"Schwerer als in Hamburg"

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Partie gegen Gummersbach ist für Wetzlar "das Spiel des Jahres"

"Ich weiß, dieser Satz wird oft gebraucht", schickt Geschäftsführer Björn Seipp voraus, um dann fortzuführen: "Das ist das wichtigste Spiel des Jahres." Gemeint ist die Handball-Bundesliga-Partie heute Abend (Anwurf: 20.15 Uhr) zwischen der HSG Wetzlar und dem VfL Gummersbach. Mit einem Sieg könnten die Grün-Weißen völlig entspannt Weihnachten feiern.

 

Denn dann hätte die HSG ein Polster von sechs Punkten zwischen sich und dem Altmeister aus dem Oberbergischen gelegt und damit im Abstiegskampf gute Karten. Im Gegensatz zu den Gummersbachern, die sich in einer Horrorsaison befinden und als Drittletzter bislang überhaupt nicht in die Gänge gekommen sind.

Drei Saisonerfolge (zu Hause gegen Großwallstadt und Hüttenberg sowie in Hildesheim) und zwei Unentschieden (Füchse Berlin und Hannover-Burgdorf) - so lautet die traurige Bilanz des amtierenden EHF-Pokalsiegers, der sich vor drei Wochen von seinem Coach Sead Hasanefendic getrennt hat.

Den Job hat dessen langjähriger Assistent Emir Kurtagic übernommen, ehe der Bosnier am Saisonende dem Hüttenberger Jan Gorr Platz machen muss. Kurtagic, mit 31 Jahren jüngster Coach der Bundesliga, sieht, dass "wir im Training richtig gut arbeiten", bemängelt aber die bisherige Punktausbeute: "Ein Zähler aus meinen drei Spielen ist zu wenig."

Das Unentschieden gegen Hannover-Burgdorf am vergangenen Sonntag bildete aber trotzdem den Abschluss einer "relativ guten Woche". Das befindet zumindest Axel Geerken, der frühere Geschäftsführer der Wetzlarer und in gleicher Funktion seit Februar 2010 in Gummersbach tätig. Der ehemalige HSG-Torwart zählt als Beleg die über 45 Minuten gute Leistung beim 27:35 gegen die Rhein-Neckar Löwen, das Weiterkommen im Pokal-Achtelfinale beim Zweitligisten HSG Nordhorn-Lingen (28:25) und eben das 33:33-Remis gegen Burgdorf auf, das allerdings nach einem Sechs-Tore-Rückstand in der 52. Minute nur durch einen Kraftakt in der Schlussphase gesichert wurde. Mann des Spiels war Kentin Mahé, der neben Nationalspieler Adrian Pfahl größte Hoffnungsträger des VfL.

Mit einem Sieg gegen den kriselnden VfL kann sich die HSG Luft verschaffen

Als einen der "talentiertesten Spieler weltweit", bewertet der Bosnier Kurtagic seinen französischen Mittelmann, vor dem auch Wetzlars Trainer Gennadij Chalepo Respekt hat. Generell warnt der gebürtige Weißrusse davor, die Gummersbacher zu unterschätzen. "Sie haben gute Spieler in ihren Reihen", sagt Chalepo. Neben Mahé und Linkshänder Pfahl denkt der 42-Jährige an den kroatischen Rechtsaußen Vedran Zrnic, den im Sommer zum THW Kiel wechselnden Kreisläufer Patrick Wiencek und an den ungarischen Halblinken Barna Putics. Außerdem erinnert er an die "sehr aggressive Abwehr" des zwölffachen Deutschen Meisters.

"Die Aufgabe wird für uns schwerer als in Hamburg", unkt Chalepo. An der Elbe konnte seine Mannschaft befreit aufspielen und verpasste beim 24:25 eine Sensation nur knapp. Jetzt steht der Tabellenzwölfte aber unter Druck. "Das ist ein Vier-Punkte-Spiel", erklärt der HSG-Coach, der um die Einsätze von Giorgos Chalkidis (Zerrung im Oberschenkel) und Kevin Schmidt (krank) bangt. Alois Mraz fehlt nach seiner Finger-OP ohnehin. Bei den Gästen sind Christoph Schindler (Sprunggelenksprobleme) und Vedran Zrnic (Zerrung) angeschlagen, werden aber auflaufen.

Die Wetzlarer können heute Abend einmal mehr auf die Unterstützung ihrer Fans bauen. Sämtliche Sitzplatzkarten sind verkauft, an der Abendkasse gibt es ab 18.45 Uhr noch Stehplatztickets. Die treuen Anhänger wissen: Das wichtigste Spiel des Jahres steht an.

Arne Wohlfarth