Nikola Marinovic: „Ich werde jedes Spiel für Wetzlar genießen!“

DKB Handball-Bundesliga

Der HSG-Torhüter lässt im Interview Saisonverlauf Revue passieren, spricht über Form seiner Mannschaft und das kommende Auswärtsspiel in Neuhausen

Nikola Marinovic wird im Kreise der Mannschaft liebevoll „Bobby“ genannt, da er mit seinem leicht verschlafenen Blick an die Raggea-Legende Bob Marley erinnert. Seine besonnene und angenehme Art, für die Marinovic außerhalb des Spielfeldes sehr geschätzt wird, trägt ebenfalls zu dem Vergleich bei. Sobald der österreichische Nationalspieler der HSG Wetzlar jedoch auf das Parkett läuft und sich zwischen die Pfosten stellt, ist er ab der ersten Sekunde hellwach und mit allen Emotionen geladen, die einen vorbildlichen Profi ausmachen. Mit seinen herausragenden Leistungen in der aktuellen Spielzeit trieb der 36-jährige des Öfteren seine Gegner zur Verzweiflung und spielte sich somit in das diesjährige All-Star-Team der DKB Handball-Bundesliga. Wie Nikola Marinovic den bisherigen Saisonverlauf seiner Grün-Weißen sieht und welche Gefahren beim bevorstehenden Auswärtsspiel in Neuhausen auf die HSG Wetzlar warten, verrät der Torhüter im weiteren Interview. 

Mit 29 Punkten und dem achten Platz spielt die HSG Wetzlar eine exzellente Saison. Hast Du das vor der Spielzeit so erwartet?

Marinovic: „Mit solch einer herausragenden Spielzeit hat wohl kaum einer gerechnet. Ich habe erwartet, dass wir eine bessere Runde im Vergleich zur Letzten spielen, in der wir lange gegen den Abstieg kämpfen mussten. Im Hinterkopf hatte ich aber schon eine kleine Vorahnung, dass es gegebenenfalls noch ein bisschen besser werden könnte, aber nur wenn alles passt. Das ist zu unserer Freude auch bislang so eingetreten."

Was macht die Mannschaft so stark?

Marinovic: "Wir haben sehr gut in die Saison gefunden und im weiteren Verlauf eine super Hinrunde gespielt. Aufgrund der sensationellen Hinserie hatten wir zu einem frühen Zeitpunkt der Spielzeit keinen Abstiegsdruck mehr und konnten befreit aufspielen, was eine angenehme Situation für alle Beteiligten darstellt. Zudem ist die Stimmung im Club und innerhalb der Mannschaft einfach klasse, weshalb es einen riesen Spaß macht mit den Jungs zusammen zu spielen."

Nach einer kleinen Durststrecke Anfang diesen Jahres hat sich die HSG Wetzlar mit fünf Punkten aus den letzten vier Spielen erfolgreich zurückgemeldet. Was sind die Gründe, dass es bei Euch wieder besser läuft?

Marinovic: "Meiner Meinung nach war das reine Kopfsache! Nach der erfolgreichen Hinserie hat sich ein wenig Zufriedenheit in der Mannschaft breit gemacht. Wenn man mental nicht hundertprozentig da ist, dann gehen die Spiele in der stärksten Liga der Welt halt knapp verloren, was uns dann auch passiert ist in dieser Phase. Erschwerend kam dazu, dass wir kaum eine Spielvorbereitung komplett durchziehen konnten, da mehrere Spieler mit ihrer Nationalmannschaft unterwegs waren. Ein weiterer Faktor waren einige Verletzungen zur damaligen Zeit, die uns das Leben ebenfalls nicht einfacher gemacht haben. So ging auch der Rhythmus verloren."

Gegen Frisch Auf! Göppingen habt ihr eine Topmannschaft geschlagen, die im Viertelfinale des EHF-Pokals steht. Habt Ihr wieder zur Form der Hinrunde gefunden?

Marinovic: "Das bleibt abzuwarten! Jedes Spiel ist anders und uns stehen noch einige unangenehme Partien bevor. In den letzten Spielen war eine deutliche Leistungssteigerung zu sehen, jedoch haben wir dieses hohe Niveau in der ersten Saisonhälfte noch kontinuierlicher abgerufen. Das muss jetzt auch der Fall sein!"

Euer kommender Gegner TV 1893 Neuhausen hat nun acht Spiele in Folge nicht punkten können und dem Aufsteiger droht der direkte Abstieg. Wie kann Euch Neuhausen gefährlich werden am Samstag?

Marinovic: "Neuhausen ist eine starke Heimmannschaft, für die es vielleicht die letzte Chance sein wird den Abstieg noch vermeiden zu können. Das Publikum wird am Samstag mit aller Lautstärke und Emotion hinter der Mannschaft stehen, weshalb wir klug unsere Stärken ausspielen müssen. Gelingt uns das, haben wir eine gute Möglichkeit auch am Wochenende zu punkten."

Du hast die Kulisse in Neuhausen angesprochen. Kann das ein ausschlaggebender Faktor sein?

Marinovic: "Die Fans werden nicht zu Unrecht der „achte Mann“ genannt. Wir wissen, dass uns eine ohrenbetäubende Atmosphäre erwarten wird in Neuhausen. Andersrum war das letzte Spiel gegen Göppingen nur eins von vielen Beispielen in dieser Saison, wie unsere Anhänger uns zum Sieg gepeitscht haben. Die Fans nehmen bei der HSG Wetzlar zurecht einen großen Stellenwert ein, weshalb ich die neue Aktion mit dem Webradio sehr begrüße. Ich freue mich für unsere treuen Fans, dass sie so eine Möglichkeit geboten bekommen und auch beim Auswärtsspiel live dabei sein können. Das ist eine tolle Idee!"

Welche Ziele hast Du Dir für die letzten sechs verbleibenden Spiele gesetzt?

Marinovic: "Für mich ist es eine besondere Situation, da ich ja den Verein zum Saisonende verlassen werde. Ich möchte so viele Spiele wie möglich noch gewinnen, denn es wäre schön, wenn wir uns als auch die Fans noch mit einigen Punkten belohnen würden. Vor allem freue ich mich schon sehr auf die letzten drei Heimspiele. Da werde ich jedes Spiel vor der tollen Kulisse genießen und hoffentlich viel Spaß haben mit der Mannschaft und den Fans."