Nicht schön, aber erfolgreich: Wetzlar lässt Balingen am Ende keine Chance!

DKB Handball-Bundesliga

Mittelhessen besiegen Tabellennachbarn mit 25:20 (14:10) - Routinier José Hombrados verdient sich Bestnote - Grün–Weiße müssen kurzfristig auf Steffen Fäth verzichten

Kein Schaulaufen, sondern ein „Kopf an Kopf-Rennen“ prognostizierte Wetzlars Trainer Kai Wandschneider für das Heimspiel gegen HBW Balingen/Weilstetten und auch sein Gegenüber Markus Gaugisch erwartete ein intensives Spiel seiner Mannschaft.

Doch beim 25:20 (14:10) sahen die Zuschauer in der gut gefüllten Rittal Arena in Wetzlar ein eher zerfahrenes Spiel. So sah es zunächst eher mager aus, was Spannung, Leidenschaft und Kampf anging. Unkonzentriert und mit vielen Fehlern gingen beide Angriffsreihen zu Werke. Die faktische Rettung beider Teams im Kampf um den Klassenerhalt war da sicher ein Grund, die ungewohnten Besetzungen in den jeweiligen Rückraumreihen ein anderer.

Wetzlar musste von Beginn an auf Steffen Fäth (Grippe) und somit den ersten linken Rückraumspieler verzichten, fing dafür mit Kristian Bliznac, Ivano Balic und Vladan Lipovina in sehr ungewohnter Besetzung an. Auf Seiten des HBW haderte Gaugisch mit seiner Startreihe. „Wir haben die ersten Angriffe hergeschenkt“, sah der Pädagoge dann sein Team mit mehr Engagement „dagegenhalten“.

Insofern sollten beide Trainer zunächst recht behalten und es entwickelte sich ab dem 2:2 (5.) ein enges „Kopf an Kopf-Rennen“, welches jedoch ein wenig die spielerische Qualität vermissen ließ. Erst kurz vor der Pause schafften es die Gastgeber etwas besser aus den Fehlern der Schwaben Kapital zu schlagen. Balingen vergab zwei sogenannte 100-prozentige sehr fahrlässig und Wetzlar baute die Führung auf 14:10 zur Pause aus.

Nach Wiederanpfiff plätscherte ein Spiel daher, was kaum einen von den Sitzen riss. Fahrig, unstrukturiert und mit zahlreichen Fehlern beiderseits dauerte es bis zur 35. Spielminute, ehe das erste Tor fallen wollte und dies war ein Strafwurf durch Denni Djozic für die Gäste von der Alb.

Wetzlar brauchte sogar beinahe sieben Minuten, ehe es Tobias Hahn war, der von der rechten Außenbahn für seine Farben netzte. Nun schienen die Hausherren wieder im Spiel und beim 16:11 (38., Lipovina) und 19:14 (45.), als Weber im Getümmel vom Kreis traf, sah alles nach einem deutlichen Heimsieg aus. Doch Balingen versuchte noch einmal das Ruder herumzureißen. Näher als auf vier Zähler (17:21, 51.) sollte die Gaugisch-Sieben jedoch nicht mehr rankommen.

Die Hausherren hatten nun in Jose Hombrados den überragenden Akteur. Reihenweise vereitelte der 43-jährige beste Chancen der Gäste und die Konter saßen immer besser. Als Ivano Balic den Ball in der Deckung stibitze, danach sehenswert Dejan Manaskov bediente und dieser das 23:17 markierte, da war die Entscheidung bereits gefallen.

Die Kräfte ließen nun beim HBW mehr und mehr nach. Nationalspieler Fabian Böhm hatte in der ersten Hälfte den Antreiber gemimt, schien nun aber ausgepowert. Auch Spielmacher Martin Strobel konnte das Angriffsspiel seiner Farben nicht alleine ordnen und entsprechend beleben, dass es noch einmal zu einer Wende hätte kommen können.

In der 57. Minute bat HSG-Coach Kai Wandschneider seine Mannen noch einmal zur Besprechung und nach der Auszeittraf Tönnesen aus dem Freiwurf heraus zum 24:19 . Nie aufgebend ackerte die Deckungsreihe der Balinger auch noch in der Schlussminute, eroberte den Ball und Strobel war es vorbehalten, wenigstens den 20 Treffer zu erzielen.

Während die Wetzlarer mit dem verdienten Sieg ihrem Ziel, einen einstelligen Tabellenplatzes am Ende Saison zu erreichen, ein Stück näher gekommen sind, müssen die „Gallier“ weiter für das Ziel 30-Punkte-Marke ackern.

