"Nur wir können für Wende sorgen"

DKB Handball-Bundesliga

Wetzlar mit schwerem Spiel bei der TuS N-Lübbecke

Sie saßen noch lange zusammen und versuchten gemeinsam, den Schock zu verdauen. Geschäftsführer Björn Seipp hatte seine Pläne geändert und war der Mannschaft am Donnerstagabend sogar kurzerhand ins Trainingslager nach Monheim gefolgt. Dort sprach der 38-Jährige nach dem Abendessen lange mit den Spielern und Trainer Kai Wandschneider, die sich am Rhein auf die Partie beim TuS N-Lübbecke (19 Uhr) vorbereitet haben, über das Urteil des Bundesgerichts, infolgedessen die Wetzlarer aufgrund des Einsatzes des nicht spielberechtigten Andrej Klimovets die beiden gegen FA Göppingen sportlich gewonnenen Zähler wieder abgezogen wurden, und das die Grün-Weißen so bedrohlich wie schon lange nicht an den Oberhaus-Abgrund führt.

»Die Nachricht kam am Donnerstag gegen 15 Uhr. Wir haben zunächst versucht, uns im Training normal auf Lübbecke einzustellen. Aber später im Hotel haben wir natürlich ausgiebig über die neue Situation gesprochen. Es war gut, dass auch Björn Seipp dazugekommen ist. Die Gespräche waren konstruktiv und zielgerichtet«, erzählt Coach Wandschneider, dessen Team als Tabellen-15. nach dem Abzug der beiden Zähler nur noch drei Punkte Vorsprung auf die Abstiegsränge 16 und 17 hat, die derzeit von den beiden Mannschaften des Bergischen HC und des TV 05/07 Hüttenberg eingenommen werden. Kurioserweise treffen eben diese beiden Mannschaften am 19. Mai auch noch direkt aufeinander, so dass auf jeden Fall – wie auch immer – zwei Pluspunkte verteilt werden.

Wetzlars neuer Trainer Wandschneider gibt sich kämpferisch. »Wir müssen das abhaken. Vielleicht ist es gut, dass wir jetzt endlich Klarheit haben. Es ist jetzt für alle offensichtlich, dass die Lösung unserer Probleme einzig und allein auf dem Feld liegt. Nur Trainer und Spieler können jetzt für die Wende sorgen«, sagt der Coach, der nach der Partie in Lübbecke noch in Kiel, gegen Hamburg, in Gummersbach und gegen Magdeburg antritt. »Ich mache meiner Truppe nicht den Vorwurf, dass sie nicht unbedingt gewinnen will. Sie will. Und sie leidet auch nicht an Realitätsverlust und weiß genau, was die Stunde geschlagen hat. Das kam bei den Gesprächen ganz klar heraus«, sagt Wandschneider, der davon ausgeht, dass sein Team den Schock bis zum Anpfiff verdaut hat. »Wir wollen in Lübbecke prompt eine Antwort geben«, so der Coach, dessen Team von rund 100 Fans unterstützt werden wird.

Vergrößert hat sich unterdessen auch die Chance, dass Linkshänder Daniel Valo mit von der Partie sein wird. Der Rückraumspieler, der Probleme am Steißbein hat, ist nach einer Untersuchung bei Mannschaftsarzt Dr. Marco Kettrukat wieder ins Trainingslager zurückgekehrt und wird in der Endphase des Abstiegskampfs helfen, der aus Sicht von Markus Baur zu einem Dreikampf werden kann. Der Trainer des TuS N-Lübbecke lässt keinen Zweifel daran aufkommen, dass er am Samstag seinem Ex-Klub aus Wetzlar nicht unter die Arme greifen wird. »Unser Saison-Höhepunkt mag mit dem Final Four vorbei sein, aber da haben wir uns nicht so gut präsentiert. Wir sind keinesfalls mit unseren 25 Punkten zufrieden und sind vor Wetzlar gewarnt. Ich weiß, dass solch ein Urteil auch Kräfte freisetzen kann«, sagt Baur, der am Samstag auch mit Spannung nach Hüttenberg blickt. »Wenn der TVH Balingen schlägt, und eine Woche später der BHC gegen Hüttenberg gewinnt, haben die beiden 17 Punkte und Wetzlar 18. Dann geht es richtig rund«, sagt Baur, der davon ausgeht, dass sein TuS der HSG heute keine Punkte überlassen wird.

 

Quelle: Gießener Allgemeine Zeitung