Michael Müller: „Ich möchte in Wetzlar Verantwortung übernehmen!“

Ab der kommenden Saison gemeinsam im Trikot der HSG Wetzlar: Philipp (links) und Zwillingsbruder Michael Müller (rechts).

DKB Handball-Bundesliga

50-facher deutscher Nationalspieler freut sich auf die HSG Wetzlar, Gießen und seinen Bruder Philipp

Er ist Linkshänder, deutscher Nationalspieler, spielte mit den Rhein-Neckar Löwen im Halbfinale der EHF Champions League und des DHB-Pokals und stellt für viele Handballexperten eine echte Verstärkung für die HSG Wetzlar dar. Die Rede ist von Michael Müller. Der 1,97m große Rückraumspieler, der Anfang Juli aus Mannheim an die Lahn wechselt, wird in den kommenden zwei Jahren für die Grün-Weißen auf Torjagd gehen und den rechten Rückraum verstärken. 
Im Interview spricht der gebürtige Würzburger, der bei den Domstädtern gemeinsam mit seinem  Zwillingsbruder Philipp spielen wird, über seine Zeit bei den Rhein-Neckar Löwen, erzählt, warum er sich für die HSG Wetzlar entschieden hat und erklärt charmant, wieso er keine Siebenmeter werfen kann.

Michael, die wichtigste Frage zuerst: Kannst Du Siebenmeter werfen?
Michael Müller: „Nein, das kann ich leider nicht besonders gut. Da müsst Ihr Euch jemand anderes suchen (lacht). Zwar habe ich versucht mir in den drei Jahren bei den Rhein-Neckar Löwen das eine oder andere bei Uwe Gensheimer abzugucken, aber unglücklicherweise habe ich kein Gummi-Handgelenk.“

Das ist schade! Mit Lars Friedrich hat die HSG Wetzlar nämlich der angestammte Schütze vom „Punkt“ verlassen. In diese Lücke hättest vielleicht Du reinstoßen können!
Michael Müller: „Ich habe natürlich mitbekommen, dass die HSG Wetzlar vor allem in der zweiten Saisonhälfte viele Siebenmeter hat liegen lassen, aber ich denke, dass eine Vielzahl an Spielern in der Mannschaft diese Aufgabe besser lösen kann als ich (lacht).“

Du hast eben die Rhein-Neckar Löwen schon kurz erwähnt. Bevor wir auf die HSG Wetzlar zu sprechen kommen, würden wir gerne einen kleinen Blick zurück werfen. Wie fällt Dein persönliches Fazit der letzten drei Jahre aus?
Michael Müller: „Ich denke die Zeit in Mannheim war voller Höhen und Tiefen. In meinem ersten Jahr habe ich leider nicht die Spielanteile bekommen, die ich mir selber gewünscht habe. Mit Olafur Stefansson hatten wir aber auch einen wirklichen Weltklassespieler im rechten Rückraum. Da war es schwer sich in den paar Minuten, die ich auf dem Spielfeld stand, zu empfehlen. Im zweiten Jahr hat mich dann leider eine schwere Verletzung zurückgeworfen. Dort habe ich kaum gespielt. In der letzten Saison habe ich dann sehr viele Spielanteile bekommen und konnte mich aufdrängen. Weitere Höhepunkte waren sicherlich die Final-4 im DHB Pokal und das Champions League Halbfinale 2011 gegen den FC Barcelona.“

In Mannheim hast Du, wie Du eben schon kurz angerissen hast, zusammen mit Olafur Stefansson gespielt. Was kann man von einem solchen Spieler als deutscher Nationalspieler noch lernen?
Michael Müller: „Die eine oder andere Kleinigkeit kann man sich von solchen Spielern sicherlich immer abgucken. Ich denke aber, dass man sich am besten weiterentwickelt, wenn man viele Spielanteile bekommt. Das war in der Zeit mit Olafur leider nicht so ausgeprägt der Fall. Größtenteils hat er das Vertrauen vom Trainer bekommen. Ich habe dann versucht die Einsatzzeit, die ich bekommen habe, möglichst gut zu nutzen.“

