Revanche geglückt: Wetzlar stutzt Bergischen HC die Flügel

DKB Handball-Bundesliga

Mittelhessen ziehen nach deutlichem 28:22-Heimsieg gegen Bergische Löwen in dritte Pokalrunde ein - Torhüter Andreas Wolff erwischt "Sahnetag"

Spätestens in Minute 36 hatte Andreas Wolff sein ganz persönliches Trauma für beendet erklärt. Der Torwart von Handball-Bundesligist HSG Wetzlar riss die rechte Faust nach oben und brüllte aus voller Kehle "Jaaa" durch die Dutenhofener Sporthalle - soeben hatte er beim 28:22 (12:8)-Sieg in der zweiten Runde des DHB-Pokals gegen den Bergischen HC einen Tempogegenstoß von Benjamin Meschke entschärft und dabei Parade Nummer 14 an diesem Abend gezeigt.

Bei der 24:25-Pleite vor gut fünf Wochen gegen den Aufsteiger war der 22-Jährige noch die tragische Figur gewesen, als er in letzter Sekunde einen Kullerball von BHC-Kapitän Viktor Szilagyi hatte passieren lassen. "Andi hat heute ganz stark gehalten", sagte HSG-Trainer Kai Wandschneider. Alleine daran wollte er die Qualifikation für die dritte Pokalrunde aber nicht festmachen: "Die Abwehr hat auch sehr gut gearbeitet und vorne waren wir ebenfalls klasse."

Zunächst deutete aber gestern Abend alles auf einen so heißen Tanz wie am 15. September in der Rittal-Arena hin. Die Spielgemeinschaft aus Dutenhofen und Münchholzhausen legte durch den nervenstarken Kevin Schmidt per Siebenmeter zum 1:0 vor (2.). Davon ließen sich die Gäste nicht beeindrucken. Richard Wöss brachte den Bundesliga-Aufsteiger erstmals mit 3:2 in Front (7.) - auch, weil Mario Huhnstock im BHC-Tor die in der Anfangsphase oft schlecht gewählten HSG-Versuche parierte. "Wir haben gut begonnen, hatten aber dann zu viele Fehlwürfe", analysierte BHC-Kapitän Szilagyi.

Weil nun Wolff aufdrehte. Mit zehn Paraden bis zur Pause zog er dem Team von Trainer Sebastian Hinze den Zahn - unterstützt vom defensiv starken Quartett Jens Tiedtke, Kristian Bliznac, Evars Klesniks und Steffen Fäth. Und weil vorne Ivano Balic zwischenzeitlich glänzend Regie führte und die Flügelzange Schmidt/Tobias Reichmann immer mehr in die Form der Vorsaison kam, zogen die Hausherren über 5:4 (Fäth, 13.) und 8:5 (Kent Robin Tönnesen, 20.) auf 12:5 (Schmidt, 27.) davon. "Wir haben viel zu wenig aus unseren Ballgewinnen gemacht", ärgerte sich BHC-Coach Hinze. Nur durch Unkonzentriertheiten der Gastgeber - alleine Tönnesen verlor in den letzten vier Minuten vor dem Seitenwechsel zweimal den Ball - verkürzte die Spielgemeinschaft aus Solingen und Wuppertal bis zur Pause auf 8:12.

Doch mit großem Selbstvertrauen durch die Siege zuletzt bei HBW Balingen/Weilstetten und gegen den ThSV Eisenach im Rücken kamen die Grün-Weißen aus der Kabine. Der brandgefährliche Reichmann, dessen Einsatz laut Wandschneider wegen Knieproblemen auf Messers Schneide gestanden hatte, Fäth und Tiedtke erhöhten schnell auf 15:8 (34.). Der in der Liga so starke Aufsteiger zeigte zwar Kampfgeist, rieb sich aber auch durch Meckereien gegen das Schiedsrichterduo Hanspeter Brodbeck/Simon Reich auf - und musste sich immer wieder Wolff beugen, der einen Wurf nach dem anderen abwehrte. Szilagyi zollte dem Torwarttalent entsprechend Respekt: "Er hat eine klasse Leistung gezeigt."

Nach 12:8 zur Pause ziehen die Hausherren auf 25:15 davon!

Und vorne ließen sich die Grün-Weißen von der fast überschäumenden Euphorie der Fans in der engen, bei den Gegnern gefürchteten Halle anstecken. Im Angriff gelang nun beinahe alles. Klesniks besorgte in der 40. Minute das 18:11 und Carlos Prieto warf in seiner zweiten Partie für die Domstädter gegen seinen Ex-Club sein erstes Tor (25:15, 50.).

So war aus dem anfangs heißen Pokalfight ein besseres Trainingsspiel geworden. Und der Applaus, mit dem die Zuschauer Wolff nach dessen Auswechslung für den wiedergenesenen Magnus Dahl in der 51. Minute bedachten, war Balsam auf dessen Seele. "Das war ein ganz wichtiger Sieg", sagte der gebürtige Euskirchener, der über beide Wangen strahlte und den Triumph sichtlich genoss.

37 Tage, nachdem er nach seinem Patzer wie ein Häufchen Elend am Boden der Rittal-Arena gesessen hatte, hatte er mit der Vergangenheit abgeschlossen und - mit insgesamt 20 Paraden - seine ganz persönliche Rache genommen.

HSG Wetzlar: Wolff, Dahl (ab 51.) - Schmidt (6/3), Prieto (1), Tiedtke (2), Rompf, Tönnesen (4/2), Reichmann (6), Fäth (3), Bliznac (2), Harmandic (1), Balic (2), Klesniks (1), Weber.

Bergischer HC: Gustavsson (ab 40. und bei einem Siebenmeter), Huhnstock - Hoße (2), Sabljic (2), Hegemann, Miljak (1), Nippes, Oelze (4/1), Wöss (5), Weiß (1), Gutbrod (2), Szilagyi (4), Berggren, Meschke (1).

Schiedsrichter: Brodbeck/Reich (Metzingen) - Zuschauer: 1008 - Zeitstrafen: Wetzlar zwei (Bliznac zwei), Bergischer HC sechs (Szilagyi zwei, Sabljic, Miljak, Berggren, Meschke).

Textquelle: WNZ