Maximilian Holst: Mit Verspätung in Wetzlar angekommen!

Bild: www.sportfoto-vogler.de

DKB Handball-Bundesliga

26jähriger Linksaußen spricht im Interview mit Wetzlarer Neuen Zeitung über aktuelle sportliche Situation, die Zusammenarbeit mit Kai Wandschneider und seine sportlichen Pläne mit der HSG Wetzlar!

Nach dem Sieg am Samstagabend gegen den Bergischen HC hat sich Maximilian Holst, Bundesliga-Handballer der HSG Wetzlar, erst mal eine kleine Auszeit gegönnt. Der Linksaußen der Grün-Weißen schaute sich einen Tag nach dem klaren 28:19-Heimerfolg die Fußball-Bundesliga Partie zwischen dem 1. FC Köln und Hannover 96 (0:1) an. „Das Spiel war natürlich nicht so toll. Aber ich freue mich immer, wenn ich wieder in meiner Heimat bin und die Mentalität der Menschen dort erlebe“, erklärt der gebürtige Rheinländer Holst gegenüber der Wetzlarer Neuen Zeitung. 

Der 26Jährige hat mit seinen guten Leistungen dazu beigetragen, dass die HSG Wetzlar derzeit von Erfolg zu Erfolg eilt. Eine genaue Erklärung für den Höhenflug der Domstädter hat er nicht: „Die hat noch nicht mal unser Trainer Kai Wandschneider. Und der kann eigentlich alles begründen“, sagt der Linksaußen mit einem Grinsen, ehe er anfügt: „Wir haben viele Partien knapp für uns entschieden und uns somit eine gewisse Abgezocktheit angeeignet.“ Der Mann mit der Rückennummer 22 hat aber noch einen weiteren Grund ausgemacht: „Die Chemie in der Mannschaft passt. Wir sind eine solide Truppe, wo jeder einmal in einer Begegnung mit guten Leistungen hervorstechen kann.“

Dass die HSG im Moment Platz vier belegt, ist für Holst nicht mehr als eine „Momentaufnahme“. Der Leistungsträger erinnert sich noch gut an das Heimspiel gegen Berlin am zweiten Spieltag, welches 27:33 verloren ging. „Da sind wir am Schluss eingebrochen. Das blieb beim Publikum hängen und auch in den Medien kamen wir nicht gut weg“, weiß Holst, zumal auch die nächste Partie in Gummersbach verloren ging (29:24). „Dann kam die Partie zu Hause gegen Hannover. Das war ein wichtiges Spiel für uns. Wir hatten da richtig Druck“, gibt der 26Jährige offen zu. Es folgten jedoch sieben Siege ohne Niederlage, die vergangenen fünf Partien wurden allesamt gewonnen. „Mit dieser Serie hat niemand gerechnet. Auch ich nicht“, so der Siebenmeterspezialist, der aktuell bester Torschütze der Wetzlarer ist. Allein in den letzten beiden Partien gegen den Bergischen HC und in Eisenach gelangen ihm zusammen 18 Treffer. „Natürlich habe ich mir vor der Saison schon das Ziel gesetzt, der Mannschaft mit meinen Toren zu helfen. Ich bin mit der ersten Partie in Stuttgart (elf Treffer, die Redaktion) gut reingekommen, das war eine Initialzündung für mich.“

Seit zwei Jahren spielt der Student bei den Grün-Weißen, aber erst in dieser Saison kann „Max“, wie er gerufen wird, zeigen was er kann. Denn im September des vergangenen Jahres zog sich Holst einen Kreuzbandriss am linken Knie zu. „Das war sehr bitter für mich. Ich wusste, dass die Saison gelaufen ist. Das hat mich sehr geärgert. Wir hatten eine starke Mannschaft mit Ivano Balic oder José Hombrados. Da hätte ich mich gerne weiterentwickelt“, sagt der Rheinländer, der bereits im Alter von 14 Jahren in das Leistungszentrum von Bayer Dormagen wechselte. Jener Verein, bei dem auch sein Vater früher als Spielmacher glänzte. Trainer der ersten Mannschaft damals: Kai Wandschneider. Der heutige Coach der HSG erkannte schon früh, was für ein Talent Holst ist. „Zu Kai habe ich ein sehr gutes Verhältnis. Ich schätze ihn als Trainer sehr“, lobt der Linksaußen seinen Übungsleiter. Mit 17 schaffte er den Sprung in die erste Mannschaft. Direkt im ersten Jahr stieg er mit Dormagen in die Bundesliga auf. 2011 erfolgte der Wechsel zum TV Großwallstadt, mit dem er 2013 aber die bittere Abstiegspille schlucken musste. „Das war der bitterste Moment meiner Karriere“, gibt Holst offen zu. Obwohl es schon damals Kontakte nach Wetzlar und seinem Förderer Wandschneider gab, ging er mit dem TVG noch ein Jahr in die zweite Liga, ehe der Wechsel in die Domstadt dann ein Jahr später klappte.

Bei den Grün-Weißen galt es die Lücke zu schließen, die Kevin Schmidt nach seinem Abgang nach Hamburg hinterlassen hatte. „Das war keine einfache Aufgabe, zumal dann auch gleich die schwere Knieverletzung kam“, erklärt Holst. Doch jetzt, mit einem Jahr Verspätung, ist der Fan des 1. FC Köln in Wetzlar angekommen. Und verstecken braucht er sich mit seiner Vita ebenfalls nicht: Vor drei Jahren absolvierte Holst in Mannheim gegen Island sein erstes und bisher einziges Länderspiel und erzielte zwei Treffer. Ob weitere dazu kommen, kann Holst nicht beantworten: „Linksaußen ist die vielleicht bestbesetzte Position in Deutschland. Allein wegen Uwe Gensheimer“, sagt der nun in Lahnau lebende Rheinländer und fügt an: „Ich konzentriere mich nur auf die HSG Wetzlar und versuche, meine Aufgabe so gut es geht zu erfüllen.“ Da das aber bisher ganz gut geklappt hat, mischen die Wetzlarer mit 15:5 Punkten munter in der Spitzengruppe mit: „Wir tun aber gut daran, und jetzt wegen der Tabellensituation keinen Kopf zu machen. Die Saison ist noch lange. Wir gewinnen keine Spiele im Vorbeigehen und müssen uns alles hart erarbeiten“, so Holst. Worte, die sein Förderer Wandschneider sicherlich gerne hört.