"Smöre" ärgert Ex-Kollegen

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HSG Wetzlar beim 26:29 gegen Füchse Berlin der Sensation nahe

Die Sensation ist ausgeblieben. Trotz einer tollen Leistung reichte es für Handball-Bundesligist HSG Wetzlar gestern Abend im Heimspiel gegen die Füchse Berlin nicht zu zwei Punkten. Die Grün-Weißen unterlagen mit 26:29 (15:18).

Video (Quelle: mittelhessen.de) => Niko Weber
Video (Quelle: mittelhessen.de) => Lars Friedrich
Video (Quelle: mittelhessen.de) => "Smöre" Christophersen
Video (Quelle: mittelhessen.de) => Pressekonferenz

Wirbel um Timo Salzer, Presseboykott, Rücktritt von Aufsichtsratssprecher Manfred Thielmann und die Aberkennung des 26:25-Sieges gegen Frisch Auf Göppingen wegen der zwei Spielerpässe von Neuzugang Andrej Klimovets: Die HSG hat äußerst turbulente Tage hinter sich. Doch die grün-weißen Akteure ließen sich die Hektik und Diskussionen im und um den Verein herum - wie schon beim Derbyerfolg am Freitag gegen den TV Hüttenberg (26:22) - nicht anmerken. Von Beginn an boten sie dem Favoriten aus der Bundeshauptstadt Paroli und zeigten ein großes Kämpferherz. "Wir können erhobenen Hauptes vom Feld gehen. Ein Punkt war für uns dringewesen", meinte Torhüter Nikolai Weber.

"Wir dürfen uns nicht überraschen lassen", gab Berlins Trainer Dagur Sigurdsson seinen Spielern vor der Partie mit auf den Weg. Doch die schienen die Warnung zunächst nicht ganz ernst genommen haben. Denn der Tabellenzweite, der am Samstag das entscheidende Champions-League-Gruppenspiel gegen Bjerringbro-Silkeborg zu bestreiten hat, erlaubte sich gerade in den ersten 20 Minuten einige Unkonzentriertheiten, die die furchtlosen Hausherren gnadenlos ausnutzten.

Erst traf Philipp Müller aus dem Rückraum, dann setzte Timo Salzer Akzente, ehe Adnan Harmandic im Zusammenspiel mit Kreisläufer Kari Kristjan Kristjansson glänzte und der einst als Jahrhunderttalent gepriesene Steffen Fäth aus der zweiten Reihe zeigte, was in ihm steckt. Aber trotz der guten Angriffsleistung reichte es nicht zu einer Pausenführung.

Ganz im Gegenteil: Wetzlar lag zwar zwischenzeitlich mit 8:7 (15.) vorne, nach 30 Minuten jedoch mit 15:18 zurück. Denn die Torhüter des Tabellenelften bekamen fast keine Hand an den Ball.

Gastgeber kämpfen sich in Halbzeit zwei vom 15:20 auf 23:24 heran

Immer wieder erzielten die Füchse aus dem Rückraum leichte Treffer und hatten ihrerseits mit Silvio Heinevetter einen Mann zwischen den Pfosten, der zwar nicht überragte, aber immer mal wieder eine hundertprozentige Chance zunichte machte. Zwischen der 23. und 28. Minute entschärfte er in Klassemanier gute Möglichkeiten von Kristjansson und Daniel Valo. Der exzentrische, deutsche Nationaltorwart, der sich zwischendurch auch mal kleinere Wortgefechte mit Gegenspielern, Schiedsrichtern oder dem Publikum lieferte, war der Garant für die Drei-Tore-Führung der Berliner beim Seitenwechsel.

Im zweiten Durchgang schien es so, als würde der Favorit kurzen Prozess machen. Johannes Sellin traf in der 34. Minute zum 20:15. Doch die HSG ließ sich nicht beirren. Als die schwachen Schiedsrichter Martin Harms und Jörg Mahlich einige seltsame Entscheidung zuungunsten der Hausherren trafen, kochte die Arena und beflügelte somit die Heimmannschaft. Die Folge: Peter Jungwirth verkürzte auf 23:24 (44.). Die Wetzlarer Spieler pushten sich, wollten die Sensation schaffen.

Doch ausgerechnet einer, der bis 2010 selbst noch das grün-weiße Trikot trug, machte diesem Vorhaben einen Strich durch die Rechnung: Sven-Sören Christophersen. "Wetzlar hat sich super reingekämpft. Aber unser Sieg war nicht nur Glück", sagte "Smöre", der traf, als seine Kollegen in der immer besser werdenden Deckung der Domstädter, hinter der sich auch Nikolai Weber steigerte, keine Lücke mehr fanden. So lagen die Füchse stets in Front. Zwar nur knapp, wie beim 27:26 (56.), doch als Ivan Nincevic mit einem frechen Heber vom Siebenmeterpunkt in der 59. Minute zum 28:26 traf, war die Entscheidung gefallen. Ein letzter Wurf von Steffen Fäth, der seltsamerweise fast die komplette zweite Hälfte auf der Bank schmorte, war sichere Beute von Heinevetter. Die Sensation blieb aus.

Wetzlar: Weber, Marinovic (24. bis 30.) - Schmidt (1), Salzer (4), Valo (1), Mraz, Müller (3), Chalkidis, Fäth (4), Hahn, Harmandic (3/2), Friedrich (3), Kristjansson (6), Jungwirth (1)

Berlin: Heinevetter, Kroll (n.e.) - Löffler, Laen (1), Spoljaric, Richwien (n.e.), Pevnov (2), Romero (2), Steinbäcken, Bult (5/1), Sellin (3), Jaszka (3), Nincevic (5/2), Christophersen (8)

Schiedsrichter: Harms/Mahlich (Magdeburg/Stendal)
Zuschauer: 3150
Zeitstrafen: Wetzlar eine (Valo), Berlin drei (Steinbäcken, Sellin, Bult)

Arne Wohlfarth (WNZ)