit zwei kein Durchkommen. Wetzlar war damals noch cleverer, aber wir haben uns gesteigert und diesmal wird es sicher enger.

Fäth: Wir hatten eine schwache erste Hälfte gespielt und sind dann aber nach der Pause weggezogen. Es wurde zum Glück schnell zum Selbstläufer, auch weil der TVH ohne Florian Laudt angetreten ist und nicht viele Wechselmöglichkeiten hatte.

Mittlerweile kennen sich die Teams eigentlich in- und auswendig. Wovor warnen die Trainer dennoch ganz besonders?

Fäth: (lacht) Ich will jetzt lieber nicht ins Detail gehen. Aber es ist ja offensichtlich, dass wir vor allem Timm Schneider in den Griff bekommen müssen. Auch der Umgang mit dem für die Bundesliga recht untypischen 3:2:1-System der Hüttenberger ist natürlich ein Thema.

Stock: Wir sind im Training alle taktischen Raffinessen durchgegangen. Aber letztlich wird der größere Wille den Ausschlag geben. Man hat oft gesehen, dass wir Spiele eng gestalten können und mit einem Quäntchen Glück auch gegen eine Mannschaft wie Wetzlar ein Sieg möglich ist.

Die HSG ist allerdings im Gegensatz zu Hüttenberg mit einem Sieg aus der Winterpause gekommen. Welche Rolle spielt das für das Selbstbewusstsein?

Stock: Wir wollten uns in Kiel Selbstvertrauen holen, das ist uns auch gelungen, wir sind ja nicht untergangen. Die Pleite können wir sehr gut einordnen, jetzt gilt unsere Konzentration dem Derby. Wir können es auf jeden Fall besser als im Hinspiel.

Steigt auch bei Ihnen in der Kabine das Derbyfieber?

Fäth: Im Training merkt man, dass es etwas hitziger wird. Es ist jedem anzumerken, dass die Motivation sehr hoch ist. Aber im Großen und Ganzen geht es um zwei Punkte.

Stock: Es ist jetzt nicht so, dass wir schon seit Ewigkeiten nur davon sprechen. Unser Fokus richtet sich immer von Spiel zu Spiel. Geflachst wird aber natürlich, von Wetten zwischen den Spielern weiß ich allerdings noch nichts.

Viele hätten die Partie gerne im Hüttenberger Sportzentrum gesehen. Ist die Gießener Osthalle als Austragungsort ein Vorteil für die HSG?

Stock: Ich wäre lieber in Hüttenberg aufgelaufen, weil wir dort unsere besondere Heimstärke ausspielen können. Aufgrund der großen Nachfrage ist es aber natürlich cleverer, die Begegnung nach Gießen zu legen. Dennoch: Den verpassten Heimvorteil muss unsere Aggressivität auf der Platte ausgleichen.

Fäth: Ich denke, in Gießen werden mehr Zuschauer dabei sein und der TVH hat schon öfter dort gespielt. Daher glaube ich nicht, dass es einen Vorteil für uns darstellt.

Wetzlar rüstet kräftig auf, in Hüttenberg droht der Ausverkauf. Geht die Schere zwischen beiden Clubs immer weiter auseinander?

Stock: Die Vereine verfolgen doch eine ganz unterschiedliche Philosophie. Wetzlar hat eine gute Truppe zusammen für nächste Saison, dort sind Planungssicherheit und die finanziellen Mittel gegeben. Wir haben uns nie auf die Fahnen geschrieben, Stars wie etwa Michael Müller zu holen. Wir haben vielmehr mit Talenten aus der Region überzeugt.

Fäth: Was den Gegner betrifft, war es in meinen Augen relativ klar, dass die besten Akteure Angebote bekommen und diese auch annehmen. Und was in Wetzlar momentan getan wird, ist super. Wir werden nächste Saison mit diesem Team eine Menge Spaß haben. In den 60 Minuten spielt das ohnehin keine Rolle.

Die HSG Wetzlar entscheidet das Derby für sich, weil ...?

Fäth: ... wir aus meiner Sicht die bessere Mannschaft sind und über einen breiteren Kader verfügen. Wir wollen diese zwei Punkte unbedingt.

Der TV Hüttenberg krallt sich den Derbysieg, weil ?

Stock: wir die Punkte dringend benötigen und uns als Mannschaft so gut entwickelt haben, dass wir aus unseren anfänglichen Fehlern gelernt haben. Außerdem ist der erste Erfolg in der Bundesliga gegen die HSG Wetzlar einfach fällig.

Matthias Georg