Nicht nur Fans sind heiß aufs Derby

created by webmaster@hsg-wetzlar.de (Wolfgang Fischer)

TV 05/07 Hüttenberg erwartet am Freitag in ausverkaufter Osthalle die HSG Wetzlar Fragezeichen hinter Scholz und Friedrich

Es ist wieder so weit. Das prestigeträchtige Mittelhessen-Derby in der Handball-Bundesliga steht an und elektrisiert die Fans in der Region schon seit Wochen. Am Freitag um 19.45 Uhr empfängt der TV 05/07 Hüttenberg die HSG Wetzlar vor 2900 Zuschauern in der ausverkauften Gießener Sporthalle Ost. »Wir freuen uns auf dieses Spiel und wollen natürlich unseren Fans etwas bieten«, sagt TVH-Trainer Jan Gorr, der auf eine tolle Atmosphäre im Ausweichquartier hofft.

 

Wetzlars Übungsleiter Gennadij Chalepo will vor dem Nachbarschaftsduell die Favoritenrolle nicht annehmen: »Klar würde mein Kollege die gerne an uns weitergeben. Aber wir wissen, dass es ein ganz schwieriges Spiel mit Emotionen werden wird. Es kann alles passieren.« Die Gastgeber mussten sich zuletzt der Übermannschaft THW Kiel nach ordentlicher Leistung mit 20:31 geschlagen geben. Für Gorr alles andere als ein Beinbruch: »Wir haben uns in Kiel gut verkauft und wiederum gezeigt, dass wir uns gegenüber dem Hinrundenspiel klar verbessert haben.« Auch morgen wollen sich die Hüttenberger - die im direkten personellen Vergleich Spieler gegen Spieler den Kürzeren ziehen würden - gegenüber dem Vorrundenspiel verbessern. Nach einer anständigen ersten Halbzeit kam die Gorr-Truppe in der Rittal-Arena im zweiten Abschnitt nicht mit dem bärenstarken und treffsicheren Alois Mraz zurecht. Der tschechische Nationalspieler erlegte den Aufsteiger beim 28:20-Erfolg fast im Alleingang.

Große Töne und Derbygeplänkel sucht man in den beiden mittelhessischen Handballhochburgen vergebens. Beide Trainer re-spektieren die Arbeit des anderen - trotz Differenzen in der Vergangenheit, als beide kurzzeitig zusammen in Hüttenberg arbeiteten. Chalepo sieht Gras über damalige Differenzen gewachsen: »Natürlich gab es damals Sachen, die aus meiner Sicht nicht korrekt waren. Aber ich gebe Jan die Hand, wenn ich ihn sehe und spreche auch mit ihm. Da ist kein Problem.« Auch sein 33-jähriger Kollege, der im kommenden Jahr den VfL Gummersbach übernehmen wird, verzichtet darauf, Öl ins Feuer zu gießen: »Von meiner Seite gibt es keine Schwierigkeiten. Wir konzentrieren uns nur auf das Sportliche.«

Aber auch der Personalplanungsprozess wird beim Tabellenvorletzten tüchtig vorangetrieben. Und da sorgt lediglich die Personalie Florian Laudt für Konfliktpotenzial zwischen den Klubs. Wetzlars Aufsichtsratschef Manfred Thielmann ist auf Shoppingtour und buhlt seit Wochen um die Gunst des waschechten Hüttenbergers, der in seinem Heimatverein als Symbolfigur für den Erfolg steht. Außerdem steht auch Kreisläufer Sebastian Weber nach der Absage von Oliver Roggisch auf der Wunschliste der Grün-Weißen.

