„Mit 20 Toren kannst du kein Bundesliga-Spiel gewinnen!“

Bild: HC Erlangen

DKB Handball-Bundesliga

HSG Wetzlar kostet schwache Abschlussquote Zählbares in Erlangen – Mittelhessen verlieren mit 20:22 (10:12) bei heimstarkem Aufsteiger

Handball-Bundesligist HSG Wetzlar hat am Samstagabend einen wichtigen „Big Point“ im Kampf um den Klassenerhalt vergeben. Die Mittelhessen unterlagen aufgrund einer schwachen Abschlussquote beim Tabellennachbarn HC Erlangen mit 20:22 (10:12) und kassierten somit die dritte Liga-Pleite in Folge.

Vor 2901 Zuschauern in der Arena Nürnberg startete die Partie ausgeglichen. Linksaußen Guillaume Joli gelang in der 11. Spielminute der 4:4-Ausgleich. Bis dahin hatten die beiden Torhüter der Teams, Nikola Katsigiannis (Erlangen) und José Hombrados (HSG Wetzlar) noch keinen Finger an den Ball gebracht.

Die Grün-Weißen, die weiterhin auf vier verletzte Stammkräfte verzichten mussten (Holst, Klesniks, Laudt und Tönnesen), während die Gastgeber komplett waren, liefen erneut mit Ivano Balic im rechten Rückraum und phasenweise zwei Kreisläufern im Angriffsspiel auf, was allen voran im ersten Durchgang oftmals zum Erfolg führte. In der 17. Spielminute traf Kristian Bliznac per Tempogegenstoß zur ersten und letztlich einzigen Zwei-Tore-Führung der Mittelhessen.

Doch danach kam ein Bruch ins Angriffsspiel der Gäste, auch weil sich HC-Keeper Katsigiannis mehr und mehr steigerte und den Wetzlarer Angreifern einige freie Bälle wegfischte, darunter allein drei Siebenmeter im ersten Durchgang. Zusätzliche leichte Ballverluste führten zu Gegenstoßtoren der Gastgeber, die in der 27. Minute ihrerseits erstmals mit drei Treffern in Führung lagen. Der agile Linkshänder der Franken, Ole Rahmel hatte per Tempogegenstoß zum 12:9 getroffen.

Die zweite Halbzeit begann wie die erste, mit einer Zeitstrafe gegen die HSG Wetzlar. Sebastian Weber musste wegen eines Offensivfouls (!!!) auf die Bank. Die Überzahl konnten die spielstarken Gastgeber jedoch nur zu einem Treffer, erneut durch Rahmel, nutzen (13:10, 33.).

HC-Keeper Katsigiannis wie schon im Pokal der „Mann des Spiels“!

Vor allem in der zweiten Halbzeit wurde die spannende, aber wenig hochklassige Partie zum "Schaulaufen" der beiden Torhüter Nikola Katsiginannis und Andreas Wolff, der bei den Gästen kurz vor der Pause für Hombrados eingewechselt wurde, machten reihenweise Großchancen zu Nichte. Der Erlangener Keeper konnte sich dabei jedoch öfter auszeichnen, da die Wetzlarer Angreifer um Ivano Balic gleich reihenweise freie Einschusschancen ausließen. Zwei Siebenmeter, zwei Tempogegenstöße und zahlreichen Durchbrüche, die klarste Möglichkeiten zur Folge hatten, ließen die Grün-Weißen liegen. 

„Immer wenn wir auf ein Tor hätten rankommen können haben uns die Nerven versagt und wir sind an einem bärenstarken Katsigiannis gescheitert“, fasste es HSG-Trainer Kai Wandschneider in der Pressekonferenz nach dem Spiel zusammen, und Geschäftsführer Björn Seipp fügte an: „Wir haben uns in der Abwehr gegenüber dem Spiel gegen Bietigheim enorm gesteigert, uns dafür aber in der Offensive nicht belohnt. Die Chancen wurden toll herausgespielt, aber zehn oder mehr Hundertprozentige darfst Du nicht liegen lassen. Da müssen wir einfach kompromissloser sein. Mit 20 Toren kannst Du kein Bundesliga-Spiel gewinnen, das ist klar!“

Auch Spielmacher Ivano Balic zeigte ungewohnte Schwächen beim Torabschluss. Zwischen der 42. und 51. Spielminute scheiterte der ansonsten agile Kroate einmal freistehend per Aufsetzer an die Latte und zweimal am „Mann des Abends“ im Erlangener Tor. „Hätte ich diese Dinger reingemacht, hätten wir das Spiel gewonnen“, entschuldigte sich Balic nach der Partie bei seinen Mitspielern, die nach der 20:22-Niederlage ausgepumpt und mit hängenden Köpfen vom Spielfeld gingen. Einer sogar humpelnd, nämlich Guillaume Joli, der mit acht Treffern erfolgreichster Wetzlarer Schütze war. Der Franzose hatte sich kurz vor dem Abpfiff ohne gegnerische Beteiligung am Knie verletzt. Eine Diagnose zur Verletzung gibt es derzeit noch nicht.

„Die Mannschaft hat alles gegen, toll gekämpft und gezeigt, dass sie die Situation in der wir uns befinden vollends verstanden hat“, so Kai Wandschneider. „Optimistisch stimmt mich, dass wir uns trotz des Personalnotstands die vielen Chancen herausgespielt haben, aber wenn wir diese dann in dieser großen Anzahl liegen lassen, dann haben wir eben nichts davon. Das ist ärgerlich!“

Klesniks und Laudt vor Rückkehr ins Mannschaftstraining!

Hoffnungsvolle Meldungen gibt es allerdings aus dem Lazarett der Grün-Weißen. So soll Linkshänder Evars Klesniks am Montag wieder ins Mannschaftstraining einsteigen. Auch Spielmacher Florian Laudt steht kurz vor einer Rückkehr ins Team. „Beide sollen nach ihrer Reha Anfang der Woche wieder zur Mannschaft stoßen und dann wird sich zeigen, ob sie uns am Mittwoch in Friesenheim schon helfen können“, so Geschäftsführer Björn Seipp, der daneben anmerkt, dass sich die Suche nach einem Ersatz für Torjäger Kent Robin Tönnesen eventuell erfolgreich gestalten könnte. „Wir haben zwei mögliche Alternativen im Auge, mit denen wir in engem Kontakt stehen." 

Stenogramm:

HC Erlangen: Bayerschmidt, Katsigiannis (1.-60.); Weltgen, Schwandner, Murawski (1), J. Link (2), Preiß, Sveinsson, Nienhaus, Hess (4), Rahmel (7), Stranovsky (3), N. Link (2), Sabljic (3).

HSG Wetzlar: Hombrados (1. – 27.), Wolff (28.-60.); Prieto, Tiedtke (1), Rompf (2), Weber (2), Müller, Fäth (2), Kraft, Hahn, Bliznac (4), Harmandic, Joli (8/2), Balic.

Schiedsrichter: Lars Geipel/Marcus Helbig – Zuschauer: 2901.