Nachhallende Freude in Wetzlar: „Sensationeller Saisonauftakt!"

Zwei der Väter des Erfolges gegen Hamburg: Keeper Niko Weber und Trainer Kai Wandschneider.

DKB Handball-Bundesliga

Mittelhessen genießen Auftakterfolg, konzentrieren sich aber schon auf die nächste Aufgabe in Balingen.

Ungläubig rieben sich am vergangenen Samstagabend die meisten der über 3.700 Zuschauer in der Wetzlarer Rittal Arena die Augen, als sie nach dem Abpfiff auf die Anzeigetafel schauten. Mit 33:26 (15:14) hatte die heimische HSG Wetzlar den „Goliath“ vom HSV Hamburg aus der Halle gefegt. Den Grundstein für diesen Erfolg, den in dieser Deutlichkeit sicherlich die kühnsten Optimisten nicht erwartet hatten, legten die Mittelhessen in der zweiten Halbzeit, als sowohl in der Abwehr als auch im Angriff fast alle Zahnräder ineinander griffen, was die stimmungsgewaltigen Fans in den letzten Minuten der Partie mit „Oh, wie ist das schön“-Gesängen belohnten.

„Das war natürlich ein sensationeller Saisonauftakt, den in dieser Art und Weise absolut nicht zu erwarten war“, freut sich HSG-Geschäftsführer Björn Seipp. „Ich freue mich für unsere treuen Zuschauer und allen voran für die Mannschaft sowie das Trainer- und Betreuerteam, dass sie sich mit diesem Ergebnis für eine extrem engagierte und harte Vorbereitung belohnt haben. Dieser Erfolg wird das Selbstbewusstsein und das Vertrauen der Spieler in die neue Stärke unserer Mannschaft festigen.“

Einen großen Anteil am Überraschungscoup der Grün-Weißen hatte neben den beiden deutschen B-Kader-Nationalspielern Steffen Fäth und Tobias Reichmann, die jeweils siebenmal trafen, Torhüter Nikolai Weber, der nach seiner Einwechslung in der 22. Minute, beeindruckende 21 Würfe der Hamburger Angreifer entschärfte. "Wir hatten uns vorgenommen, in dieser Saison endlich mal wieder einen Großen der Liga zu schlagen", erklärte der 31-jährige nach dem Schlusspfiff, "umso schöner, dass es bereits am ersten Spieltag geklappt hat. Es hat alles gepasst. In der Deckung, aber auch vorne, wo das Bällchen einfach viel flüssiger als noch in der vergangenen Runde läuft."

Auch Trainer Kai Wandschneider ging der vielumjubelte Erfolg natürlich runter wie Öl. "Der Sieg war enorm wichtig für uns. Nachdem die HSG Wetzlar in der vergangenen Saison 17:17 Punkte in der Rittal Arena geholt hatte, bin ich natürlich froh, dass wir mit unserem fantastischen Publikum im Rücken so gut in die neue Runde gestartet sind. Der HSV ist schließlich keine Laufkundschaft." Der 52 Jahre alte gebürtige Hamburger betonte: "Weber hat in der zweiten Halbzeit überragend gehalten, unterm Strich war es jedoch ein Mannschaftserfolg, bei dem mir das Umschalten von Abwehr auf Angriff mit vielen Gegenstoßtoren in der zweiten Halbzeit ebenso ausgezeichnet gefallen hat wie die Spielleitung unseres Mittelmanns Adnan Harmandic. An diesem neuen Stil werden wir weiterarbeiten." Zugleich wollte Wandschneider nicht verhehlen, dass doch nicht alles Gold war, was am Samstag zunächst so wunderbar glänzte. "Wir haben nicht gut ins Spiel gefunden, unsere Angriffe zu früh gegen die offensive 3:2:1-Abwehr des HSV abgeschlossen und haben zu viele technische Fehler produziert.

"Mund abwischen und weiter" heißt es deshalb bereits seit heute in Wetzlar. Man habe den Sensationssieg nunmehr zwei Tage genießen können, doch jetzt gelte es sich wieder auf das Wesentliche zu konzentrieren, um die gezeigte Leistung im nächsten Spiel zu bestätigen. Man dürfe stolz auf das Erreichte sein, sich darauf aber keinesfalls auszuruhen. Nach den Erfahrungen der abgelaufenen Saison tue man gut daran am Boden zu bleiben, so Geschäftsführer Björn Seipp und Trainer Kai Wandschneider unisono. „Am kommenden Wochenende erwartet uns in Balingen eine sportlich und emotional ganz andere Situation, auf die sich unser Team nunmehr allen voran mental vorbereiten muss. Nüchtern betrachtet haben wir durch den ersten Sieg der Saison nur zwei Punkte auf dem Weg zu unserem Saisonziel `frühzeitiger Klassenerhalt` eingefahren“, so Seipp.

Auch Matchwinner Nikolai Weber tritt deshalb ebenfalls schon leicht auf die Euphoriebremse: "Wir dürfen jetzt nicht abheben. Es steht uns gut zu Gesicht, die Kirche im Dorf lassen. Es sind nur zwei Punkte. Den Sieg müssen und wollen wir am kommenden Wochenende in Balingen bestätigen. Dort geht es bekanntermaßen zur Sache. Das wird eine ganz heiße Kiste."