Netzwerk Wirtschaft des Regionalmanagements tagt in Wetzlar! Spitzensportclubs stellen sich vor!

DKB Handball-Bundesliga

Licher Privatbrauerei und Volksbank Mittelhessen präsentieren ihre Sponsoringkonzepte

Regionales Sportsponsoring stand im Mittelpunkt des Netzwerks Wirtschaft des Regionalmanagements MitteHessen, Netzwerkleiter Klaus Rohletter (Albert Weil AG) konnte im Business-Club der Rittal Arena in Wetzlar mehr als 100 Teilnehmer zur siebten Sitzung begrüßen. Impulsvorträge von Holger Pfeiffer, Marketing-Direktor für neue Produkte bei der Bitburger Braugruppe und bis vor kurzem Marketingleiter der Licher Brauerei, sowie von Natalija Korbmacher aus der Unternehmenskommunikation der Volksbank Mittelhessen gaben zunächst einen Einblick in die Sponsoringarbeit ihrer Unternehmen. Eine Podiumsdiskussion mit Vertretern aus den Geschäftsführungen der regionalen Sport-Botschafter aus dem Spitzensport schloss sich an. Dabei schilderten die Verantwortlichen ihre Erfahrung mit Sponsoring, den Auflagen der Sportverbände und den damit verbundenen finanziellen Hürden und Risiken.

Zunächst skizzierte Holger Pfeiffer die Sportsponsoring-Strategie der Bitburger Braugruppe: „Wir denken national oder sogar international, handeln aber regional“. Der Grund: Die verschiedenen Biermarken der Braugruppe sind regional verwurzelt. Während Bitburger den DFB und die Fußball-Nationalmannschaft unterstütze, agiere Wernesgrüner in Ostdeutschland, Licher sei in Hessen und Mitteldeutschland aktiv. Pfeiffer zeichnete die Historie, wie man bei Licher mit dem Sport-Sponsoring gestartet sei und dieses aufgebaut habe, zunächst bei den Erfolgshandballerinnen des TV Lützellinden und dem Basketball Final Four Mitte der 1990er. „Damals wurden Sponsoringverträge  noch  auf  Bierdeckeln  verfasst“,  scherzte  er.  Bereits 

2001 sei die Licher für das erfolgreiche Sponsoring erstmals ausgezeichnet worden. Heute seien die Ansprüche an den Sport größer, die Auflagen höher und für Sponsoring würden in Deutschland „immense Summen aufgeboten“. Dabei funktioniere das Sportsponsoring in erster Linie über die hohe Emotionalität beim Sport - die Marke begleite die Fans durch Freud und Leid und sei in hochemotionalen Momenten präsent. Präsenz alleine reiche aber heute nicht mehr, man müsse sich im Marketing immer wieder neu erfinden, Alleinstellungsmerkmale der Marke schaffen, den „Gefühlsanker der Verbraucher“ erreichen sowie bei Live-Erlebnissen der Verbraucher dabei sein. „Man muss als Marke immer wieder neu wahrgenommen werden“.

Ähnlich sah es auch Natalija Korbmacher (Bild) von der Volksbank Mittelhessen. 1,16 Millionen Euro hat die mittlerweile drittgrößte Volksbank Deutschlands 2011 in regionales Sportsponsoring investiert. Ziele sind dabei neben der Präsenz die Imagepflege und  -verbesserung. Wichtig sei es, dass die Zielgruppe die Marke „vor Ort“ in einem „emotionalen Umfeld“ entdecke, so Korbmacher. Als regelmäßige Aktionen nannte sie den Wettbewerb „Sterne des Sports“, welcher das soziale Engagement innerhalb der Sportvereine würdigt, sowie den jährlichen Trikotwettbewerb, bei dem Bambinis zu Markenbotschaftern werden. Voraussetzung, dass solche Kampagnen funktionierten, sei vor allem die Glaubwürdigkeit.

