Maximilian Holst: „Es macht keinen Sinn etwas zu erzwingen!“

Max Holst arbeitet hart in der Reha.

DKB Handball-Bundesliga

 

 

25-jähriger Linksaußen der HSG Wetzlar arbeitet nach seinem Kreuzbandriss im linken Knie akribisch an Rückkehr ins Team - Genesung macht gute Fortschritte!

 

Im Sommer war Maximilian Holst vom Zweitligisten TV Großwallstadt zur HSG Wetzlar, um sich mit den Grün-Weißen in der DKB Handball-Bundesliga zu beweisen. Nach einer überzeugenden Sommervorbereitung, in der der 25-jährige bereits sein enormes Potential auf der Linksaußen-Position unter Beweis stellte, war die Saison kaum vier Wochen alt, als sich Holst im Training das Kreuzband im linken Knie riss. Seitdem arbeitet der sympathische Student der Wirtschaftswissenschaften hart an seinem Comeback. In diesem Interview äußert sich Holst zu Reha-Erfolgen, der HSG Wetzlar und seinen Zielen mit dem Club.

Max, wie verläuft der Heilungsprozess?

Holst: „Der Heilungsprozess läuft gut und planmäßig. Ich bin seit der OP in physiotherapeutischer Behandlung und nun seit ungefähr acht Wochen auch im Aufbau- und Reha-Training. Durch die tägliche Reha und die Behandlung macht mein Knie deutliche Fortschritte und die Kraft und Stabilität kommt langsam zurück. Ich habe von montags bis samstags täglich Physiotherapie und Reha und bin mit den bisherigen Fortschritten zufrieden. Mein linkes Bein sieht zwar muskulär noch etwas mickrig aus, aber ich bin zuversichtlich, dass ich diese Muskelmasse und Stabilität in den nächsten Monaten zurückgewinnen kann und bald gesund und schmerzfrei wieder zur Mannschaft stoßen kann.

Wann wirst Du nach aktueller Lage wieder ins Training einsteigen und wieder spielen können?

Holst: „Ich habe nun die ersten acht Wochen der Reha geschafft. Man weiß ja, dass die Ausfallzeit bei einem Kreuzbandriss im Handball bei mindestens sechs bis sieben Monaten liegt. Wenn ich danach wieder mit der Mannschaft trainieren könnte, wäre dies der Idealfall. Im Moment ist es für mich schwierig bis unmöglich abzusehen, ob ich es schaffe nach sieben Monaten wieder auf dem Handballfeld zu stehen, da ich noch einen Großteil der Reha vor mir habe. Es könnten zu jeder Zeit Verzögerungen oder Komplikationen auftreten, die die Ausfallzeit verlängern könnten. Deshalb muss man vorsichtig sein und sich immer wieder täglich aufs Neue an die Belastungsgrenze des Knies herantasten. Bei einem Kreuzbandriss macht es keinen Sinn etwas erzwingen zu wollen. Man muss zwar hart trainieren, jedoch muss man immer auf seinen Körper hören und dessen Warnsignale beachten. Speziell in der letzten Phase der Reha, wenn ich näher an die Hallenbelastung herankomme, wird es in der Zeitplanung entscheidend sein, wie mein Knie auf Sprünge, Sprints oder Kontaktsituationen reagiert? Nach zehn Wochen Post-OP fühlt sich mein Knie insgesamt gut an und ich fühle mich sicher im Training. Die Reaktionen des Knies auf erhöhte Belastungen sind bisher positiv und ich hoffe, dass es in den nächsten Wochen und Monaten so weitergeht. Ich habe mir selbst kein fixes Datum gesetzt, wann ich wieder zu 100% fit sein will. Ich weiß jedoch, dass ich erst dann aufs Spielfeld zurückkehren werde, wenn mein Knie mindestens so stabil und stark ist wie vor der Verletzung, ich mich zu Einhundertprozent sicher fühle und ich vollstes Vertrauen in meinen Körper habe. Dafür werde ich in den nächste Monaten weiterhin alles geben, um der Mannschaft so schnell wie möglich wieder helfen zu können.“

Wie erlebst Du zur Zeit die Spiele der HSG Wetzlar als unfreiwilliger Zuschauer? 

