Neuer Trainer, altes Spiel: HSG Wetzlar verliert bei Löwen

DKB Handball-Bundesliga

Neuer Coach, altes Leid

 

Neuer Trainer, aber dennoch alles beim alten. Die HSG Wetzlar hat auch ihr sechstes Spiel hintereinander verloren. Mit 25:28 (12:13) bei den Rhein-Neckar Löwen. Und dennoch enttäuschte der Handball-Bundesligist bei der Premiere seines neuen Übungsleiters Kai Wandschneider am Dienstagabend nicht.
Der Kampf gegen den Abstieg geht weiter. Die Lage ist ernst, aber nicht hoffnungslos. "Beim 20:20 war das Momentum eigentlich auf unserer Seite, aber dann werfen wir den Ball leichtfertig weg", trauerte der überragende Timo Salzer einem möglichen Teilerfolg nach.

Wandschneider: "Heute haben wir nämlich überhaupt nichts zu verlieren"

"Das ist eine leichte Aufgabe", hatte der gebürtige Hamburger Kai Wandschneider zwei Stunden vor dem Anpfiff in die langsam tiefer wandernde Frühlingssonne gesagt und zog vor der imposanten SAP-Arena an seiner Zigarette. "Heute haben wir nämlich überhaupt nichts zu verlieren."
Ganz sorgenfrei traf der Nachfolger von Gennadij Chalepo dennoch nicht in der nordbadischen Metropole ein. Steffen Fäth schlug sich immer noch mit einer Oberschenkelverletzung sowie Rückenproblemen herum und stieg ausgesprochen unrund aus dem Mannschaftsbus. Und - noch wesentlich schmerzlicher für den 52-jährigen Coach: Spielmacher Timo Salzer war tags zuvor im Training umgeknickt. Aber mit einem Tapeverband und eisernem Willen stand der zum Saisonende scheidende Spielmacher dennoch auf der Platte. "Der erste Schreck war ganz schön groß, aber jetzt geht es", gab der 27-Jährige unmittelbar vor dem Anpfiff Entwarnung.

"Dieser Weg wird kein leichter sein", dröhnte es aus den Lautsprecherboxen, als die Grün-Weißen vor 4286 Zuschauern in der nur zu einem Drittel gefüllten Halle aufs Feld liefen. Der Hit von Xavier Naidoo, dem berühmtesten der Söhne Mannheims, sollte zunächst Programm sein. Nach ordentlichem Auftakt lag die Spielgemeinschaft aus Dutenhofen und Münchholzhausen mit 5:10 in Rückstand.

Vor allem für Philipp Müller im linken Rückraum gab es im direkten Duell mit Zwillingsbruder Michael, der im Sommer zur HSG wechseln wird, und Löwen-Torwart Goran Stojanovic kein Durchkommen. Während sich Wetzlar jeden Treffer hart erarbeiten musste, traf der EHF-Pokal-Halbfinalist im Gegenzug meist locker, leicht.

Als Trainer Wandschneider Nikola Marinovic für den glücklosen Nikolai Weber ins Tor stellte und den bandagierten Fäth auf die Königsposition beorderte, lief es plötzlich besser. Zudem traf Kari Kristjan Kristjansson gegen die Mannschaft seines isländischen Nationaltrainers vom Kreis. Und so hatte der Pokalzweite von 1997 und 2001 den 7:12-Rückstand bis zur Pause beim 12:13 fast aufgeholt. Löwen-Coach Gudmundsson schimpfte auf dem Weg in die Kabine wie ein Rohrspatz.

Wohl dem, der Asse wie Sesum und Lijewski als Alternativen bringen kann
Wohl dem Handballlehrer, der dann Asse wie Zarko Sesum, am Freitag Vater von Töchterchen Lena geworden, und Krzysztof Lijewski als Alternativen bringen kann. Zudem nutze Ivan Cupic an seinem 26. Geburtstag die Tempogegenstöße unwiderstehlich aus. Am Abend schließlich gaben die Rhein-Neckar Löwen den Wechsel des Kroaten zum polnischen Champions-League-Teilnehmer KS Vive Kielce bekannt.

Aber die HSG kam wieder zurück und erzwang nach zwei Toren in Unterzahl beim 20:20 (48.) wieder den Ausgleich. Aber am Ende blieb die Erinnerung an das sensationelle 26:26 vor gut einem Jahr an gleicher Stelle Wunschdenken. "Ein Kampfsieg", atmete Löwen-Manager Thorsten Storm durch. "In jeden Fluss springt man nur einmal", hatte sich Kai Wandschneider ohnehin keine Illusionen gemacht.

Rhein-Neckar Löwen: Fritz (n.e.) , Stojanovic - Schmid (3), Gensheimer (8/2), Roggisch, Sesum (5), Bielecki (2), Lund, Gunnarsson, Ruß, Michael Müller (1), Myrhol (2), Lijewski, Groetzki, Cupic (7).
Wetzlar: Weber, Marinovic (19. bis 52.) - Schmidt, Rompf (2), Valo (1), Salzer (5), Jungwirth (4), Mraz (1), Philipp Müller, Chalkidis, Fäth (4), Harmandic (n.e.), Friedrich (3/2), Kristjansson (5).
Schiedsrichter: Fleisch/Rieber (Ostfildern/Nürtingen) - Zuschauer: 4268 - Zeitstrafen: Rhein-Neckar Löwen eine (Roggisch), Wetzlar zwei (Mraz, Chalkidis) - verworfener Siebenmeter: Gensheimer (Rhein-Neckar Löwen) scheitert an Marinovic (25.).

Quelle: Wetzlarer Neue Zeitung