Noch Luft nach oben

created by webmaster@hsg-wetzlar.de (Wolfgang Fischer)


Velimir Petkovic war sauer. Richtig sauer. »Ich bin ein fairer Sportsmann, aber ich finde, dass dieser Sieg von Wetzlar nicht verdient war. Leider darf ich nicht sagen, was mir auf dem Herzen liegt, denn das ist verboten«, erklärte der Coach von Frisch Auf Göppingen nach dem 26:25-Heimsieg der HSG Wetzlar in der Handball-Bundesliga. Obwohl der ehemalige Wetzlarer Trainer, der nun bei FAG das Kommando hat, das Wort »Schiedsrichter« oder dafür geltende Synonyme nicht in den Mund genommen hatte, wussten alle Anwesenden, wem die Kritik des 55-jährigen gebürtigen Bosniers mit deutschem Pass galt. Es war vor allen Dingen eine Szene in der Schlussphase der schwachen, aber spannenden Partie, die »Petko« auf die Palme brachte..

 

Wetzlars Keeper Nikolai Weber hatte den Ball außerhalb seines Sechs-Meter-Raumes mit dem Fuß gespielt, doch statt bei einer Ein-Tore-Führung für Göppingen auf Siebenmeter für die Schwaben und Zeitstrafe gegen Wetzlar zu entscheiden, ließen die Unparteiischen die Partie laufen. Die Chance auf eine mögliche Vorentscheidung durch die Schwaben war dahin, Wetzlar drehte die Partie und dürfte am Ende jubeln.

»Das war ein wichtiger Sieg für uns. Für mich ist es besonders schön, gegen meinen ehemaligen Trainer gewonnen zu haben«, freute sich HSG-Coach Gennadij Chalepo, der in alten Zeiten in der Dutenhofener Sporthalle schon so manche »Schlacht« mit Petkovic geschlagen hatte. Daran erinnert sich auch »Petko« gerne. »Ich freue mich immer zurückzukommen, auch wenn es in letzter Zeit nicht lustig für mich ist«, sagte der und spielte nach dem 25:26 auch auf das ebenso unglückliche 22:23 aus der vergangenen Saison an.

»Es war ein dreckiger Sieg«, gab auch Wetzlars Philipp Müller nach der umkämpften Partie zu, ein wenig Dusel gehabt zu haben. »Man kann sich Glück auch erarbeiten. Das war heute der Fall. Aber deswegen kann man auch von einem verdienten Erfolg reden«, sagte der Rückraumspieler. Torwart Niko Weber, der in der Endphase mit seinen Paraden wichtige Impulse setzen konnte, sah dies ähnlich. »Es war nicht schön anzusehen. Am Anfang hat nichts zusammengepasst. Aber letztlich zählen die Punkte«, so der Keeper, der Teil eines spielerisch schwachen Duells gewesen war, in dem die HSG zu Beginn nicht nur in der Abwehrarbeit viel Luft nach oben hatte.

Gerade diese Defensivmängel ausmerzen sollte eigentlich Zugang Andrej Klimovets. Dem Weltmeister von 2007, der nach seinem Abschied von MT Melsungen ein halbes Jahr ohne Verein gewesen war, merkte man die fehlende Spielpraxis deutlich an. Seine Aktionen waren kaum zwingend, im Zusammenspiel mit den Keepern fehlte mehr als nur die Feinabstimmung. »Ich bin nicht zufrieden«, sagte später auch der 37-jährige Kreisläufer. »Ich habe versucht, alles zu geben, aber am Anfang ist das gar nicht so einfach«, so der Ex-Nationalspieler selbstkritisch, der bei den ersten Gegentoren glücklos agiert hatte. Auch Chalepo sah das so: »In der ersten Halbzeit war es nicht so gut, in der zweiten hat er uns aber geholfen«. Auch Klimovets hat Luft nach oben.

(mac)