Noch fehlt der kleine Kick

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HSG Wetzlar verkauft sich in Flensburg gut, verliert aber 30:36

Die Rechnung wäre simpel gewesen. Am Ende verlor Handball-Bundesligist HSG Wetzlar am Samstagabend bei der SG Flensburg-Handewitt zwar mit 30:36. Doch hätten den Grün-Weißen die sechs vergebenen Siebenmeter verwandelt, dann, ja dann ...

 

"Solche Zahlenspiele sind mir zu einfach, um von einer vergebenen Chance zu sprechen", sagte Gennadij Chalepo gestern Mittag, nachdem er gemeinsam mit der Mannschaft um kurz nach 5 Uhr morgens aus dem hohen Norden nach Mittelhessen zurückgekehrt war. "Wir hatten auch noch einige vergebene Tempogegenstöße und vor allem den verschlafenen Start. Dem schnellen 0:5 sind wir im Grunde die gesamte restliche Partie hinterhergelaufen", blickte der Wetzlarer Trainer auf die dritte Niederlage im dritten Auswärtsspiel der Saison zurück.

Nach dem ordentlichen 27:33 in Göppingen und dem unglücklichen 23:25 in Berlin zog sich die HSG auf fremdem Terrain erneut achtbar aus der Affäre, um sich am Ende doch einem der "Schwergewichte" der Bundesliga geschlagen geben zu müssen. "Die Jungs haben gekämpft bis zum Schluss. 30 Tore gegen so eine starke Mannschaft zu erzielen, ist aller Ehren wert. Aber irgendwie fehlt bei uns der kleine Kick, um an mehr zu glauben und nicht nur ein achtbares Ergebnis zu erzielen. Es muss in die Köpfe rein, dass wir auch in Flensburg oder bei einem anderen Topfavoriten punkten können", sah Chalepo die Fortsetzung der Niederlagenserie an der Förde (15 Pflichtspiele, kein Punkt für Wetzlar) mit einem lachenden und einem weinenden Auge.

Lachen durfte der gebürtige Weißrusse über die Tatsache, dass sich sein Team nach dem desaströsen Start mit fünf Fehlwürfen in Serie gegen den starken SG-Keeper Mattias Andersson nicht in alle Einzelteile zerlegen ließ, sondern nach einer Auszeit von Chalepo und einer Denkpause für Spielmacher Timo Salzer dran blieb. "Mit Alois Mraz habe ich versucht, etwas mehr Ruhe in unser Angriffsspiel zu bekommen. Das ist gelungen. Und für Timo waren die Minuten auf der Bank gut, danach war er wieder in der Spur", stellte Chalepo fest. Seinem dritten Mittelmann, Adnan Harmandic, gab er nur bei einem Siebenmeter eine Bewährungschance, "weil ich ihn für bessere Momente als in Flensburg aufheben will", dachte der HSG-Trainer bereits an kommenden Freitag (Anwurf: 19.45 Uhr) und das nächste Heimspiel seiner HSG in der Rittal-Arena gegen HBW Balingen/Weilstetten.

Bilanz an der Förde: Sechs vergebene Siebenmeter und ein verletzter Valo

Bis dahin muss - um zum Negativen des Samstagabends aus Wetzlarer Sicht zu kommen - die Schwäche von der Siebenmeterlinie weg sein. Kevin Schmidt machte vor 5814 Zuschauern in der Campushalle den Anfang - und scheiterte an Andersson. Später setzte Flensburgs Trainer Ljubomir Vranjes stets auf Sören Rasmussen und hatte damit durchschlagenden Erfolg. Lars Friedrich verwandelte zwar zwei Bälle im direkten Vergleich, fand aber auch genauso oft seinen Meister im etatmäßigen zweiten Torhüter des Meisters von 2004. Schließlich entzückte Rasmussen seine Fans mit weiteren gehaltenen Siebenmetern in kurzen Abständen gegen Kari Kristjan Kristjansson und Mraz. Harmandic vergab, indem er das Leder am Tor vorbeisetzte. "Acht Versuche, zwei Treffer, da müssen wir uns mal was einfallen lassen. Vielleicht sollten wir im Training ein paar Strafwurf-Sonderschichten einlegen", kündigte Chalepo an, nachdem er am Samstag irgendwann schon gar nicht mehr wusste, wen er nun zum Duell mit dem 35-jährigen Dänen an die Linie schicken sollte.

Während SG-Coach Vranjes all seine Vorgaben ("Ich wollte, dass meine Mannschaft viel läuft, viel Druck ausübt und viel Spaß hat") am Ende erfüllt sah, verabschiedeten sich die Wetzlarer mit einem angeschlagenen Daniel Valo aus dem hohen Norden. "Da sind mit ihm und Michael Knudsen zwei Bullen aufeinandergeknallt. Daniel hat eine Gehirnerschütterung und musste die gesamte Rückfahrt im Bus ruhig liegen. Ich hoffe aber, dass das bis zum Spiel am Freitag gegen Balingen kein Problem ist. Denn Valo ist sowohl im Angriff als auch in der Abwehr für unsere Stabilität enorm wichtig", sagte Chalepo gestern. Einen Tag, nachdem sich die HSG Wetzlar als gut erzogen erwiesen und brav die Punkte in der Stadt der Verkehrssünderkartei abgegeben hatte.

Volkmar Schäfer