Mehr Kampf als Klasse bei Wetzlarer Sieg in Ferndorf!

DKB Handball-Bundesliga

Mittelhessen schlagen engagierten Drittligisten mit 30:28 – Lob vom Trainer gab´s letztlich nur für Ivano Balic

Einmal mehr hatte es der gemeinsame Sponsor beider Clubs, die Firma Ingersoll Cutting Tools aus Haiger, möglich gemacht, dass der Handball-Erstligist HSG Wetzlar in der Sommervorbereitung beim Drittligisten TuS Ferndorf zum Testspiel vorstellig wurde.  Vor vollen Rängen entwickelte sich vom Anpfiff weg ein kampfbetontes Duell, dass der Favorit aus der Domstadt am Ende knapp mit 30:28 (16:12) für sich entscheiden konnte, seinen Trainer Kai Wandschneider damit aber nur wenig glücklich und zufrieden stellte.

Dabei waren die Grün-Weißen gut in der Partie gestartet. Ohne fünf verletzte oder erkrankte Leistungsträger (Dahl, Tiedtke, Hahn, Weber und Harmandic) angetreten, stellte Wetzlar zunächst eine massive 6:0-Deckung, was schnelle Konter-Tore ermöglichte. So traf Neuzugang Guillaume Joli in der 8. Spielminute zum 4:1 für die Gäste. Eine Führung, die jedoch wenig Sicherheit ins HSG-Spiel bringen sollte. Immer wieder wurde im Angriff hastig und unkonzentriert abgeschlossen und im Defensivverbund zeigten sich ungewöhnlich große Lücken, die Keeper Andreas Wolff, trotz seiner insgesamt zehn Paraden im ersten Durchgang, oftmals machtlos zurückließen. Nach dem Ferndorfer Treffer zum 7:9 (22.) nahm HSG-Coach Wandschneider seine erste Auszeit, um „für sechzig Sekunden Tacheles“ zu reden – was offensichtlich Wirkung zeigte, denn sein Team ging letztlich mit einem Vier-Tore-Vorsprung in der Halbzeitpause.

Das über die gesamte Partie wellenförmige Leistungsniveau des Erstligisten setzte sich auch nach dem Wechsel fort. Viele schön herausgespielte, aber zum Teil fahrlässig ausgelassene Torchancen der Gäste machten den Drittligisten mental immer stärker – ließ des „Underdog“ an seine Chance glauben. Selbstbewusst spielten die Kreuztaler ihre Angriffe lange aus und trafen vorrangig durch verdeckte Schlagwürfe aus dem Rückraum oder über den Kreis, sodass es in der 47. Minute erstmals Unentschieden (22:22) stand.  Wetzlar, bei dem sich einzig der agile Ivano Balic ein Lob des Trainers abholen durfte, berappelte sich nun wieder. Spätestens als Routinier Evars Klesniks nach einem Defensivblock von Kristian Bliznac per Gegenstoß zum 28:26 traf (56.), schien die Partie gelaufen. Doch der TuS gab nicht auf und zwei Minuten vor dem Ende netzten die Gastgeber zum vielumjubelten 28:28-Ausgleich ein. Dies blieb jedoch der letzte Treffer der Hausherren, während Wetzlar noch zweimal durch Kent Robin Tönnesen und Ivano Balic traf und sich letztlich über einen schmeichelhaften Sieg im Kreis Siegen-Wittgenstein freuen durfte.

„Das war heute von fast allen Spielern zu wenig! Bis auf Ivano Balic, der das Spiel im Griff gehabt und letztlich entschieden hat, hat keiner sein eigentliches Leistungsniveau erreicht“, stellte HSG-Trainer Kai Wandschneider nach der Partie nüchtern und deutlich angefressen fest. „Wir müssen in den verbleibenden drei Wochen bis zum Saisonstart eine Schippe drauf legen. Mir hat heute die letzte Konzentration gefehlt, gerade im Abschluss.“

Am Donnerstag brechen die Mittelhessen nun gen Norden auf, um am hochklassige besetzten „Heide-Cup“ in Schneeverdingen teilzunehmen. Dort treffen die Grün-Weißen tags drauf auf das polnische Spitzenteam aus Kielce (mit dem Ex-Wetzlarer Tobias Reichmann).

Stenogramm HSG Wetzlar: Wolff, Hanemann (47.-53.); Rompf (1), Klesniks (1), Tönnesen (3), Prieto, Joli (8/3), Holst (6/1), Bliznac (4), Fäth (2), Balic (5), Laudt (1).