Nur Sekunden fehlen zum Punktgewinn in Kiel

DKB Handball-Bundesliga

HSG Wetzlar unterliegt nach großem Kampf in Kiel mit 25:26 (14:11)

Als die Uhr in der Heimstätte des THW Kiel 59:54 zeigte, war die Sensation für die HSG Wetzlar zum Greifen nahe. Doch der letzte Schuss von Filip Jicha saß. Das 25:26 (14:11) macht aber jede Menge Mut.

"Wir arbeiten gut, haben uns viel vorgenommen und sind erneut bitter enttäuscht", überwog nicht nur bei Torhüter Jose Javier Hombrados hinterher aber der Frust. Zumal Spielmacher Ivano Balic nach dem 24:24-Ausgleich durch Tobias Hahn in der Schlussminute wegen einer unsportlichen Unterbindung der "schnellen Mitte" mit der roten Karte vom Feld musste und den Wetzlarern vorerst gesperrt nicht zur Verfügung stehen wird.

Ivano Balic muss mit Rot vom Feld und fehlt den Grün-Weißen erstmal

Eigentlich hatten alle Experten, ja sogar die extrem verletzungsgebeutelten Grün-Weißen selbst, nur über die Höhe der Niederlage in der Sparkassen-Arena im hohen Norden gerätselt. Doch nicht nur die zahlreichen Fans der Spielgemeinschaft aus Dutenhofen und Münchholzhausen beim Public-Viewing in der Rittal-Arena rieben sich verwundert die Augen. Die bittere Last-Minute-Pleite gegen den Bergischen HC vom Sonntagabend (24:25) schien die HSG keineswegs zu lähmen. Ganz im Gegenteil: Nach dem 1:0 von Steffen Fäth unter drohendem Zeitspiel nach 59 Sekunden wuchsen den Gästen auch ohne ihr frenetisches Publikum, das zu Hause mitfieberte, große Flügel.

Ausgerechnet Torhüter Andreas Wolff legte nach seinem Patzer gegen den Bergischen HC einen bombigen Auftritt auf das Parkett. Ob Nationalspieler Dominik Klein oder Weltstar Filip Jicha: Die "Zebras" bissen sich an dem Neuzugang vom TV Großwallstadt die Zähne aus.

Tobias Hahn war ebenso prima im Spiel, lief zweimal gekonnt über den Kreis ein und traf von dort zweifach zum 6:4 (12.). Beim Rekordmeister war in Durchgang eins einzig und allein der Halbrechte Marko Vujin eine Waffe. Nachdem Kent Robin Tönnesen Heimschlussmann Andreas Palicka zum 11:8 getunnelt hatte, zückte Trainer Alfred Gislason außer sich vor Wut die grüne Karte. Doch die Nordlichter schlossen weiterhin unvorbereitet hab und ließen tolle Kombinationen vermissen. Sebastian Weber markierte 120 Sekunden vor der Pause das sensationelle 14:9 vom Kreis. "Wir spielen genau so, wie man hier spielen muss", meinte HSG-Keeper Wolff bereits zur Pause. Das galt vor allem für die Wetzlarer Nummer eins, die zehn Paraden in Hälfte eins noch einen gehaltenen Siebenmeter von Vujin mit der Pausensirene folgen ließ.

Als die Sieben von Trainer Kai Wandschneider nach dem Wiederbeginn dann auch noch trotz Unterzahl über vier Minuten kein Gegentor kassierte, schien die Sensation im Bereich des Möglichen. Doch der THW Kiel nutzte die ersten Nachlässigkeiten der Wetzlarer im Stile einer Spitzenmannschaft und zog nach einer "Fahrkarte" und einem Fehlpasse des oft unglücklich agierenden Steffen Fäth die erste Möglichkeit zur Führung durch Vujin (16:15, 38.).

Dieser 7:1-Lauf für das Ensemble von der Förde zeigte Wirkung bei der HSG, die nun nicht mehr auf der Euphoriewelle von Durchgang eins reiten konnte. Fäth steckten viele Minuten in den Knochen und Ivano Balic fehlten gegen die enorm aggressive 3:2:1-Deckung der Hausherren die Ideen.

Tobias Hahn gleicht zwei Minuten vor Schluss per Heber aus

14 Minuten benötigten die "Zebras", um aus dem 11:14-Rückstand eine 19:15-Führung zu machen. Als Jicha obendrein den eingewechselten Hombrados im HSG-Tor mit einem einfachen Versuch zum 20:16 tunnelte, schlug das Pendel für die Gastgeber aus. Aber - und das ist das größte Lob für die Rumpftruppe aus der Domstadt - die Wetzlarer ließen sich nicht abschlachten, sondern blieben bis zuletzt am Drücker. Hahn schaffte mit einem klasse Heber und zwei Minuten vor dem Ende den 24:25-Anschlusstreffer und egalisierte sogar. Doch einmal mehr zog der THW den Kopf aus der Schlinge.

Kiel: Sjöstrand (ab 24.), Palicka - Hansen (3), Sigurdsson (1), Sprenger (2), Wiencek, Ekberg, Schmidt (2), Zeitz, Jallouz (1), Palmarsson (1), Klein (1), Jicha (8), Vujin (7).

Wetzlar: Hombrados (ab 40.), Wolff - Tiedtke, Rompf (2), Krause (2), Weber (2), Tönnesen (8/1), Fäth (2), Kraft (n.e.), Hahn (6), Bliznac (n.e.), Balic (1), Klesniks (2).

Schiedsrichter: Behrens/Fasthoff (Düsseldorf) - Zuschauer: 10 285 - Zeitstrafen: Kiel zwei (Klein, Jicha), Wetzlar drei (Fäth, Krause, Balic), - rote Karte: Balic (60., Wetzlar) wegen Unsportlichkeit) - verworfene Siebenmeter: Vujin (30., Kiel) scheitert an Wolff, Fäth (32., Wetzlar) scheitert an Sjöstrand, Sigurdsson (33., Kiel) scheitert an Wolff.

 

Quelle: Wetzlarer Neue Zeitung