Salzer gibt den Takt vor

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Wetzlar gewinnt Derby in Gießen gegen Hüttenberg mit 26:22

"Auf gehts, TV Hüttenberg, kämpfen und siegen." So lief es über 60 Minuten in roten Lettern über die Anzeigetafel in der Gießener Sporthalle Ost. Gekämpft hatte der Aufsteiger der Handball-Bundesliga im mit Spannung erwarteten Mittelhessen-Derby gegen die HSG Wetzlar bis zum Umfallen. Aber der Sieg ging am Ende mit 26:22 (13:11) an die Gäste - absolut verdient, denn in den entscheidenden Situationen wirkten die Grün-Weißen ballsicherer und abgezockter.

 

Trotz des letztlich relativ klaren Resultats bekamen die 2900 Zuschauer ein Nachbarschaftsduell serviert, dem es an nichts fehlte. Hier ein leidenschaftlich fightender TV Hüttenberg, der nie aufgab. Dort eine HSG Wetzlar, die - genauso motiviert bis in die Haarspitzen - mit ihrer Routine und einem toll aufspielenden Timo Salzer an der Spitze auch das zweite Derby der laufenden Runde für sich entschied. "Es freut mich sehr, dass die Mannschaft nach den letzten schweren Tagen eine positive Reaktion gesagt hat. Das war ein wichtiger Sieg. Ich bin richtig stolz auf die Jungs", sagte HSG-Geschäftsführer Björn Seipp.

Die ersten Duftmarken in einer stimmungsvollen Atmosphäre setzten die beiden Torhüter. HSG-Keeper Nikolai Weber parierte in der dritten Minute einen Siebenmeter von Timm Schneider. Auf der anderen Seite hatte Jan-Steffen Redwitz, der überraschend im Kasten der Hüttenberger begann (Milos Putera hatte sich im Abschlusstraining eine Ellbogenverletzung zugezogen und saß hinter der Bank), in der Startphase drei Mal die Hand am Ball und war maßgeblich daran beteiligt, dass der Aufsteiger nicht höher als 2:4 (Kevin Schmidt, 12.) zurücklag. Florian Billek brachte die Emotionen, die er und seine Teamkollegen von der ersten Sekunde an mit aufs Feld der Osthalle nahmen, für alle sichtbar zum Ausdruck, als er zum 4:4 einnetzte und danach mit hoch erhobenen Armen in die Abwehr zurückspurtete.

Drei blitzsaubere Rückraumtore von Florian Laudt ärgerten die HSG (die ebenso wie der Derbygegner den Blondschopf gerne für die nächste Saison an sich binden will) und bedeuteten sogar die 7:5-Führung für den Tabellenvorletzten. Auf den Rängen stieg der Lärmpegel, zumal der TVH diesen Vorsprung bis zum 10:8 (24.) durch Matthias Gerlichs Rückraumknaller erfolgreich verteidigte. Die Wetzlarer, die ohne den auch nicht in der Halle weilenden Neuzugang Andrej Klimovets (siehe nebenstehender Artikel) aufliefen, wirkten trotz aller heißen Zweikämpfe cool und abgeklärt. Und sie besaßen in Timo Salzer einen cleveren Spielmacher, der die offensive 3:2:1-Deckung der Gastgeber mehr und mehr aus den Angeln hob. Der Kapitän, um den es in dieser Woche wegen seines Abschieds am Saisonende aus Mittelhessen in Richtung SG BBM Bietigheim nicht gerade ruhig gewesen war, führte gekonnt Regie, setzte sich immer wieder an den Kreis ab und riss Lücken sowie seine Nebenleute regelrecht mit.

TVH gibt zwar nie auf, aber am Ende setzt sich die cleverere HSG durch

Als schließlich auch Daniel Valo nach zwei Fahrkarten sein Wurfglück gefunden hatte, wendete sich das Blatt. Der Slowake sorgte per Doppelschlag dafür, dass die HSG ihrerseits beim 12:11 vorne lag - und Adnan Harmandic ließ mit Ablauf der Uhr einen Siebenmeter-Treffer zum 13:11 folgen.

Zehn Minuten waren im zweiten Durchgang absolviert, da lief der überragende Salzer nach einem Ballgewinn über das gesamte Feld und vollendete zum 19:12 für die Grün-Weißen. Die Entscheidung? Noch nicht. Aus dem 15:21 machten Gerlich per Siebenmeter sowie Andreas Lex und Billek jeweils per Tempogegenstoß innerhalb einer Minute ein 18:21.

Aber soviel die TVH-Fans auf der Tribüne die Entscheidungen der insgesamt souverän pfeifenden Schiedsrichter Colin Hartmann und Stefan Schneider auch anzweifelten. Soviel Einsatzwille das Team von Jan Gorr in die Waagschale warf. Das bessere Ende gehörte der HSG Wetzlar. Spätestens nach Niko Webers gehalten Strafwurf gegen Gerlich und dem fünften Tagestreffer von Salzer war der Drops gelutscht. Nach 60 Minuten jubelten der Wetzlarer Keeper und seine Vorderleute ihren Fans zu, denn sie hatten zwei weitere wichtige Punkte auf dem Weg zum Klassenerhalt gesammelt. "Wir haben taktisch klug gespielt und mit Kopf gewonnen", freute sich Trainer Gennadij Chalepo nach dem 26:22-Erfolg. Sein Hüttenberger Kollege Jan Gorr gestand derweil ein: "Am Ende ist es so gekommen, wie viele es erwartet haben. Und zu Recht. Wetzlar war heute besser. Meine Mannschaft dagegen hat nicht so gespielt, wie sie es kann." Für den TV Hüttenberg bleibt das Motto: Weiter kämpfen - und bald auch siegen. Sonst ist das Abenteuer erste Liga nach einem Jahr jäh beendet.

Hüttenberg: Redwitz, Ritschel (ab 43.) - Gerlich (6/4), Andreas Lex (2), Laudt (4), Sebastian Weber (2), Stefan Lex (2), Scholz, Fernandes, Schneider (2), Billek (3), Pausch (1), Stock

Wetzlar: Nikolai Weber, Marinovic (n.e.) - Schmidt (3), Rompf (n.e.), Salzer (5), Valo (4), Mraz, Müller, Chalkidis, Fäth, Hahn (3), Harmandic (7/6), Friedrich (n.e.), Kristjansson (4)

Schiedsrichter: Hartmann/ Schneider (Magdeburg/Barleben)
Zuschauer: 2900 (in Gießen)
Zeitstrafen: Hüttenberg vier (Stefan Lex, Scholz, Schneider zwei), Wetzlar vier (Müller, Kristjansson, Chalkidis zwei)
verworfene Siebenmeter: Schneider (Hüttenberg) scheitert an Nikolai Weber (3.), Gerlich (Hüttenberg) scheitert an Nikolai Weber (54.)

Volkmar Schäfer