Nach elf Minuten ist Partie verloren

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Chalepo nach 2:8-Start enttäuscht »Wir waren gar nicht da« Gäste blamieren sich phasenweise

Eigentlich hätten die Schiedsrichter die Partie gestern nach elf Minuten abpfeifen können. Denn das Auswärtsspiel der HSG Wetzlar in der Handball-Bundesliga beim SC Magdeburg war zu diesem Zeitpunkt schon verloren. Mit 2:8 lagen die Gäste da zurück, und Trainer Gennadij Chalepo hatte schon ordentlich Pulver verschossen. Er wechselte Spielmacher und Keeper, änderte das Abwehrsystem – doch nichts von alledem fruchtete. »In den ersten 20 Minuten waren wir gar nicht da. Ich verstehe das nicht. Der SCM hatte leichtes Spiel mit uns«, schimpfte der Coach, dessen Team sich in der mit 7007 Zuschauern gefüllten Getec-Arena phasenweise blamiert hatte und nach zwischenzeitlichem Neun-Tore-Rückstand mit 25:31 (10:18) in die sechswöchige Pause geschickt wurde.

 

Dabei war SCM-Trainer Frank Carstens im letzten Spiel der Hinrunde auf Nummer sicher gegangen und hatte seinen personell ausgedünnten Kader mit drei Youngstern aufgefüllt. So standen neben Lennart Carstens die beiden Rückraum-Talente Bert Hartfiel und David Hansen erstmals auf dem Spielerprotokoll. Doch die drei nahmen zusammen mit Kapitän Fabian van Olphen (nach Kreuzband-OP auf Gehhilfen unterwegs) hinter der Bank Platz. Los ging es für den SCM erst einmal mit der Formation, die gegen Lemgo den letzten Heimsieg eingefahren hatte. Und wie! Unter den Augen von Überraschungs-Gast Gueric Kervadec erwischte der SCM, der auch auf Linkshänder Jure Natek verzichten musste, einen Blitzstart. Nur sechs Minuten, und Robert Weber traf per Konter, erneut einen Fehler der nervös und konzeptionslos beginnenden Gäste nutzend, zum 6:1. Schwerfällig und behäbig agierten die Mittelhessen, die ohne Alois Mraz (Fingerbruch) angetreten waren. Vor allem Philipp Müller offenbarte deutliche Schwächen und konnte weder in der Abwehr noch im Angriff, wo er bald von Steffen Fäth ersetzt wurde, gefallen. Erst nach einer frühen Auszeit fingen sich die Wetzlarer ein wenig und verkürzten auf 4:8 (13.). Auch beim 6:10 – der SCM hatte im Abschluss angefangen zu sündigen – sah es für die HSG gar nicht mal so übel aus, doch dies blieb nur ein Strohfeuer.

Die Magdeburger bliesen, angeführt vom gutaufgelegten Gerrie Eijlers im Tor (zehn Paraden in der ersten Halbzeit, davon ein gehaltener Siebenmeter) und einer sehr aufmerksam, schnellfüßig und aggressiv agierenden Deckung das zweite Mal zum Sturm.

Ein Doppelschlag von Dalibor Doborac markierte das 14:7 (26.). Und während Abwehrchef Kjell Landsberg zwischenzeitlich mit einer Platzwunde am Kopf in der Kabine behandelt werden musste, zogen seine Teamkollegen weiter ihren Stiefel durch, so dass man mit einem beruhigenden Acht-Tore-Polster in die Halbzeit gehen konnte.

Auch nach dem Wiederanpfiff ließ der SCM nicht nach. Konzentriert, konsequent und taktisch hervorragend von Carstens eingestellt – die aus dem Rückraum an sich gefährlichen Wetzlarer Daniel Valo, Müller und Timo Salzer kamen kaum zum Zuge – baute der Gastgeber seinen Vorsprung noch auf neun Treffer aus (21:12/37.).

Jetzt war sogar die Zeit für Kunststückchen: Ein langer Pass von Stian Tönnesen, Weber fliegt zum Kempa ein – 24:15 (41.). Und auch die in der letzten Viertelstunde eingewechselten Akteure trugen ihr Scherflein zum am Ende hoch verdienten 31:25-Erfolg bei. Wetzlar konnte niemals das Gefühl vermitteln, den SCM in Schwierigkeiten bringen zu können. »In der zweiten Hälfte haben wir wenigstens dagegengehalten, aber ich bin trotzdem sehr enttäuscht«, so Chalepo.

SC Magdeburg: Eijlers, Gustavsson; Wiegert, Rojewski (6), Doborac (4), Musche (1), Landsberg (3), Pajovic (1), Hornke (2), Grafenhorst (3), Tönnesen (7/6), Weber (5), Jurecki

HSG Wetzlar: Marinovic, Weber; Schmidt, Rompf, Salzer (2), Valo (2), Jungwirth (1), Müller, Chalkidis, Fäth (4), Hahn (2), Harmandic (2), Friedrich (5), Kristjansson (7/4)

Schiedsrichter: Schaller/Wutzler
Zuschauer: 7007
Siebenmeter: 7/6:5/4
Zeitstrafen: 6:8 Min.

(Janette Beck)