Mit Kampf und Leidenschaft gegen Kiel

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HSG Wetzlar erwartet am Mittwoch den Tabellenführer Aussprache am Sonntag »Mannschaft muss eine Reaktion zeigen«

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Dieser Ausspruch, der Lenin (in abgewandelter Form) zugeschrieben wird, könnte dem Aufsichtsratsvorsitzenden der HSG Wetzlar, Manfred Thielmann, durch den Kopf gegangen sein, als er die komplette Bundesliga-Mannschaft am Sonntag zur einer einstündigen Aussprache gebeten hatte. Vor dem Heimspiel gegen den THW Kiel morgen Abend (20.15 Uhr/Rittal-Arena) lastet Druck auf der HSG Wetzlar.

 

»Unter echten Jungs ist etwas deutlicher geworden«, meinte Thielmann, dem die letzten Niederlagen seiner Mannschaft zugesetzt haben: »Man kann in Hannover und in Großwallstadt verlieren. Aber nicht ohne Gegenwehr. Wir haben acht Minuten in unserem Spiel, die uns das Genick brechen. Diese Thematik haben wir besprochen.«

Für Trainer Gennadij Chalepo ist die Negativbilanz mit nur einem Punkt aus den letzten fünf Spielen ebenfalls nicht zu verstehen: »Ich habe das auch noch nicht erlebt. Ich muss aus dieser Situation lernen. Die Mannschaft muss auch gegen Kiel eine Reaktion zeigen und eine gute Leistung zeigen.« Gegen die Übermannschaft von der Börde haben die Wetzlarer alle Spieler an Bord. Beim THW wird mit Kreisläufer und Kapitän Marcus Ahlm ein Führungsspieler aufgrund einer Innenbandverletzung im rechten Knie passen müssen. »Das ist vielleicht Glück für uns, dass er fehlt«, meint Chalepo, der sich ein Schmunzeln nicht verkneifen kann und nachschiebt: »Wenn ich mir dann den kompletten Kader anschaue, sehe ich natürlich nur Topspieler wie Momir Ilic, die auf einem Weltklasse-Niveau spielen.« Auf den Gegner gehen die Wetzlarer nicht groß ein. Erst einmal müssen die eigenen Wunden, die mittlerweile tief aufgerissen sind, geleckt werden. Bei einem Traumstart des kommenden Gegners von 24:0 Punkten und einer höchst attraktiven Spielweise ist es nur logisch, dass die Mittelhessen als absoluter Außenseiter in die Partie gehen werden.

Für Thielmann steht auch fest, dass die Norddeutschen seine Mannschaft nicht unterschätzen werden: »Das hat THW-Trainer Alfred Gislasson ausdrücklich gesagt. Die Kieler machen auch nicht den Eindruck, als ob sie irgendein Spiel auf die leichte Schulter nehmen würden. Ich will von der Mannschaft Kampf und Leidenschaft sehen, damit die Sponsoren und Fans das Gefühl haben, dass alles gegeben wird. Gegen Melsungen ist es dann wieder ein Spiel auf Augenhöhe.« Für den Aufsichtsratschef kommt die derzeitige Phase nicht überraschend: »Ich habe vor der Saison gesagt, dass es ein weiter Weg bis zum Klassenerhalt ist. Das bestätigt sich jetzt. Wenn wir am Rundenende den 15. Platz belegen, sind wir zufrieden.« Am Trainer halten die Wetzlarer unverdrossen fest: »Er hat die Mannschaft in der letzten Saison in einer sehr schwierigen Lage übernommen und Großes geleistet. Wir waren wirtschaftlich und sportlich ein Trümmerhaufen.«

Das sind die Wetzlarer, derzeit Tabellen-14. der Bundesliga, trotz des negativen Ausschlages der Formkurve derzeit ganz und gar nicht. Es fehlt aber auf dem Feld an Führung und Vorbildern. Thielmann sieht das genauso: »Wir haben Spieler im Team, die 100 Länderspiele auf dem Buckel haben. Die müssen jetzt vorangehen und die jungen Mitspieler führen.« Mit dem Mannschaftsrat hat Chalepo ein offenes Gespräch geführt: »Da muss mehr kommen. sie müssen Verantwortung übernehmen. Wir müssen alle zusammenhalten.« Gemeint sind vor allem Torwart und Kapitän Nikolai Weber, der derzeit mit sich und seinen schwankenden Leistungen beschäftigt ist, Ex-Kapitän Timo Salzer, Rückraumspieler Alois Mraz und auch Philipp Müller, der die 24:30-Niederlage in Hannover als »blamabel« bezeichnet hatte. »Klar kann man von einer Blamage sprechen, man muss aber auch eine Reaktion folgen lassen. Gegen Kiel wollen wir gut mithalten und sehen, was rauskommt. Wenn Kiel zu stark ist, und wir alles gegeben haben, ist es in Ordnung. Aber in Melsungen und in den Heimspielen im Dezember brauchen wir Punkte«, macht Thielmann unmissverständlich klar. Dabei muss Wetzlar vor allem auch am Manko Torabschluss arbeiten. »In Hannover haben wir in den ersten fünf Minuten wieder drei freie Bälle verworfen. Ich habe das noch nicht erlebt. Das ist eine Kopfsache«, moniert Chalepo.

Immerhin können sich die Wetzlarer morgen einer großen Kulisse sicher sein. 4000 Karten sind bereits an den Fan gebracht worden. Ein paar Stehplatzkarten sind noch zu haben.

(jms)