Rhein-Neckar Löwen lassen Wetzlar an „Sahnetag“ keine Chance!

DKB Handball-Bundesliga

Achse Schmid/Myrhol bekommt selbst von HSG-Fans Applause – Wetzlar kann Ausfall von Fäth, Schmidt und Balic nicht kompensieren

Ohne den am Knie verletzten Steffen Fäth sowie die grippekranken Kevin Schmidt und Ivano Balic avancierte die ohnedies schon als „Mammutaufgabe“ deklarierte Partie der HSG Wetzlar gegen das Topteam der Rhein-Neckar Löwen zum schier unlösbaren Brocken für die Grün-Weißen kurz vor dem Weihnachtsfest. Vor 4.412 Zuschauern präsentierten sich die Gäste von Beginn an hellwach, mit einer sehr konzentrierten und aggressiven Deckung, die HSG Wetzlar dagegen mit zu vielen einfachen Fehlern und Unzulänglichkeiten im gebundenen Spiel. Die Gäste straften diese eiskalt und gnadenlos ab und führten schnell mit 4:0 (4.) durch den bärenstark aufspielenden Uwe Gensheimer.

Die Wetzlarer Deckung, zu den drei Besten der Liga zählend, hatte kaum Gelegenheit sich und ihre bisherige Stärke unter Beweis zu stellen. Beim 10:4 (14.) durch Andi Schmid nämlich fiel gerade einmal der dritte Treffer für die Löwen aus dem Positionsspiel. Doch die Wetzlarer zeigten einmal mehr Kämpferqualitäten und rackerte sich zurück ins Spiel, schaffte beim 7:10 (17.) den Anschluss. Grund für die nun etwas besser agierenden Grün-Weißen waren sicher die personellen Veränderungen, die Kai Wandschneider vorgenommen hatte. Florian Laudt auf der Mitte für den bis dato eher unglücklich agierenden Adnan Harmandic und Kent Robin Tönnesen auf der rechten Rückraumposition belebten das Spiel der Gastgeber sichtlich. Und auch die Abwehrreihe der Wetzlarer war nun etwas aggressiver, allerdings ohne in der letzten Konsequenz die individuell starken Löwen komplett aufhalten zu können. Und so versäumte es die Wandschneider-Sieben aus den vielen guten Aktionen mehr Kapital zu schlagen und den Abstand weiter zu verkürzen. So auch kurz vor der Pause. Die Gastgeber waren nach einem Treffer von Christian Rompf bis auf 15:18 (29.) herangekommen und in Ballbesitz, doch erneut waren es die eigenen Unzulänglichkeiten und Fehler, die einen weiteren Treffer verhinderten und den Gästen noch einmal den Ballbesitz ermöglichten. Schlussendlich hatten die Prieto, Tiedtke und Co. Glück, dass die Löwen den letzten Angriff nicht verwerten konnten und es so zur Pause nur 15:19 aus Sicht der HSG Wetzlar stand. 

Auch nach dem Wechsel machten sich die Hausherren das Leben zum Teil selbst schwer und scheiterten nach guten Angriffsaktionen immer wieder an der beweglichen Löwen-Deckung oder Niklas Landin im Gehäuse der Gäste. Beim 17:22 (34.) durch Andi Schmid sah es für Wetzlar schon stark nach einer Demontage aus. Doch nach einer doppelten Zeitstrafe gegen Nikola Manojlovic fand Wetzlar zurück ins Spiel und konnte noch einmal durch Tobias Hahn auf 20:22 (37.) verkürzen. Doch schon eine Minute später, die Löwen waren gerade wieder vollzählig, zeigten die Gäste erneut ihre an diesem Tag beeindruckende Pass- und Ballsicherheit. Binnen zehn Minuten distanzierten die Löwen die Domstädter deutlich (20:26, 48.). Wetzlar mühte sich weiter und ackerte, doch die Mannheimer blieben gnadenlos, der starke Bjarte Myrhol erhöhte per Rückhandtreffer vom Kreis auf 32:23 (50.), die Partie war längst gelaufen. 

Doch die Gäste ließen nicht locker. Mit viel Kreativität, Spielwitz und Konsequenz setzten der Champions League-Teilnehmer nach. Den Wetzlarern gingen nun die Kräfte und, aufgrund des Fehlens von Balic, Fäth und Schmidt, auch die Alternativen aus. Letztlich quittierten die Gastgeber eine deutliche 27:37-Niederlage. Wie angemessen dieser Löwen-Sieg war, zeigte sich nicht zuletzt durch die Reaktionen des tollen und fairen Wetzlarer Publikums, die den Handballnachmittag genossen und auch die zahlreichen gelungenen Aktionen des Wetzlarer Gegners mit Applaus bedachten. 

Auf die HSG Wetzlar kommt mit dem letzten Spiel des Jahres 2013 in Nettelstedt eine weitere sehr schwere Aufgabe zu. Trainer Kai Wandschneider hofft dabei zumindest wieder auf Ivano Balic zurückgreifen zu können. Beim Blick auf das Auftaktprogramm im Februar, wären Punkte in Ostwestfalen ein nachträgliches Weihnachtsgeschenk für alle Grün-Weißen.

Stenogramm:

HSG Wetzlar: Dahl, Wolff; Prieto, Tiedtke (1), Rompf (3), Weber (3),  Tönnesen (4/1), Reichmann (7/6), Laudt (4), Kraft, Hahn (1), Bliznac (3), Harmandic (1), Klesniks.