»Wir wollen mit Laudt verlängern, weil er ein wichtiger Kopf dieser Mannschaft ist«, sagt Hüttenbergs Marketingleiter Martin Volk, der nach dem Spiel eine HSG-Offerte für den Spielmacher erwartet: »Ich habe gehört, dass die HSG dann Gespräche mit ihm führen möchte. Davon kann man halten, was man will. Wir sind bereits länger in Gesprächen.«

In Hüttenberg hofft man inständig, dass Laudt nicht dem Beispiel seiner Mannschaftskollegen Timm Schneider (zum TBV Lemgo), Milos Putera und Florian Billek (beide nach Balingen) folgt. Überhaupt hat man dieser Tage den Eindruck, dass die beiden Topteams der Region in erster Linie mit den Planungen der kommenden Runde beschäftigt sind. So passte es ins Bild, dass der TVH am Dienstag die Verpflichtung von Rückraumspieler Jonas Faulenbach (kommt vom TuS Ferndorf zurück) bekannt gab und tags darauf weitere Gespräche führte, in die auch Heiko Karrer, der die Nachfolge von Jan Gorr antreten wird, involviert war. In Wetzlar steht derweil der Abschied von Ex-Kapitän Timo Salzer zur SG BBM Bietigheim fest. Zudem werden Außenspieler Peter Jungwirth und Kreisläufer Georgios Chalkidis die HSG ebenfalls verlassen.

Für Chalepo sind diese frühen Personalentscheidungen Normalität: »Wir müssen ja planen und spielen nicht in der Oberliga. Deswegen ist es normal, dass jeder Spieler sein Bestes bis zum Schluss gibt.« Heute Abend wird auch die bestmöglichste Leistung nötig sein, um den Platz als Sieger verlassen zu können. Der HSG-Coach fürchtet in erster Linie das aggressive Abwehrspiel des Gegners. Im Hinspiel hatten die Buderusstädter mit der offensiv ausgerichteten 3:2:1-Deckung des TVH 30 Minuten lang echte Probleme. »Es ist immer schwer, gegen eine solche Abwehr zu spielen. Aber wir kennen natürlich Hüttenberg und werden uns darauf einstellen. Am Ende zählt nur, dass wir die Punkte mitnehmen.«

Für die Gastgeber ist das Spiel vor der eigenen Anhängerschaft in zweifacher Hinsicht von besonderer Bedeutung. Zum einen muss das Team gewinnen, um die Minimalchancen auf den Klassenerhalt aufrechtzuerhalten, zum anderen geht es auch ums Prestige. »Natürlich ist ein Derby immer ein besonderes Spiel. Unsere Fans fiebern darauf hin«, sagt Gorr, der womöglich auf Andreas Scholz verzichten muss. Der Rückraumspieler klagt seit dem Kiel-Spiel über Rückenprobleme: »Ob er spielen kann, ist ungewiss.« Besser sieht es dagegen bei Toptorjäger Timm Schneider aus. Der ehemalige HSGler hat seine Daumenverletzung überwunden und wird auflaufen können.

Bei den Gästen stehen indes dicke Fragezeichen hinter Sebastian Rompf (umgeknickt, Diagnose steht noch aus) und Lars Friedrich (krank). Wetzlar wird morgen die Favoritenrolle annehmen müssen - auch wenn Chalepo, der die Mannschaft mit dem jüngsten 26:25-Zittersieg gegen Göttingen auf den zehnten Platz geführt hat, im Vorfeld von einer »offenen Partie« spricht. Giorgios Chalkidis und Peter Jungwirth stehen ebenso zum Einsatz bereit wie »Winter«-Verpflichtung Andrej Klimovets sowie der zuletzt nicht eingesetzte Steffen Fäth.

Entscheidend dürfte auch werden, wie die Protagonisten mit ihren Emotionen im brisanten Derby umgehen werden. »Die müssen wir im Griff haben. Das ist sehr wichtig bei solch einem Spiel«, sagt Chalepo. Sein Kollege Gorr fordert eine kontrollierte Aggressivität: »Wir wollen natürlich aggressiv in der Deckung stehen. Aber überdrehen dürfen wir nicht.«

(jms)