Schwache Angriffsleistung lässt Träume vom Derbysieg platzen!

DKB Handball-Bundesliga

HSG Wetzlar unterliegt MT Melsungen verdient mit 25:30 - 4132 Zuschauer bilden tolle Derbykulisse

Ein emotionales und intensives Derby erlebten 4132 Zuschauer am Sonntag in der Wetzlarer RITTAL Arena zwischen der HSG Wetzlar und der MT Melsungen.  Am Ende hatten die Bartenwetzer aus Melsungen mit 30:25 (13:10) das bessere Ende für sich, was letztlich an einer deutlich besseren Chancenverwertung der Gäste und der recht mageren Ausbeute der HSG-Angreifer auf der anderen Seite lag. Die HSG Wetzlar versäumte es indes mit den zahlreichen Fans im Rücken und der großen Motivation mit einem Derbysieg Anschluss ans Mittelfeld herzustellen.

Von Beginn an merkte man beiden Teams an, dass sie bis in die Haarspitzen motiviert und gewillt waren, das Spiel für sich zu entscheiden. Mit einer guten und intensiven Deckungsleistung beider Abwehrreihen waren es jedoch die Bartenwetzer, die, aufgrund einer deutlich effektiveren Angriffsleistung mit 4:1 (9.) durch Fahlgren in Führung gingen. Auch die harte Gangart einiger Melsunger Akteure und die daraus resultierende zweite Zeitstrafe gegen den Ex-Wetzlarer Michael Müller bereits nach 14 Minuten brachte zusätzliche Unruhe ins Spiel. Doch schien dies die Wetzlarer mehr zu beeindrucken, als die Gäste. Aber nicht nur, dass die HSG es versäumte gute Chancen heraus zu arbeiten, sich auf sich zu besinnen und geduldig auf die beste Chance zu warten, nein, die Grün Weißen leisteten sich zudem noch den „Luxus“ und scheiterten gleich dreimal bis zur 14. Minute vom Siebenmeterstrich am glänzend aufgelegten Appelgren im Melsunger Gehäuse. Doch die Wandschneider Sieben ließen sich trotz allem nicht beirren und fanden langsam zu ihrem Spiel. Als Kevin Schmidt, nach langer Verletzungspause erstmals wieder im Aufgebot, beim 5:6 (17.) den ersten Strafwurf für seine Farben verwerten konnte schien die Partie wieder offen. Doch Melsungen legte nach und nutzte die leichten Fehler der HSG-Angreifer eiskalt und so war es Allendorf mit seinem fünften Strafwurf der beim 11:6 (24.) seine Farben deutlich in Front bringen konnte. Wandschneider reagierte, beorderte Laudt auf die Spielmacherposition und Kent Robin Tönnesen in den rechten Rückraum, was das Angriffsspiel der Gastgeber ein wenig belebte und so mit dem Treffer zum 10:13 (30.) durch Laudt belohnt wurde. 

Mit diesem Ergebnis wurden dann auch die Seiten gewechselt und die HSG startete besser in den zweiten Durchgang. Tönnesen markierte das 11:13 (31.) und die Halle tobte. Doch die Gastgeber schienen noch immer nicht erwacht, den schon drei Minuten später erzielte Danner das 15:11 für seine Farben und so richtig wollte da schon niemand an eine Wende zu Gunsten der Hausherren glauben. Doch diese mühten sich du ackerten, Kai Wandschneider probierte einiges aus, ohne, dass jedoch eine Maßnahme so richtig fruchten wollte. Zwischen der 43. und 45. Minute erweckten die Treffer von Kristian Bliznac noch einmal Hoffnung, als dieser zum 19:22 traf. Und dies, obwohl die HSG aufgrund einer Undiszipliniertheit von Kevin Schmidt vier Minuten in Unterzahl agieren musste. Dass er mit seiner Mannschaft überhaupt zu dieser Zeit noch einmal in Schlagweite war, war nicht zuletzt auch ein Verdienst der Abwehr in Verbindung mit den stark haltenden Keepern Hombrados und Wolff im Wetzlarer Gehäuse. Doch die Kraft schien nicht zu reichen um weiter dagegen zu halten und so distanzierten die Gäste die HSG beim 26:21 (50.) wieder deutlich. 

Melsungen hätte schon jetzt den Sack zu machen können, doch auch die Roth-Sieben erlaubten sich einige Unkonzentriertheiten, welche den Wetzlarern erneut den Anschluss zum 24:27 (54.) durch Tönnesen ermöglichten. Letztlich allerdings waren es auch jetzt wieder einfache Fehler, schlecht vorbereitete Angriffsaktionen und zweimal Holztreffer, die es den Grün-Weißen verwehrten, wenigstens einen Punkt mitzunehmen. Das am Ende ein deutliches 30:25 für die Gäste zu Buche stand, war nicht nur verdient, sondern die Wetzlarer auch gut bedient. 

