Rhein-Neckar Löwen eine Nummer zu groß für die HSG Wetzlar

DKB Handball-Bundesliga

Grün-Weißen verlieren nach aufopferungsvollem Kampf 29:23 gegen die ,,Löwen“ - Müller Brüder können überzeugen

Trotz einer starken kämpferischen Leistung konnte die HSG Wetzlar keine Überraschung gegen den Spitzenreiter der DKB-Bundesliga landen. Im Endeffekt konnten sich die ,,Löwen“ ein weiteres Mal in fremder Halle durchsetzen und bleiben somit auswärts ungeschlagen. Bis zur zweiten Halbzeit war diese makellose Bilanz der Gäste aufgrund einer mutig aufspielenden Wetzlarer Mannschaft jedoch in Gefahr. In den zweiten dreißig Minuten überzeugten die Badener mit ihrer berüchtigt starken 6:0 Deckung, sodass der aufopferungsvolle Kampf der Heimsieben nicht belohnt wurde. Auf Seiten der Domstädter konnten die Gebrüder Müller mit einer sehr engagierten Leistung überzeugen und erzielten zusammen über die Hälfte aller HSG-Tore.

HSG-Trainer Kai Wandschneider deutete schon vor Begegnung mit dem Tabellenführer an, dass die Startformation im Vergleich zum Hessenderby verändert auftreten wird. Wandschneider hielt Wort und gab mit gleich vier neuen Startern der ersten Sieben ein anderes Gesicht. In der Anfangsphase schien dieser mutige Schritt zu fruchten und mit Daniel Valo wurf einer der ,,Neuen“ den ersten Treffer zur Führung. Ab der ersten Minute waren die Wandschneider-Schützlinge ein forscher Widersacher. Diesen frischen Aufwind nutzte die HSG Wetzlar aus, um bis zur 15 Minute dem Spitzenteam aus Mannheim auf Augenhöhe zu begegnen. In den folgenden fünf Minuten litt bei der Heimmannschaft die Qualität der Wurfauswahl, was vom gegnerischen Spitzenteam eiskalt ausgenutzt wurde, so dass Kai Wandschneider in der 20 Minute beim Stand von 7:11 zum ersten Time-Out gezwungen war. Bis zum Halbzeitpfiff übernahm dann Philipp Müller die Verantwortung und brachte sein Team Tor um Tor dem Ausgleich näher. Mit intaktem Korpsgeist und  einer guten Regie von Adnan Harmandic gelang der verdiente Ausgleichstreffer kurz vor Ende der ersten Halbzeit.

Der Beginn des zweiten Durchgangs ließ die fast ausverkaufte Rittal-Arena auf mehr hoffen. In dieser Phase drehte der zweite Müller Bruder auf. Der HSG-Kapitän ging mit gutem Beispiel voran und brachte seine Mannen mit zwei Treffern in Folge sogar mit 16:15 in Front. Die Überraschung schien greifbar nahe und als die Philipp Müller seinem Bruder einen Kempapass zuspielte und dieser mit technischer Raffinesse das Anspiel im Tor der Rhein-Neckar Löwen unterbringen konnte, schien alles möglich zu sein an diesem Abend. Das Blatt sollte sich jedoch im weiteren Spielverlauf wenden.

Die Gäste demonstrierten mit einer Weltklasse-Abwehrleistung warum sie ganz weit oben stehen in der Tabelle. Die offensiv agierende 6:0 Deckung rührte Beton an und mit der sich immer weiter steigernden Abwehrleistung fand der dänische Nationalkeeper Niklas Landin Jacobsen immer besser in das Spiel. Aus dem nahezu unüberwindbaren Deckungsverbund konnten die Gelb-Schwarzen ihr gefürchtetes Tempospiel aufziehen. Aus einer 16:15 Führung wurde innerhalb weniger Minuten ein 17:24 Rückstand für die HSG Wetzlar. Auch zwei Auszeiten der Wetzlarer innerhalb kürzester Zeit brachte nicht die erhoffte Wende. Zu stark präsentierten sich die Gäste nun auch in der Offensive. Angeführt vom auftrumpfenden Kim Ekdahl du Rietz, der mit 8 Toren bester Werfer seiner Mannschaft war, zogen die Baden-Württemberger davon. Als der Schwede in der 56 Minute zum 28:22 traf, war jedem der 4118 Zuschauern klar, dass diese Partie entschieden war.