Rhein Neckar Löwen: Stojanovic, Landin; Schmid (4), Gensheimer (10/1), Sesum (1), Manojlovic, Gorbok (1), Prodanovic, Myrhol (7), Groetzki (5), Guardiola (2), Petersson (4), Ekdahl du Riez (3), Sigurmannsson.

Schiedsrichter: Fleisch / Rieber (HV Württemberg) – Zuschauer: 4.412 (ausverkauft) – Zeitstrafen: 2:6 Minuten (Prieto/2x Manjolevic, Gensheimer) – Strafwürfe: 7:7 / 1:1 

Guðmundur Guðmundsson (Trainer Rhein-Neckar Löwen): "Wir haben heute ein Feuerwerk im Angriff abgeschossen. 85 Prozent Effektivität ist eine sensationelle Quote und das wohl beste Spiel hier seit Beginn meiner Amtszeit. Das war schon sehr, sehr stark und macht mich stolz. In der Abwehr war es etwas wechselhaft. Wir haben gut begonnen und sind gut in die Konter gekommen. Dann hat Wetzlar besser agiert und wir hatten Abstimmungsprobleme, da mussten wir etwas verändern. Das haben wir dann in der zweiten Halbzeit getan und sind wieder besser gestanden. Ich denke, 17 Gegenstoßtreffer zeigen dies, das ist sehr viel. Ich bin jetzt glücklich und freue mich. Es war eine sehr tolle Stimmung und Atmosphäre und wir wussten, dass es nicht einfach würde, hier in Wetzlar zu gewinnen, von daher bin ich sehr zufrieden."

Thorsten Storm (Geschäftsführer Rhein-Neckar Löwen): "Ich mache es kurz: ich wünsche allen eine frohe Weihnacht und alles Gute. Auch ich bin sehr froh, dass wir heute hier gewonnen haben und sehr beeindruckt über diese Art und Weise. Wir haben eine sehr anstrengende Zeit mit vielen Terminen hinter uns und wer mal auf der Karte schaut, der weiß, wo unsere Jungs in den vergangenen Wochen überall waren. Die Verantwortlichen der Ligen sollten diese Reisen mal einfach nachmachen, um zu sehen, wie kräftezehrend das ist. Insofern macht mich unser Auftritt heute sehr stolz. Unser Trainer hat es ja auch schon gesagt, hier gewinnt man nicht einfach mal so im Vorbeigehen."

Kai Wandschneider (Trainer HSG Wetzlar): "Ich gratuliere den Gästen zu diesem Sieg und dem tollen Spiel. Guðmundur Guðmundsson hat das schon sehr exakt analysiert, wie ich finde. Für uns war dies heute teilweise eine Lehrvorführung an Tempo, Pass- und Ballsicherheit. Ein Riesenkompliment hat sich zudem Bjarte Myrhol verdient, der war nicht nur sportlich einmal mehr Weltklasse, sondern, wie er mit der fairen Geste gegenüber der Schiedsrichter die Zeitstrafe von Florian Laudt verhindert, das zeugt von Größe und Charakter. Ich mache unserem Team heute keinen Vorwurf. Wir haben gekämpft, alles versucht und die Löwen wussten immer eine Antwort. Auch ein Kompliment an Tobias Reichmann, der alle Strafwürfe verwandeln konnte, was für uns heute sehr wichtig war. Die Achse Florian Laudt und Sebastian Weber hat mich heute ebenso überzeugt. Wir haben eine sensationelle Löwenmannschaft gesehen. Zwar sind wir noch einmal auf 20:22 herangekommen, aber nur durch eine doppelte Überzahl. So deutlich wie danach habe ich noch nie einen Klassenunterschied zu einem unserer Gegner gesehen. Die Löwen waren sofort wieder da und haben die alten Verhältnisse wieder hergestellt. Da zeigt sich die Erfahrung und Klasse der Gäste, sie kennen die Mechanismen und die Herausforderungen der Weihnachtszeit mit so vielen Spielen, können sich aber trotzdem zu solchen Leistungen aufraffen. Einen besonderen Dank möchte ich auch heute wieder an unser fantastisches Publikum richten. Selbst die Gäste haben das heute gesagt, wie toll und fair unsere Fans sind, dafür Danke. Ich wünsche allen eine besinnliche Weihnacht und alles Gute."

Arno Jung (Teammanager HSG Wetzlar): "Das war heute allerfeinste Handball-Unterhaltung. Wir haben heute ein richtig tolles Spiel gesehen und tolle Stimmung von den Rängen. Das Spiel der Löwen war so gut und fesselnd, dass die Zuschauer einfach mitgefiebert haben und tolle Stimmung gemacht haben. Unter den bestehenden personellen Bedingungen muss man einfach sagen, hier war heute kaum mehr drin und selbst, wenn die fehlenden Spieler dabei gewesen wären, hätte es heute gegen diese Löwen wohl nicht gereicht. Die Saison geht nun in eine für uns ganz harte und wichtige Phase und vor dem Spiel am Donnerstag in Nettelstedt hoffen wir nunmehr auf ein wenig Regeneration und die Rückkehr der fehlenden Spieler. Auch ich wünsche allen ein frohes Fest und eine gute Zeit."