Lass uns den Blick nun nach vorne richten. Die Zukunft für dich heißt HSG Wetzlar. Dein Wechsel wurde relativ früh öffentlich gemacht. Leider lief es für die HSG in der Rückrunde dann nicht besonders gut. Warst Du in den letzten Monaten auch ein bißchen Wetzlar-Fan?
Michael Müller: „Grundsätzlich fiebere ich immer mit dem Verein mit, in dem mein Bruder spielt, ganz klar. In diesem speziellen Fall hatte ich das Gefühl, als wäre ich selber mitten im Abstiegskampf. Ich habe immer geguckt, wie die HSG und die anderen Konkurrenten gespielt haben. Dass Wetzlar jetzt die Klasse gehalten hat, freut mich persönlich natürlich sehr.“

Nun ist die HSG Wetzlar kein Verein, der große internationale Ambitionen hegt. Du kommst von einem Top-Klub, hast Champions League gespielt und bist Nationalspieler. Was hat dich überzeugt, nach Mittelhessen zu wechseln?
Michael Müller: „Natürlich sind die Voraussetzung in Wetzlar ganz andere als bei den Rhein-Neckar Löwen. Die HSG hat eine junge Mannschaft mit vielen Talenten. Als erfahrenerer Spieler möchte ich hier Verantwortung über- und eine Führungsposition einnehmen. Ausschlaggebend war natürlich auch die Aussicht auf wesentlich mehr Spielzeit als in Mannheim sowie das Konzept der HSG, dass mich vollends überzeugt hat. Als i-Tüpfelchen kommt hinzu, dass mit Philipp mein Zwillingsbruder bei der HSG spielt. Es ist immer etwas ganz besonderes mit seinem Bruder zusammen zu spielen. In Wetzlar hat im Gegensatz zu anderen Angeboten einfach das Gesamtpaket gestimmt.“

Den Großteil der Mannschaft wirst du erst noch kennenlernen. Schilder doch bitte trotzdem mal deinen Eindruck vom Team. Was sind die Qualitäten im Kader der HSG Wetzlar?
Michael Müller: „Ich denke, dass die HSG Wetzlar eine sehr hohe Qualität im Kader besitzt. Das diesjährige Abschneiden spiegelt die Leistungsfähigkeit in keiner Weise wider. Es ist immer wichtig einen guten Start in die Saison hinzulegen. Dann hat man Ruhe im Verein und kann konzentriert arbeiten. Wichtig wird auch sein, dass die Mannschaft nicht wieder in ein Loch fällt, wie es in der vergangenen Rückrunde passiert ist, wo man eine relativ lange Negativserie hingelegt hat. Normalerweise sollte für die HSG ein Mittelfeldplatz erreichbar sein. Saisonziel ist aber zunächst mal den Klassenerhalt so früh wie möglich zu sichern.“

Wie kann man ein solches Loch vermeiden? Gibt es da ein Allheilmittel?
Michael Müller: „Ich glaube der Schlüssel zum Erfolg liegt auch darin, dass man in Ruhe arbeiten kann. Verliert man einige Spiele, dann entsteht Unruhe. Diese wird zwar meistens von außen in den Club hereingetragen, schlägt sich aber dennoch auf die Mannschaft nieder. Das darf nicht passieren. Wetzlar hat mit den Ab-  und Zugängen keinen Qualitätsverlust erlitten. Von daher schauen wir mal, was am Ende rumkommt.“

Deinen Bruder Philipp hast du ja schon kurz thematisiert. Du spielst wieder mit ihm zusammen. Müssen sich jetzt nicht nur die Gegner in der RITTAL Arena in Acht nehmen, sondern auch Wetzlar und Gießen? 
Michael Müller:  „Nein, nein, (lacht). Wir werden uns da schon professionell verhalten. Ich hab in Gießen eine schöne Wohnung gefunden, auf die ich mich richtig freue. Und Philipp wohnt in Wetzlar. Von daher wird sich das in Grenzen halten. Ich freue mich jetzt einfach auf die HSG, auf die RITTAL Arena, die eine der schönsten und modernsten Hallen der Liga ist, und auf die Fans, die in Wetzlar wirklich erste Klasse sind.“