Im Vergleich zum Sieg über die MT Melsungen präsentierte sich die HSG Wetzlar trotz Niederlage von einer besseren Seite. Bis zur letzten Minute stimmte die Körpersprache und der Wille war jedem einzelnen Akteur der Grün-Weißen anzumerken. Diese Niederlage ist für die HSG Wetzlar kein Beinbruch, da die ,,Löwen“ einfach eine Nummer zu groß waren an diesem Abend. Trotz zweier Minuspunkte auf der Habenseite war das Spiel ein Schritt in die richtige Richtung. 

HSG Wetzlar: Marinovic; Schmidt (2/2), Fridgeirsson (1), Tiedtke (1), Valo (2), Mraz, P. Müller (8), Reichmann, Fäth (1), M. Müller (5), Harmandic (3), Kristjansson, Hahn
 
 Rhein-Neckar Löwen: Landin-Jacobsen, Stojanović (28 – 30..) ; Sigurmannsson (3), Petersson (6) , Schmid (6/2), Ekdahl du Rietz (8), Steinhauser, Bitz (n.e.) Myrhol (4), Roggisch, G. Guardiola, Sesum, I. Guardiola , Groetzki (2)

Zeitstrafen: 6:10 Minuten: HSG (Tiedtke, Valo, Philipp Müller) – Rhein-Nekar Löwen (Schmid, Sigurmannsson, Steinhauser, Petersson, Sesum) – Strafwürfe: 2:2/0:0 – Schiedsrichter: Fleisch/Rieber – Zuschauer: 4118

Philipp Müller: Wir hatten trotz des Sieges über Melsungen einiges Gut zu machen. Bei uns war absolut der Wurm drin, doch umso schöner ist es, dass das Publikum heute nochmal so zahlreich in die Halle gekommen ist. Wir mussten den Zuschauern einiges zurückzahlen, was uns heute teilweise gelungen ist. Wir haben eine gute Partie gezeigt, wobei die Niederlage mit sechs Toren vielleicht ein bisschen zu hoch ausgefallen ist.

Kai Wandschneider: Meine Mannschaft hat heute über die komplette Spielzeit gekämpft. Sie haben alles gegeben aber sie sind in der zweiten Hälfte an ihre Grenzen gestoßen. Heute haben wir gesehen warum die Rhein-Neckar Löwen ganz vorne stehen. Wir sind das ein oder andere Mal an deren Weltklasse-Abwehr gescheitert. Deshalb geht der Sieg verdient an die ,,Löwen“.

Andy Schmid: Es war das erwartet schwere Spiel. In Wetzlar ist es immer schwer zu gewinnen, da die Partie hier immer sehr emotional geladene Spiele. In er zweiten Halbzeit standen wir gut in der Deckung und hatten einen starken Torhüter hinten drin. Im Angriff haben wir uns auch gebessert und die wichtigen Dinger reingemacht.

Gudmundur Gudmundsson: Hier in Wetzlar zu gewinnen ist nicht einfach. Wir haben uns auf eine starke HSG Wetzlar eingestellt. Mit den ersten 20 Minuten bin ich sehr zufrieden aber dann haben wir bis zur Halbzeit nachgelassen. In der zweiten Hälfte haben wir im Angriff ein paar Dinge verändert und in der Abwehr einfach zugemacht. Wir haben heute gegen eine starke Wetzlarer Mannschaft gewonnen.