Punkte, Planung, Personal

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Für vorweihnachtliche Ruhe bleibt der HSG Wetzlar wenig Zeit

Markus Baur schickte die Sieger vom Sonntag gestern in seiner alten Wahlheimat Dutenhofen zum Laufen in den Regen. Gennadij Chalepo gab den Verlierern nach einer anstrengenden, am Ende mit 4:2 Punkten aber positiv verlaufenen Woche derweil für einen Tag frei.

 

"Das ist enorm wichtig, um die Akkus aufzuladen. Drei Partien in sieben Tagen, dazu angeschlagene und verletzte Spieler - die Jungs haben eine Pause gebraucht. Denn es ist und bleibt im Kampf um den Klassenerhalt in dieser Saison super eng. Um zu bestehen, benötigen wir jedes Prozent", erklärte Chalepo einen Tag nach dem 24:28 gegen den TuS N-Lübbecke die kurze Auszeit seiner HSG Wetzlar vom Alltag in der Handball-Bundesliga.

Dass es nach Siegen gegen Lemgo (32:29) und in Hildesheim (25:24) zum Abschluss der "englischen Woche" gegen die von Baur trainierten Ostwestfalen, die sich als Vorbereitung auf das DHB-Pokal-Spiel heute Abend in Leutershausen für zwei Tage im Wetzlarer Hotel Blankenfeld eingemietet haben, nicht zum dritten doppelten Punktgewinn in Serie gereicht hatte, empfand der Wetzlarer Coach zwar als "extrem schade. Aber wir haben in diesem komischen Spiel zu viele freie Bälle vergeben".

Allen voran Kevin Schmidt, der seinen Vertrag bei den Grün-Weißen bis 2014 verlängert hat, und Kari Kristjan Kristjansson, der nach dem Spiel am Sonntag selbstkritisch eingestand: "Dass ich in so einem knappen Match sechs Würfe am Kreis vergebe, geht nicht. Wenn ich nur an die Chance beim 18:19 denke. Da verpasse ich den Ausgleich, und auf der anderen Seite klingelts drei Mal", blickte der Isländer auf die Entscheidung zu Gunsten der Gäste zurück.

Die hatten einen 10:14-Rückstand (28.) binnen 13 Minuten in einen 18:15-Vorsprung umgewandelt. Unter anderem, weil im Angriff neben Drago Vukovic auch Daniel Svensson "Freiheiten genoss, die ich gegen die HSG vorher nicht so erwartet hatte", wie der Däne später zu Protokoll gab. Vor allem aber, weil die Gastgeber vor 3786 Zuschauern in der Rittal-Arena neben den vielen Wurf-Fahrkarten auch keines ihrer vier Überzahlspiele zu einem eigenen Treffer nutzten.

Es bleibt viel Arbeit für Gennadij Chalepo, um die Voraussetzungen für eine weitere, die 15. Saison der HSG in Folge im Handball-Oberhaus zu schaffen. Heute beginnt für den Coach und seine Jungs mit zwei Trainingseinheiten der Countdown für den Auftritt beim schwächelnden Meister HSV Hamburg (Samstag, 15 Uhr). "Dort etwas zu holen, wäre ein Traum", weiß der gebürtige Weißrusse um die Schwere der kommenden Aufgabe.

Thielmann bestimmt den Takt, Baur gibt die Richtung vor

"Das Schlüsselspiel steigt aber am 21. Dezember gegen Gummersbach", ergänzte Manfred Thielmann gestern. Sollte die HSG dort siegen, dann kann der Aufsichtsratssprecher mit noch breiterer Brust in weitere Gespräche mit Spielern einsteigen, deren Vertrag am Saisonende auslaufen. Zum Beispiel mit den Kreisläufern Kristjansson und Giorgos Chalkidis. Der Grieche sagte zwar am Sonntag, "dass ich nach fünf wundervollen Jahren gerne weiter in Wetzlar bleiben möchte". Doch für Thielmann ist klar: "Wir bestimmen den Takt. Denn wir sind endlich mal in der Lage, nicht bis Februar oder März warten zu müssen, um die Weichen für die nächste Runde zu stellen." Auch mit Timo Salzer wird nach der Partie gegen den Altmeister aus dem Oberbergischen verhandelt. "Und wenn die Bedingungen stimmen, dann werden wir mit ihm weitermachen. Denn ich schätze ihn sehr", so Thielmann. Der Regisseur selbst lächelte am Sonntag auf die Frage, wie es mit ihm weitergehe, süffisant. "Mal schauen, was kommt", lautete Salzers vielsagende Antwort.

Auch beim TuS N-Lübbecke geht es dieser Tage um Punkte, Planung und Personal. Markus Baur, der als Trainer des dreifachen Europacupsiegers gegen seinen ehemaligen Club aus Wetzlar im dritten Duell zum dritten Mal gewann, macht einen erfolgreichen Job bei den Ostwestfalen. Dies allerdings 680 Kilometer entfernt von seiner Frau Marion und den drei Kindern, die das gemeinsame Haus am Bodensee bewohnen. Was bei den anstehenden Gesprächen über eine Vertragsverlängerung des Weltmeisters von 2007 eine gewichtige Rolle spielen dürfte. Die TuS-Fans drückten am Sonntag ihren Wunsch mit einem Plakat aus: "Baur bleib." Vielleicht findet sich beim Spiel der HSG gegen Gummersbach ja auch ein Hinweis mit dem Titel "Timo bleib" in der Rittal-Arena.

Volkmar Schäfer