„Million-Dollar-Arm“

Julia Peters nimmt stellvertretend die Ehrung für Steffen Fäth als „Sportler des Jahres“ entgegen, daneben Laudator Michael Müller und der Zweitplatzierte Moritz Schütz

DKB Handball-Bundesliga

WM-Fahrer Steffen Fäth grüßt per Video und muss weiter Ballsack schleppen

„Manchmal fragt man sich, wie der Steffen mit seinem gageligen Körper das eigentlich hinkriegt. Das ist schon Wahnsinn, was da aus seinem Million-Dollar-Arm raus kommt.“ So skizziert Laudator Michael Müller, Kapitän des Handball-Bundesligisten HSG Wetzlar, launig die große Stärke seines Teamkollegen Steffen Fäth. Wo kommt sie her, die Wurfgewalt des frischgebackenen Sportler des Jahres? Vielleicht sind es ja die Fischstäbchen, die laut Müller seine Freundin „Jule“ schon ganz gut mache. „Steffen hat mir das beigebracht, weil sie mir oft angebrannt sind“, berichtet Julia Peters, als sie die Bühne betritt, um die Glückwünsche stellvertretend entgegen zu nehmen.

Es hat einen guten Grund, dass der zu Ehrende bei der Abschlussveranstaltung der Sportlerwahl nicht da sein kann. Denn der Wetzlarer Rückraumspieler weilt mit der deutschen Nationalmannschaft in Spanien und bereitet sich dort auf das heutige Viertelfinale gegen den Gastgeber vor. Aber er lässt es sich nicht nehmen, sich per Videobotschaft aus dem Süden artig für die Stimmen zu bedanken und den Gästen noch einen schönen Abend zu wünschen. Kurz und bündig, so ist er halt, der Steffen Fäth.

„Ein Mann der großen Worte“, kommentiert sein Spielführer humorig-ironisch. Eher ruhig und introvertiert sei er nämlich. „Manchmal sitzen wir nach dem Training in der Kabine und fragen uns, ob er überhaupt anwesend ist. Und dann sagt er auf einmal: ,Tschüss, ich muss heim‘.“

Im Moment fehlt er tatsächlich in der HSG-Kabine, sprang der als „eines der größten deutschen Talente geltende“ Fäth doch noch kurzfristig auf den Weltmeisterschaftszug auf. „Ich glaube, das hätte er sich selbst nicht erträumt, dass er jetzt bei der WM ist“, so Michael Müller, der sicher gerne selbst dabei gewesen wäre, aber glaubwürdig unterstreicht, dass er sich - genauso wie seine Wetzlarer Teamkollegen - sehr freue für „unsere drei Daltons“.

Besonders für Steffen Fäth war es bis dahin ein „langer, steiniger Weg“ (Müller). Bei seinen vorherigen Stationen in der Bundesliga war der IHF-„Rookie“ des Jahres 2010 nicht über den Bankdrücker-Status hinausgekommen, „erst in Wetzlar schenkte man ihm wirklich das Vertrauen. Jetzt kann er endlich zeigen, was in ihm steckt“, weiß sein Kollege aus dem rechten Rückraum. Und lobt ihn im Hinblick auf seine bisherigen Auftritte auf der Iberischen Halbinsel nicht nur für seinen bekannt-berüchtigten strammen Wurf, sondern zudem dafür, „dass er es immer besser schafft, auch andere einzusetzen. Und ich glaube, wir sind alle etwas überrascht, wie gut Steffen auch in der Abwehr spielen kann“.

Bei aller Freude und allem Respekt für die Leistungen seines jungen Vereinskameraden will der Kapitän jedoch höchstselbst für Bodenhaftung sorgen. „Bei uns hat jeder seinen Job in der Mannschaft. Als Jüngster ist Steffen für unseren Ballsack zuständig. Das ist manchmal nicht ganz einfach, 20 Bälle mit sich rumzutragen. Ich drücke dem Steffen ja die Daumen, dass er Weltmeister wird. Aber ich werde, wenn er zurück ist, dafür sorgen, dass das so bleibt - und er vielleicht noch das ein oder andere Pöstchen dazubekommt. Damit er nicht abhebt, der Bub!“ Aha, möglicherweise kommen die Muckis in Fäths Arm dann eher vom Bälleschleppen, oder sind‘s doch die Fischstäbchen? (lew)

Quelle: Gießener Anzeiger