Holst: „Wir haben zuletzt eine sehr schwierige Phase durch gemacht. Im November waren wir in einem der wichtigsten Monate für uns in dieser Saison und hatten gerade da enormes Verletzungspech. Deshalb tat es umso mehr weh, dass ich der Mannschaft nicht aktiv helfen konnte und zum Zuschauen verdammt war. Für mich ist es die erste schlimme Verletzung und deshalb ungewohnt und schwierig, eine so lange Zeit nicht auf dem Feld zu stehen. Die letzten Spiele waren sehr nervenaufreibend. Bei solch knappen Spielen ist das Zuschauen noch schlimmer. Ich bin aber froh, dass die Jungs mit den Siegen über Friesenheim, den BHC und Balingen wieder Selbstvertrauen getankt haben und wir uns mittlerweile aus dem Tabellenkeller gekämpft haben.“ 

Was stimmt Dich so zuversichtlich, dass die HSG Wetzlar den Klassenerhalt schafft?

Holst: „Ich glaube, dass unsere Mannschaft stark genug ist, um den Abstand zu den Abstiegsplätzen noch weiter zu vergrößern. Natürlich schmerzen uns die Verletzungen wie jetzt von Kent Robin Tönnesen sehr, aber der Verein hat ja noch einmal reagiert und mit Vladan Lipovina einen jungen Spieler verpflichtet, der uns hilft. Wenn wir als Mannschaft im Großen und Ganzen verletzungsfrei durch die nächsten Monate kommen, bin ich sehr zuversichtlich, dass wir uns aus eigener Kraft und mit Hilfe unser tollen Zuschauer in der Rittal-Arena wieder nach oben kämpfen können.“

Man sagt Dir nach, dass Du mit Deiner persönlichen Entwicklung noch nicht am Ende bist. Wo siehst Du noch Potential?

Holst: „Das ist aktuell natürlich eine schwierige Frage. Erst einmal konzentriere ich mich voll und ganz darauf, wieder gesund zu werden. Und wenn ich dann vielleicht nach sechs Monaten zum ersten Mal wieder einen Ball in der Hand habe, muss ich erst mal testen, ob ich noch einen Pass geradeaus werfen kann?“

Du kennst Deinen Trainer bereits seit Deiner Zeit in Dormagen. Was zeichnet Kai Wandschneider aus?

Holst: „Kai ist ein akribischer Arbeiter und ein Taktikfuchs. Er hat so viele verschiedene Konzeptionen parat und legt sehr viel Wert auf taktische Mittel, um einen Gegner zu überraschen. Er ist ein guter Analytiker und bereitet sich und die Mannschaft punktgenau auf die Stärken und Schwächen des jeweiligen Gegners vor, in dem er viele Stunden Spiele und Mannschaften analysiert. Darüber hinaus versteht er es sowohl in guten als auch in schlechten Phasen eine Mannschaft zusammenzuhalten und den Teamgeist zu stärken. Er ist unentwegt dabei, uns weiterzuentwickeln und hat auch immer ein offenes Ohr, wenn es individuelle Probleme gibt.“

Du bist studierter Wirtschaftswissenschaftler. Wie bringst Du dies in Dein Handballeben ein?

Holst: „Aktuell mache ich einen Master in Management und hoffe diesen, in ungefähr zwei Jahren abgeschlossen zu haben. Was ich genau nach der Handballkarriere machen möchte, weiß ich noch nicht. Da meine bisherigen Studiengänge von der Thematik her recht breit gefächert sind, glaube ich, dass ich mich noch nicht festlegen muss, welchen Job ich einmal ausüben oder in welcher Branche ich arbeiten möchte. Zunächst möchte ich so lange es geht weiter Handball spielen und mit der HSG Wetzlar noch einige erfolgreiche Jahre erleben. Aber dafür muss ich erst einmal weiter hart arbeiten, um wieder fit zu werden.“