„Sind ruhig geblieben und haben zielorientiert gearbeitet!“

DKB Handball-Bundesliga

Björn Seipp, Geschäftsführer der HSG Wetzlar, zieht im Interview eine erste Zwischenbilanz

Seit mittlerweile 16 Jahren ist die HSG Wetzlar ein fester Bestandteil des Oberhauses im deutschen Handball, doch so ereignisreich wie die laufende Spielzeit, begann wohl keine in Mittelhessen. Nach dem Ende der vergangenen Saison und dem besten Abschneiden in ihrer Erstligageschichten (Tabellenplatz 7) mussten die Grün-Weißen etliche Abgänge und Verletzte verkraften und viel Zeit, Herzblut und Knowhow in das Formen einer neuen, schlagkräftigen Mannschaft investieren. Heute, kurz vor dem Ende der Hinrunde in der DKB Handball-Bundesliga, steht die HSG Wetzlar auf Platz 10 der Tabelle. Zeit für HSG-Geschäftsführer Björn Seipp mit dem Mediendienst des Clubs eine erste, vorsichtige Zwischenbilanz zu ziehen.

Mit 14 Pluspunkten steht die HSG Wetzlar aktuell im Mittelfeld der Tabelle! Wie zufrieden sind Sie mit dem bisherigen Abschneiden Ihrer Mannschaft?

Seipp: „Stand heute sind wir sehr zufrieden, denn wenn man betrachtet unter welchen Voraussetzungen wir in die Saison gestartet sind, dann konnte man dies nicht unbedingt erwarten!“

Sie sprechen auf den personellen Umbruch an?

Seipp: „Ja, natürlich und das enorme Verletzungspech, dass uns in der Vorbereitung und zu Saisonbeginn verfolgt hat. Auf die herausragende letzte Saison folgte der Abgang wichtiger Spieler, so dass wir bereits mit sieben Neuzugängen in die Vorbereitung gestartet sind. Nach den Hiobsbotschaften, die uns dann durch die schweren Verletzungen unter anderem von Daniel Valo, Adnan Harmandic und Magnus Dahl erreichten, waren wir gezwungen noch einmal zu reagieren, um unsere sportlichen Ziele, nämlich frühzeitig den Klassenerhalt verbuchen zu können, nicht zu gefährden. Letztlich spielen wir nunmehr mit zehn neuen Spielern im Vergleich zur Vorsaison - zum Teil sind diese erst 22 oder 23 Jahre alt und Frischlinge in der DKB Handball-Bundesliga - da braucht es Zeit, bis sich alle zusammenfinden, sportlich und menschlich akklimatisiert haben und als Team funktionieren." 

Ihr Trainer Kai Wandschneider sagte einmal, dass Ihr Team durch die mächtigen personellen Veränderungen quasi der „vierte Aufsteiger der Liga“ sei!

Seipp: „Sportlich könnte man das fast so sehen, infrastrukturell und wirtschaftlich allerdings nicht. Auch das sind mitentscheidende Faktoren, die uns sicherlich von Liganeulingen unterscheiden, sieht man vielleicht mal vom Bergischen HC ab. Aktuell können wir aber sagen, dass unsere Trainer einen exzellenten Job gemacht, die Spieler den Umbruch sehr gut gemeistert und sich toll zusammengefunden haben! Wichtig war dabei sicherlich auch, dass wir zu Saisonbeginn, als die Ergebnisse nicht so richtig gepasst haben, ruhig geblieben sind und weiter zielorientiert gearbeitet haben. Auch Sponsoren, Fans und die Öffentlichkeit haben besonnen und geduldig reagiert, was nach einer erfolgreichen Spielzeit wie der abgelaufenen, keine Selbstverständlichkeit ist.“

Aus den letzten neun Pflichtspielen hat Ihr Team 11:5-Punkte in der Liga geholt und ist im DHB-Pokal ins Achtelfinale eingezogen! Lässt Sie das beruhigter schlafen? 

Seipp: „Ich schlafe fast immer ruhig, aber natürlich waren das wichtige Ergebnisse zur richtigen Zeit, denn Mitte Oktober hatten wir aus den vorgenannten Gründen gerade einmal drei Pluspunkte auf dem Konto und unter anderem wichtige Heimspiele gegen Lemgo und den BHC verloren. Diese Niederlagen hat das Team in den vergangenen Wochen, unter anderem durch Siege in Balingen und Magdeburg sowie den Heimerfolg gegen Hannover, kompensiert und in dieser Zeit unter Beweis gestellt, zu welchen Leistungen es in der Lage ist. Wichtig war natürlich auch, dass die Jungs dem Druck in den sogenannten Muss-Spielen zu Hause gegen Eisenach und Emsdetten Stand gehalten und diese gewonnen haben. Mit 14 Punkten auf der Habenseite können wir heute, wie gesagt, sehr zufrieden sein, aber uns keinesfalls zurücklehnen. Dafür ist die Liga in diesem Jahr einfach zu ausgeglichen – auch im unteren Tabellendrittel.“

Mit welchen Zielen geht die HSG Wetzlar in die verbleibenden Wochen bis zum Jahreswechsel?

Seipp: „Natürlich mit dem Ehrgeiz, jedes der kommenden Pflichtspiele zu gewinnen! Wir haben allerdings einen extrem harten Dezember vor uns, mit drei Auswärtsaufgaben in der Liga bei nur einem Heimspiel gegen die Rhein-Neckar Löwen. In Göppingen, Lemgo oder Lübbecke zu gewinnen ist enorm schwer, aber wir haben auch in dieser Saison bereits bewiesen, dass wir auch gegen den Druck in fremden Hallen bestehen können und gehen selbstbewusst an die Aufgaben ran. Im Heimspiel gegen den Champions League-Teilnehmer Rhein-Neckar Löwen wartet dann kurz vor dem Weihnachtsfest noch ein besonders ‚dicker Brocken‘ auf uns. Ich wäre froh, wenn wir in der Liga mit 16 Pluspunkten überwintern könnten und auch noch im DHB-Pokal vertreten sind, aber auch das Achtelfinale muss gegen Balingen erst einmal gewonnen werden. Für unsere Mannschaft heißt es jetzt noch einmal alle Kräfte zu mobilisieren und wie in den vergangenen Wochen gemeinsam ‚am Kabel zu ziehen‘, dann denke ich, dass wir an Silvester auf ein erfolgreiches Jahr 2013 zurückblicken können!“

Das letzte Heimspiel gegen die Löwen ist bereits seit Wochen ausverkauft! Über einen Zuschauerrückgang, wie er in einigen anderen Hallen zu verzeichnen ist, braucht sich die HSG Wetzlar nicht beschweren.

Seipp: „Nein, die Nachfrage nach Tickets für unsere Heimspiele ist wirklich enorm. Wir haben es in dieser Saison sogar noch einmal geschafft, den tollen Zuschauerschnitt der abgelaufenen Saison leicht zu steigern. Regelmäßig feuern uns über 4.000 Fans von den Tribünen der Rittal Arena an, das entspricht einer Auslastung von über 90 Prozent. Das riesige Interesse ist sensationell und das Öl für den Motor unseres Clubs. Unsere Arbeit hier ist immer sehr zuschauerorientiert und das, gepaart mit dem Auftreten unserer Mannschaft, kommt offensichtlich an.“