 

HSG Wetzlar: Wolff (1.-20., 2 Paraden), Hombrados (21.-60., 11/1 Paraden); Lipovina (2), Weber (1), Tönnesen (3), Laudt, Hahn (3), Jolie (5/3), Bliznac (2), Harmandic (1) Balic (2), Klesniks, Manaskov (6), Prieto.

HBW Balingen/Weilstetten: Asanin (24. – 60., 6 Paraden), Ristanovic (1.-23., 1 Parade); Böhm (6), Foth (1), Hausmann (1), Vasilakis,  Vrazalic (1), M.Strobel (2), Ilitsch (1), Ruß, Djozic (6/5), Weber (1).

Schiedsrichter: Brauer / Holm (Hamburg)  – Zuschauer: 4.196  – Zeitstrafen: 6:8  ( Wetzlar: Laudt, Manaskov, Bliznac– HBW: Foth 2, Strobel W., Strobel M.) – Strafwürfe: 3:3 / 6:5 (Hombrados gegen Djozic (29.) ).

 

Stimmen zum Spiel:

Kai Wandschneider (Trainer HSG Wetzlar): „Ich bin heute sehr zufrieden. Der Grundstein zum Sieg war sicher die gute Abwehr. In der Anfangsphase hatten wir im Innenblock ein paar Abstimmungsprobleme und waren ein paar Mal zu spät. Das haben wir aber korrigiert und auch José Hombrados hat uns mit seiner tollen Leistung Sicherheit gegeben. Im Angriff haben wir aufgrund der neuen Besetzung einige Probleme gehabt und mussten einiges Umstellen, dadurch dass Steffen Fäth kurzfristig ausgefallen ist. Nach so einer langen Pause, in der man kaum gemeinsam trainieren kann, weil viele Spieler bei der Nationalmannschaft sind, ist es schwer sich auf so ein Spiel vorzubereiten. Insofern bin ich sehr froh! Lediglich 20 Gegentreffer zu kassieren - wie stark das ist, zeigen die letzten Auftritte der Balinger mit deutlich über 30 Treffern. Es war sicherlich kein gutes Handballspiel, aber wir haben es gewonnen!“

Markus Gaugisch (Trainer HBW Balingen/Weilstetten): „Das war ein verdienter Sieg für Wetzlar. Wir haben heute einfach zu viele Fehler gemacht. Zwar sind wir nach einigen Minuten gut ins Spiel gekommen und haben gut dagegen gehalten - der Knackpunkt kam für mich allerdings kurz vor der Pause. Da haben wir zu hastig agiert und zwei Konter unnötig liegen lassen. Wir waren da in Überzahl und spielen das nicht mutig und diszipliniert aus. Kurz vor Ende waren wir dann zwar noch einmal dran, aber es waren wieder einfache Fehler, die die Niederlage besiegelt haben. Am Mittwoch geht es gleich weiter gegen den SC Magdeburg, das ist gut so. Da erwarte ich dann unbedingt mehr Mut und Biss von jedem. Da muss jeder wieder über jede Grenze gehen. Auch wenn das bei 29 Punkten ‚Jammern auf höchstem Niveau’ ist, erwarte ich besonders von den jungen Leuten und hinsichtlich der nächsten Saison, dass wir keine Sekunde auf der Platte verschenken. Damit müssen wir dann Mittwoch loslegen."

Fabian Böhm (Spieler HBW Balingen/Weilstetten): „Ich denke wir haben heute schon ein recht gutes Spiel gemacht. Wenn dir ein bis zwei Spieler im Rückraum wegbrechen dann ist es sehr schwer 60 Minuten konstant ein hohes Niveau zu halten. Am Ende fehlt uns dann die Kraft und das zeigt sich in unseren Abschlüssen. Besonders Hombrados hat uns in den letzten zehn Minuten vier bis fünf freie Bälle weggenommen und Wetzlar macht die entsprechenden Konter daraus. Somit war das Spiel entschieden!“

Jose Havier Hombrados (Spieler HSG Wetzlar): Ich denke, wir haben sehr gut agiert heute. Wir hatten viel Emotion und Leidenschaft. Am Ende war es die kompakte und gute Abwehr, die den Unterschied gemacht hat - wie eigentlich in allen Spielen gegen Balingen, die ich gemacht habe. Hinter einer solchenAbwehr hatte ich natürlich einen recht einfachen Job und konnte ein paar Bälle halten. 20 Gegentore sind denke ich sehr gut und wir können zufrieden sein.“