"Nicht besser, nur cleverer"

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HSG Wetzlar besiegt unbequemen Neuling Bergischer HC 33:28

Draußen brannte die Oktober-Sonne bei noch immer über 25 Grad vom Himmel, drinnen heizte der Bergische HC der HSG Wetzlar mächtig ein. Aber nur eine Dreiviertelstunde lang. Denn als der Planet hinter dem Horizont verschwand, strahlten nur noch die Grün-Weißen. "So enden halt Spiele, wenn eine erfahrene gegen eine unerfahrene Mannschaft antritt", fasste HSG-Regisseur Alois Mraz die Geschehnisse rund um den 33:28 (14:13)-Erfolg der Truppe aus Dutenhofen und Münchholzhausen in der Handball-Bundesliga gegen den Aufsteiger aus dem Bergischen Land treffend zusammen.

 

In der Tat setzte der BHC den Gastgebern vor 3184 Besuchern lange Zeit mächtig zu. "Ich möchte sogar behaupten, wir waren größtenteils das bessere Team", lehnte sich Gäste-Manager Stefan Adam im Bewusstsein, dass seine Männer bis zum 21:19 (43.) durch einen Siebenmetertreffer von Alexander Oelze weitgehend den Rhythmus bestimmt hatten, nicht zu weit aus dem Fenster.

"Erst nach der Pause sind wir selbstbewusster geworden", resümierte HSG-Spielmacher Timo Salzer. "Vor dem Wechsel haben wir unsere Angriffe viel zu schnell abgeschlossen und auch aus der zweiten Welle nichts zustande gebracht." Und Torwart Nikolai Weber ergänzte: "Am Anfang war alles ein Riesenkrampf, am Ende waren wir nicht besser, aber in jedem Fall cleverer."

Chalepo und Beppler wechseln mit Weber und Salzer den Sieg ein

Es war ein Lob, das sich vor allem HSG-Coach Gennadij Chalepo und sein Assistent Jochen Beppler ans Revers heften durften. Denn als nichts mehr ging, wechselte der gebürtige Weißrusse mit zwei Patienten auch gleichzeitig den Sieg ein. "Uns war auf der Bank klar, dass irgendetwas passieren musste, wir brauchten einen Weckruf, eine Initialzündnung", erinnerte sich Nikolai Weber an die Minuten vor dem Umschwung. Durch eine entzündete Schulter gehandicapt, löste der Münzenberger nach 40 Minuten den schwachen Nikola Marinovic im HSG-Kasten ab und machte gleich durch mehrere spektakuläre Paraden auf sich aufmerksam.

Und Mittelmann Timo Salzer, dem Adnan Harmandic im Training auf den Fuß gestiegen war und den deshalb die gebrochene große Zehe des rechten Fußes schmerzt, betrat nur kurze Zeit später das Parkett der Rittal-Arena und markierte drei blitzsaubere Treffer innerhalb von vier Minuten zur 25:22-Führung der Grün-Weißen (51.).

"Salzer haben wir nicht in den Griff bekommen, seine Schlagwürfe haben uns mächtig zugesetzt. Und Nikolai Webers Tor war plötzlich wie vernagelt", kannte auch Gästecoach "HaDe" Schmitz die Gründe, warum sich der Neuling am Ende für seine couragierte Vorstellung nicht belohnen konnte. In den letzten 16 Minuten markierten die Hausherren satte 14 Treffer, den Gästen gelangen nur noch sieben. "Mir haben lange Zeit die Emotionen gefehlt. Vorne waren wir viel zu statisch, und hinten wenig stabil", erinnerte sich Gennadij Chalepo an die erste Dreiviertelstunde, in der die 2006 aus der SG Solingen und dem LTV Wuppertal gegründete Spielgemeinschaft der HSG mächtig zugesetzt hatte.

Hendrik Pekeler am Kreis und der Österreicher Richard Wöss auf Rechtsaußen trafen nach Belieben und Mario Huhnstock im BHC-Tor gab Philipp Müller, Daniel Valo und Co. ein ums andere Mal Rätsel auf. "Gefühlt lagen wir ständig vorne", schmunzelte Gästemanager Stefan Adam, wenngleich die Seinen erst beim 7:6 (17.) durch den schwedischen Internationalen Henrik Knudsen erstmals in Führung lagen. Und diese bis auf das 17:16 der Einheimischen durch Peter Jungwirth auch 26 Minuten lang nicht mehr aus der Hand gaben. "Am Ende hat jeder Wechsel von uns gegriffen", freute sich HSG-Co-Trainer Jochen Beppler über die Auftritte von Timo Salzer und Nikolai Weber. "Die letzten 15 Minuten waren echt geil, in der Crunchtime hatten wir das Sagen."

Dass der Sportlehrer an der Gießener Herderschule von "Abstiegskampf pur" sprach, verwunderte angesichts von 6:4-Zählern der HSG Wetzlar aus den ersten fünf Partien. Doch der 31-Jährige gilt als nüchterner Analyst, der selten zu Übertreibungen neigt. Und der bei aller Euphorie weiß: Die drei Heimsiege gegen die drei Aufsteiger waren alle keine Selbstläufer.

Besonders der gegen den Bergischen HC war eine schweißtreibende Angelegenheit - und dies nicht, weil die Oktober-Sonne draußen bei über 25 Grad vom Himmel brannte.

Wetzlar: Marinovic, Weber (ab 40.) - Schmidt (7/4), Valo (5), Jungwirth (3), Mraz (3), Müller (2), Chalkidis (2), Fäth (1), Harmandic (1), Friedrich (3), Kristjansson (3), Salzer (3), Hahn (n.e.)

Bergischer HC: Huhnstock, Stochl (bei einem Siebenmeter) - Behr, Hoße (1/1), Klev (3), Nippes, Oelze (4/3), Wöss (7), Reinarz, Böhm, Knudsen (3), Pekeler (6), Karason (4), Vitek (n.e.), Quade (n.e.), Moen (n.e.)

Schiedsrichter: Pritschow/Pritschow (Stuttgart)
Zuschauer: 3184
Zeitstrafen: Wetzlar zwei (Chalkidis, Salzer), Bergischer HC fünf (Nippes, Böhm, Knudsen, Pekeler zwei)

Alexander Fischer