Auf dem sich anschließenden Diskussionspodium begrüßte Jens Ihle (3.v.r.) mit Björn Seipp (Geschäftsführer HSG Wetzlar), Jürgen Hertlein (Präsident der BC Pharmaserv Blue Dolphins Marburg), Frank Smajek (Gesellschafter LTi Gießen 46ers), Andreas Joneck (Geschäftsführer RSV Lahn-Dill) sowie Lothar Weber (Geschäftsführer TV Hüttenberg) die „Strippenzieher“ des regionalen Spitzensports. Die Vertreter berichteten von ihren Etats, Auflagen durch die Ligen sowie die Wichtigkeit von Sponsoring. Sehr unterschiedlich stellten sich die Strukturen und Etats der Spitzenvereine dar: Während der BC Marburg bis heute auf ausschließlich ehrenamtliche Strukturen setzt und mit einem Etat von 300.000 Euro auskommen muss, arbeitet die HSG Wetzlar mittlerweile vorrangig mit angestellten Mitarbeitern und zahlreichen Dienstleistern. Der RSV Lahn-Dill wirtschaftet mit einem Etat von 750.000 Euro. Frank Smajek schilderte einige Auflagen der BBL und die damit einhergehenden Schwierigkeiten: „Die Kosten, die durch einige Ligavorgaben entstanden sind, sind höher als die Steigerung bei den Einnahmen“, erklärte er, warum Sponsoring für die heimischen Vereine unverzichtbar sei. Bei einem Jahresetat von 750.000 Euro wie beim RSV Lahn-Dill. Die HSG Wetzlar baut derzeit auf die Unterstützung von rund 160 Sponsoren und konnte in den vergangenen zwei Jahren die Zahl ihrer Partner um etwa 30 Unternehmen steigern. „Wir freuen uns über jeden Partner, der sich bei der HSG Wetzlar engagiert und unsere Plattformen für seine unternehmerischen Zwecke nutzt“, erklärte Seipp. Einig waren sich die Diskutierenden, dass man sich in der Region gegenseitig weder Fans noch Sponsoren wegnehme. Die großen Unternehmen teilten die Budgets auf und außerdem finde jede Sportart genügend eigene Fans. Einig waren sich die Vereinsoberen auch darin, dass eine Sportart genügend mediales Interesse hervorrufen muss, um bei genügend Sponsoren Interesse zu wecken. Jens Ihle fasste abschließend zusammen, dass der Standortfaktor Spitzensport eine große Infrastruktur erfordere und Geld und Partner das A und O seien, um in den oberen Ligen mitzuspielen. „Wir freuen uns, wenn wir uns alle wieder in den Hallen der Region treffen“, beendete er das Podium.

Die Netzwerk-Sitzung wurde durch Berichte ergänzt: Jens Ihle stellte die Ergebnisse des Arbeitskreises Standortmarketing dar: nach zwei Workshops wird als nächster Schritt das Logo der Region überarbeitet und die Marke zusammen mit den Zielgruppen neu aufgestellt. Beate Hammerla, ehrenamtliche Geschäftsführerin des Regionalmanagements erläuterte, dass die Entwicklung zu einem Cluster für grüne Technologie in Mittelhessen bereits weit gediehen sei, die Voraussetzungen dafür seien hervorragend. Handwerkskammer-Geschäftsführer Dr. Martin Pott berichtete aus dem zweiten Netzwerk des Regionalmanagements über die Aktivitäten im Bereich Bildung: nach einer Exkursion zu den niederländischen Nachbarn in Arnheim sei ein Gegenbesuch geplant, außerdem wolle man den Arbeitskreis zur „Berufsschulstandorte in Mittelhessen“ wieder aktivieren. Thomas Merten informierte schließlich über das Projekt „Demografie-fit“, in dem sich acht Unternehmen aus allen fünf mittelhessischen Landkreisen ein Jahr lang in einem gemeinschaftlichen Projekt auf die veränderten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen einstellen.