"Lübbecker Nächte sind lang!"

DKB Handball-Bundesliga

HSG Wetzlar siegt beim TuS N-Lübbecke 30:29

Ausgerechnet seine alte Liebe HSG Wetzlar hat Gennadij Chalepo an neuer Wirkungsstätte tiefe Sorgefalten in die hohe Stirn gefurcht. Jener Club aus Mittelhessen, dessen Verantwortliche dem 43-Jährigen Mitte März dieses Jahres nach fünf Niederlagen in Serie den Stuhl vor die Tür setzten, behielt gestern am drittletzten Vorrundenspieltag der Handball-Bundesliga mit 30:29 (18:13) beim inzwischen vom gebürtigen Weißrussen gecoachten TuS N-Lübbecke die Oberhand.

Damit verloren die Ostwestfalen auch die fünfte Partie in Serie. Duplizität der bedauerlichen Ereignisse rund um den einst in Wetzlar recht erfolgreichen Trainer: Chalepo muss zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres um seinen Job bangen. "Jetzt sind wir in einer ganz schwierigen Phase", hob der Hüne aus Gomel die Augenbrauen. "Wir brauchen nun dringend Erfolgserlebnisse."

Nach überlegener erster Hälfte müssen die Grün-Weißen noch zittern

Die sein Gegenüber Kai Wandschneider aufzuweisen hat. "Wir haben schon zehn Punkte in der Fremde geholt", freute sich der 53-Jährige nach dem Sprung auf Platz vier der Tabelle. "Das sind mehr als in der gesamten vergangenen Saison. Jetzt gilt es, noch einige Zähler bis zur WM-Pause einzusammeln, obwohl unser Programm sehr schwer ist. Dann können wir uns zusammensetzen und unsere Ziele neu definieren."

Abgezockt, furchtlos im Abschluss trotz rustikal zupackender Hausherren, mit einem wieder einmal überragenden Nikola Marinovic im Tor und den in Angriff und Abwehr zunächst eiskalten Müller-Zwillingen lagen die Grün-Weißen schon Mitte der ersten Halbzeit fast uneinholbar in Front. Beim 14:7 (17.) durch den überragenden Kevin Schmidt, der in Unterzahl nach zuvor verworfenem Siebenmeter traf, lag die HSG früh mit sieben Toren vorne. Auch beim 17:10 (25.) durch Daniel Valo, dem Sekunden nach seiner Einwechslung zwei schnelle Treffer glückten, sah die Spielgemeinschaft aus Dutenhofen und Münchholzhausen weiter wie der sichere Sieger aus. Der 13:18-Halbzeitstand schmeichelte den im Angriff viel zu überhasteten Hausherren.

Nach dem Wechsel stellte Chalepo auf eine flinke 3:3-Deckung um, die der HSG Wetzlar zunehmend Sorgen bereitete. Aus dem Rückraum lief nun nicht mehr viel zusammen, nur noch Michael Müller und Steffen Fäth trafen in den zweiten 30 Minuten je zweimal ins Schwarze. Die von den gerade einmal 1855 Fans aufgepeitschten Ostwestfalen arbeiteten sich Tor um Tor heran und schnupperten beim 27:28 (55.) durch einen verwandelten Siebenmeter von Linksaußen Dennis Wilke an einem Punktgewinn, den Michael Müller zum 29:27 (56.) und Kevin Schmidt zum zwischenzeitlichen 30:28 (58.) jedoch zu Nichte machten. Als die mutigen Schiedsrichter 21 Sekunden vor Schluss auf falsche Sperre gegen Frank Loke entschieden, hatten die Grün-Weißen die Partie gewonnen.

"Was in dieser Saison läuft, ist ein Traum", freute sich der starke Linksaußen Kevin Schmidt. "Am Ende waren wir einfach abgezockter", bilanzierte HSG-Regisseur Adnan Harmandic. Wie schon vor zwei Wochen beim Sensationserfolg in Berlin. Und wie vielleicht auch in einer Woche zu Hause gegen Rekordmeister THW Kiel ...

N-Lübbecke: Blazicko, Quenstedt (14. bis 39.) - Gustafsson (1), Loke (4), Vukovic (4), Wilke (9/6), Kristian Svensson (1), Arnaudovski (n.e.), Tluczynski (3), Niewrzawa, Daniel Svensson, Niemeyer (5), Schöngarth (2), Remer.

Wetzlar: Marinovic, Weber (bei zwei Siebenmetern) - Schmidt (6/2), Fridgeirsson (2), Tiedtke (2), Rompf (n.e.), Valo (2), Philipp Müller (4), Reichmann (4), Fäth (2), Michael Müller (6), Hahn (n.e.), Harmandic (1), Kristjansson (1).

Schiedsrichter: Moles/Pittner (Heddesheim/Hemsbach) - Zeitstrafen: N-Lübbecke vier (Vukovic, Daniel Svensson, Niemeyer zwei), Wetzlar fünf (Fridgeirsson, Tiedtke, Fäth, Philipp Müller zwei) - verworfener Siebenmeter: Schmidt (Wetzlar) scheitert an Quenstedt (17.).

Quelle: WNZ