Neue Details und Kristjanssons Äußerungen sorgen für Kopfschütteln!

DKB Handball-Bundesliga

HSG-Mediziner hatten definitiv keine telefonische Zusage zur Verkürzung der Krankschreibung gegeben – Seipp sicher: "Es hat kein Missverständnis gegeben!"

Mit großem Unverständnis und einiger Verärgerung haben Aufsichtsrat, Geschäftsführung, Trainer und Mannschaftsärzte des Handball-Bundesligisten HSG Wetzlar auf öffentliche Äußerungen des am Donnerstag vergangener Woche fristlos gekündigten Spielers Kari Kristjan Kristjansson reagiert. Der Kreisläufer, der Ende Februar am Rücken operiert worden war, hatte tags zuvor trotz gültiger Krankmeldung und ohne Wissen der HSG Wetzlar am EM-Qualifikationsspiel der isländischen Nationalmannschaft in Slowenien teilgenommen. Daraufhin sprach der Club dem 28jährigen die fristlose Kündigung aus.

„Dass Kari nunmehr uns und der Presse gegenüber behauptet hat, unsere Mannschaftsärzte Marco Kettrukat und Frank Thiel hätten ihm grünes Licht gegeben, indem sie die Krankmeldung verkürzen, ist schlichtweg die Unwahrheit! Es kann auch kein Missverständnis zwischen den Ärzten und Kristjansson gegeben haben“, ist sich HSG-Geschäftsführer Björn Seipp sicher. „Unser Orthopäde Marco Kettrukat und auch die operierenden Ärzten der Kerckhoff Klinik in Bad Nauheim hatten Kari unter anderem am Gründonnerstag und noch einmal am Dienstag vergangener Woche mehrfach in aller Deutlichkeit und Unmissverständlich mitgeteilt, dass er frühestens sechs Wochen nach der Operation wieder am normalen Mannschaftstraining teilnehmen darf – das wäre am Freitag vergangener Woche gewesen. Erst zwei bis vier Wochen später, also Mitte/Ende April, wäre dann überhaupt wieder an eine Pflichtspielteilnahme zu denken gewesen. Nach einer solch großen Operation ist laut der Ärzte eine Trainingspause von mindestens sechs Wochen absolut normal. Es ist für uns alle absolut nicht nachzuvollziehen, wie ein Profisportler noch in diesem Zeitraum, ohne vorher jegliches Handballtraining absolviert zu haben, wieder an einem Länderspiel teilnehmen kann.“

Es habe also, anders als von Kristjansson nunmehr behauptet, zu keiner Zeit eine Zusage der hiesigen Ärzte für eine Verkürzung der Krankschreibung gegeben, stellt der HSG-Geschäftsführer nach Rücksprache mit den Club-Medizinern klar. „Kari hat also am Mittwoch gespielt, obwohl er wusste, dass er gegenüber seinem Arbeitgeber offiziell noch krankgeschrieben war. Ein Durchschlag der einzig gültigen Krankmeldung, ist unserer Personalakte beigefügt! Es ist die Aufgabe des Spielers gewesen, den isländischen Verband und dessen Ärzte über diesen Fakt zu informieren. Falls geschehen hätte sich der Verband im Vorfeld des Slowenien-Spiels bei unseren Medizinern melden können, um Rücksprache zu halten. Auch dies ist nicht geschehen“, so Seipp weiter, der zudem davon spricht, dass Kristjansson das Vertrauen der HSG-Verantwortlichen missbraucht habe.

Anstatt nach Island reiste Kristjansson zum Nationalmannschaftstreffen nach Großwallstadt!  

„Kari hatte mit unserem Trainer Kai Wandschneider und mir Ende März besprochen, dass zu Beginn der Länderspielwoche nach Island reisen wolle, um sich dort von einem Arzt seines Vertrauens eine Meinung einzuholen, Reha-Maßnahmen zu betreiben und sich per Gipsabdruck eine Profilaxe-Schiene für den Rücken anpassen zu lassen. Wie wir jetzt erst aus den isländischen Medien erfahren mussten, war Kari im Vorfeld des Spiels in Slowenien überhaupt nicht in Island, da sich die Nationalmannschaft in Großwallstadt zur Vorbereitung getroffen hat und dann von Frankfurt direkt nach Slowenien geflogen ist. Kari war nachweislich bereits am Ostermontag in Großwallstadt! Das er dorthin fahren wolle, hatte der Spieler uns gegenüber mit keiner Silbe erwähnt, schon gar nicht, dass er offensichtlich gewillt war, mit der Nationalmannschaft zu trainieren und in Maribor zu spielen. Wäre das der Fall gewesen, dann hätten wir gemeinsam mit den hiesigen Ärzten und mit Blick auf Karis Gesundheitszustand auf das Kräftigste interveniert. Aus den Gesprächen mit Kari ließ sich aber nicht schließen, was sich uns jetzt leider offenbart hat.“

Für die Wetzlarer Verantwortlichen ist das Handeln von Kristjansson unerklärlich. „Gegebenenfalls hätte Kari schon in drei Wochen ‚Grünes Licht’ von unseren Ärzten bekommen und wieder für die HSG Wetzlar spielen dürfen. Warum er den von Anfang an feststehenden und mit ihm besprochenen Reha-Plan jetzt unabgestimmt durchkreuzt und uns seine eigentlichen Absichten offensichtlich bewusst verschwiegen hat, dazu allen voran dieses hohe Gesundheitsrisiko eingegangen ist, um in Slowenien zu spielen, ist für uns alle unerklärlich! Kari war bis zum Ende der offiziellen Krankschreibung in der gesetzlichen Lohnfortzahlung der HSG Wetzlar, sodass er in dieser Zeit nicht einmal finanzielle Einbußen befürchten musste“, erläutert der Geschäftsführer, der unmissverständlich klar stellt, dass das Tischtusch zwischen der HSG Wetzlar und Kristjansson komplett zerschnitten ist.

„Die fristlose Kündigung basiert auf Fakten und ist das Resultat seiner Vorgehens- und Verhaltensweise, die nicht nur zu einem Verstoß gegen den Arbeitsvertrag sondern auch zu einem erheblichen Vertrauensbruch geführt hat. Wir werden die Beendigung des Arbeitsverhältnisses mit Kristjanssons Rückkehr nach Wetzlar ordnungsgemäß abwickeln. Die Schuld daran trägt der Spieler ganz alleine! Unsere Ärzte haben klar kommuniziert sowie sehr verantwortungsvoll und ausnahmslos im Sinne der Gesundheit des Spielers gehandelt,  der vor nicht einmal zwei Monaten eine schwere Operation hinter sich bringen musste. Ein verfrühter Einsatz hätte die Gefahr einer lebensbedrohlichen Komplikation mit sich bringen können. Das Kari die Fürsorge der hiesigen, erfahrenen Mediziner offensichtlich nicht zu schätzen weiß, ist sehr traurig! Es will mir persönlich nicht in den Kopf, warum er, mit einer Frau und zwei kleinen Kindern zu Hause, für ein Länderspiel seinen Job und vielleicht sogar sein Leben riskiert hat?“