Partie eine Hälfte lang offen

DKB Handball-Bundesliga

Nach 11:11 Halbzeitstand verliert die HSG Wetzlar 23:27 in Berlin.

»Alles andere als ein Sieg von Berlin wäre eine Überraschung.« So grüßte HSG-Trainer Kai Wandschneider im Vorfeld der Partie von der Videoleinwand im Berliner Fuchsbau. Nach dem Ausfall von Ivano Balic konnte man ihm da nur zustimmen, doch entwickelte sich – speziell in der ersten Hälfte der Handball-Bundesliga-Partie – ein offenes Spiel, das die aktuelle Tabellensituation nicht korrekt abbildete. Beim Halbzeitstand von 11:11 hofften die 50 mitgereisten HSG-Fans auf eine Wiederholung der Überraschung aus der letzten Saison. Die Grün-Weißen bestätigen bei der 23:27-Niederlage letztlich ihren Aufwärtstrend und lassen die Verantwortlichen mit Zuversicht auf die nun kommenden Aufgabe gegen Emsdetten am Freitag schauen.

»Wir haben heute wieder gesehen, wozu unsere Mannschaft im Stande ist. Der Sieg geht verdient an Berlin, wenn auch nicht in dieser Höhe«, fasst HSG-Geschäftsführer Björn Seipp das Spiel zusammen. Der Grundstein für den Klassenerhalt sei gelegt und bis Weihnachten werde die Mannschaft sicherlich noch den ein oder anderen Sieg einfahren.

Beide Mannschaften begannen konzentriert. Den Gastgebern war anzumerken, dass sie die Niederlage aus der letzten Saison noch auf dem Schirm hatten. Jedoch war es die HSG, die in Person von Jens Tiedke mit 1:0 startete. Die Mittelhessen fanden nach anfänglichen Problemen gut in die Begegnung, in der sich aufseiten der Grün-Weißen Magnus Dahl als solider Rückhalt erwies. Der Torhüter stellte für seine Gegner phasenweise eine unüberwindbare Hürde dar. Füchse-Trainer Dagur Sigurdsson lobte den Keeper nach dem Spiel, als »in der ersten Hälfte überragenden Akteur der HSG«. Die Führung wechselte permanent, und man merkte den Berlinern an, dass sie es mit dieser Gegenwehr schwer haben würden. So wunderte es auch nicht, dass bereits in der 17. Minute nach dem Wetzlarer 8:7 (Reichmann) die Berliner Auszeit kam. Bis zum Wechsel konnte sich kein Team absetzen, sodass Kevin Schmidt mit einem frechen Heber über Silvio Heinevetter das 11:11 erzielte.

Nach dem Seitenwechsel der erste Rückschlag für die HSG: Der bis dahin solide agierende Tobias Reischmann scheiterte gleich zweimal von der Außenposition an Petr Stochl im Berliner Kasten, und im Gegenzug konnten sich die Hauptstädter mit zwei Toren zum 13:11 (33.) ein kleines Polster verschaffen. Wandschneider reagierte und nahm umgehend eine Auszeit. Über die rechte Seite der Wetzlarer fanden die Berliner nun stärker ins Spiel. Nach Foul am frischgebackenen Vater Tobias Reichmann scheiterte Kevin Schmidt mit einem Strafwurf an Stochl. Beim 19:16 (Zachrisson, 44.) konnten sich die Füchse erstmals mit drei Toren absetzen.

Wetzlar verlor seine Struktur und Wandschneider begegnete mit unterschiedlichen Abwehrformationen dem Berliner Offensivdrang. In der Folge lieferte sich Wetzlars Harmandic zuerst ein Scharmützel mit der Füchse-Abwehr, um danach vom Berliner Publikum für den Rest der Partie ausgepfiffen zu werden. Das änderte nichts daran, dass Berlin seinen Vorsprung auf vier Treffer ausbaute und schließlich mit 27:23 gewann. Dennoch war Trainer Wandschneider unter den gegebenen Umständen durch den Balic-Ausfall mit der Vorstellung seiner Truppe zufrieden.

Berlin: Heinevetter, Stochl; Löffler, Wiede (2), Spoljaric, Romero (4/2), Zachrisson (5), Jaszka, Horak (7), Igropulo (4/3), Nielsen (1), Christophersen, Petersen (4/1).

Wetzlar: Dahl, Wolff; Schmidt (3/2), Prieto (1), Tiedtke (4), Rompf, Weber (1), Tönnesen (2), Reichmann (5), Laudt, Fäth (5), Hahn, Harmandic (1), Klesniks (1).
Stenogramm / SR.: Grobe/Kinzel. - Zuschauer: 8500. - Zeitstrafen: Horak (Berlin); Rompf, Laudt, Fäth, Harmandic (3), Klesniks (alle Wetzlar).    

 

Quelle: Gießener Allgemeine Zeitung