Salzer: "Das war ein gebrauchter Tag"

DKB Handball-Bundesliga created by webmaster@hsg-wetzlar.de (Wolfgang Fischer)

HSG Wetzlar ist in Magdeburg chancenlos, bei Karipidis und Prieto aber nicht

Vor dem Anpfiff unkte Manfred Thielmann noch: "Wenn wir hier etwas mitnehmen, dann können wir das Lachen nicht mehr halten." Zwei Stunden später war dem Aufsichtsratssprecher des Handball-Bundesligisten HSG Wetzlar nach Lachen nicht zumute. Die Grün-Weißen waren am Dienstagabend beim SC Magdeburg chancenlos und durften noch glücklich sein, dass sich die Niederlage mit 25:31 im Rahmen hielt.

 

Denn die Mienen des HSG-Trosses verfinsterten sich nicht erst nach dem Ende der Partie. Schon nach acht Minuten faltete Wetzlars Trainer Gennadij Chalepo seine Mannschaft in einer Auszeit ungewohnt heftig zusammen. 2:7 lagen die Gäste zurück. Zur Pause war die Partie beim Stand von 10:18 bereits gelaufen. "Einstellung und Kampf haben in der ersten Halbzeit gefehlt", monierte Chalepo. "Es war ein gebrauchter Tag", sagte Mittelmann Timo Salzer, dem wie vielen seiner Mitspieler fast nichts gelang.

Dass mit Philipp Müller einer der wichtigen Stützen des Tabellenzwölften wegen eines Magen-Darm-Infekts arg geschwächt war, wollte Chalepo nicht unerwähnt lassen, es aber als Entschuldigung nicht akzeptieren. Denn auch die Gastgeber hatten personelle Sorgen und gingen "teilweise auf dem Zahnfleisch", wie ihr Coach Frank Carstens anmerkte. Ohne Kapitän Fabian van Olphen (Kreuzbandriss) und Linkshänder Jure Natek (Leisten-OP) ging der Matchplan des Champions-League-Siegers von 2002 aber dennoch voll auf. "Wir wollten keine Diskussionen aufkommen lassen und von Beginn an dominieren", sagte Carstens, der als Co-Trainer der deutschen Nationalmannschaft gestern mit der Vorbereitung auf die am 15. Januar beginnende EM in Serbien startete.

Nach dem 15:24 (41.) steuerten die Gäste vor 7007 begeisterten Zuschauern einem Debakel entgegen, ehe die Magdeburger zum Schaulaufen ansetzten, bei dem die Wetzlarer das Ergebnis erträglicher gestalten konnten. "Die zweite Hälfte müssen wir als Erinnerung mitnehmen, dass wir mithalten können", sagte Chalepo, der froh ist, dass nun erst einmal bis zum Trainingsstart am 10. Januar EM-Pause ist. Zumindest für das Team.

Für Manfred Thielmann beginnt nun die heiße Phase. Bis Mitte Januar will der Aufsichtsratssprecher den Kader für die kommende Saison beisammen haben. Und der soll ein neues Gesicht haben, wie der 52-Jährige in Magdeburg nochmals betonte. Dem Vernehmen nach buhlt der Geschäftsführer von Gimmler-Reisen heftig um Rechtsaußen Savas Karipidis und den spanischen Kreisläufer Carlos Prieto.

Schubert oder Schiller für links?

Karipidis, der von 2005 bis 2007 bereits bei der HSG Wetzlar spielte, fühlt sich in Melsungen angeblich unwohl und ist trotz Vertrages bis 2013 wechselwillig. Der Nationalspieler Prieto, derzeit beim slowenischen Spitzenclub RK Celje aktiv, ist den Grün-Weißen angeboten worden und würde ins Gehaltsgefüge der HSG passen. Im Gegensatz zu Jens Tiedtke, den Thielmann zwar erneut als "hochinteressanten Mann" einstufte, doch in ersten Verhandlungen lagen beide Seiten noch zu weit auseinander.

Offen ist weiterhin, ob von den derzeitigen Kreisläufern Giorgos Chalkidis und Kari Kristjan Kristjansson, deren Verträge auslaufen, einer eine Zukunft bei den Wetzlarern hat. Thielmann wird in diesen Tagen das Gespräch mit beiden suchen. Kristjansson machte auch in Magdeburg mit sieben Toren (davon vier Siebenmeter) nachdrücklich auf sich aufmerksam, doch die Verantwortlichen haben nicht vergessen, dass der Isländer beispielsweise mit mehreren Kilo Übergewicht aus der Sommerpause kam. Die HSG sucht aber nicht nur neue Spieler am Kreis und für den rechten Flügel, sondern auch für die linke Seite, wo am Dienstagabend Christian Rompf den grippegeschwächten Kevin Schmidt einmal mehr nicht adäquat ersetzen konnte. Ins Blickfeld sind die talentierten Marcel Schiller (TV Neuhausen) und Maximilian Schubert (Frisch Auf Göppingen) gerückt.

Eine Personalie hat sich dagegen erledigt. Adnan Harmandic, der zuletzt mit Göppingen in Verbindung gebracht wurde, bleibt definitiv über das Saisonende hinaus in der Domstadt, was im Gegenzug das Aus für Timo Salzer bedeuten könnte. Bezeichnenderweise hat Thielmann ein Gespräch mit dem ehemaligen Nationalspieler, dessen Kontrakt ebenfalls im Sommer ausläuft, ganz ans Ende seiner Prioritätenliste geschoben.