HSG Wetzlar: Wolff, Hombrados; Schmidt (1/1), Tiedtke (4), Rompf, Weber, Tönnesen (6), Reichmann (3),  Laudt (2) Fäth (1), Hahn, Bliznac (5), Balic (1), Klesniks (2).

MT Melsungen: Appelgren, Sandström; Stenbäcken (1),Mansson (2), Sellin (3), Kubes, Fahlgren (5), Schröder, Hildebrand, Danner (3), P. Müller (2), Zufelde, Allendorf (10/8), M. Müller (4)

Schiedsrichter: ​Brodbeck / Reich (TuS Metzingen) –Zuschauer: 4132 – Zeitstrafen: 8:10 Minuten (HSG:Schmidt 2,Weber, Tönnesen, - MT: M.Müller 2, Schröder 2Kubes ) – Strafwürfe: 4:1 / 8:8 (Tönnesen (5.), Reichman (8.), Tiedtke (14.) und Schmidt (32.) scheitern an Appelgren)

Stimmen zum Spiel:

Kai Wandschneider (Trainer HSG Wetzlar): Unsere Abwehr hat heute gut funktioniert und auch die Torhüterleistungen waren in Ordnung. Im Angriff haben wir einfach zu viele Chancen liegengelassen. Insbesondere vier Strafwürfe sind mit dafür verantwortlich, dass die Hypothek des Rückstandes früh sehr hoch war. Melsungen hat heute wieder gezeigt, dass es einfach eine Handballmaschine ist und mit Patrik Fahlgren aber auch Michi Müller zwei hochintelligente Spielgestalter hatte. Bei uns waren es daher die vielen kleinen Fehler, die am Ende den Unterschied ausgemacht haben. Danke auch an unser Publikum, die sehr intelligent sind und uns immer versucht haben zu helfen, leider ist es uns nicht gelungen den Funken von der Platte aus noch überspringen zu lassen. Gegen solcheMelsunger haten wir heute über die gesamten 60 Minuten einfach keine Chance und waren mit den fünf Toren Differenz noch gut bedient.

Arno Jung (Team-Manger HSG Wetzlar): Man hatte heute nie das Gefühl, dass wir irgendwann Zugriff auf das Spiel bekommen können. Wir haben einfach nie zu einem guten Spiel gefunden und zu schwach agiert. Es hat sich gezeigt, dass die nervliche Situation bei vielen im Team sehr angespannt ist, was bei der derzeitigen Tabellensituation normal ist. Es gilt aber nun, weiter konzentriert zu arbeiten, damit wir die kommenden Spiele in Balingen und zu Hause gegen Eisenach wieder erfolgreicher gestalten können. Besonders Bliznac undTönnesen haben mit ihrer Leistung heute Hoffnung auf diese Spiele gemacht.

Florian Laudt (HSG Wetzlar): Während die Melsunger eine absolute Toptorquote hatten und sehr effektiv m Angriff waren, haben wir einfach viel zu viele Dinger liegen gelassen.

Michael Roth (Trainer MT Melsungen): Das war heute ein Start-Ziel-Sieg meiner Mannschaft über den ich sehr froh bin und der aufgrund einer deutlich verbesserten Abwehrleistung als zuletzt zu Stande gekommen ist. Wir konnten eine gesamte Woche konzentriert arbeiten und haben das auch mit dem Schwerpunkt Deckung getan, das hat sich ausgezahlt. Hinzu kommt aber auch eine sehr umsichtige und geniale Spiellenkung durch Patrik Fahlgren und eine tolle kämpferische Leistung aller. Ich bin sehr froh, dass es am Ende nicht noch einmal eng geworden ist, wir hatten da einige Nachlässigkeiten und das kann in Wetzlar immer schief gehen. Zum Glück haben wir auch die Aufgabe mit der 3:3 Deckung gut gelöst und können nun beruhigt auf die kommende Partie schauen und hoffen, dass Nenad Vuckovic dann gegebenenfalls schon wieder mit dabei sein kann.

Axel Geerken (Vorstand MT Melsungen): Wir sind heute sicher sehr zufrieden und ich fand es war eine tolle Atmosphäre. Anders als vielleicht im Vorfeld befürchtet, war es sehr sportlich und ganz ohne Anfeindungen. So soll es im Sport sein und wir alle sollten froh sein, zwei so tolle Teams in Hessen zu haben. Daswir heute Sieger sind freut mich umso mehr und wir fahren daher glücklich nach Hause.

Michael Müller (MT Melsungen):  In letzter Zeit war die Abwehr unser großes Problem, das haben wir heute, dank intensiver Arbeit unter der Woche, in den Griff bekommen. Dadurch und durch die gute Angriffsleistung haben wir die Wetzlarer deutlich unter dreißig Treffern halten können, diese Steigerung der Defensivleistung war heute ganz wichtig.