Starke HSG Wetzlar deklassiert Altmeister Gummersbach

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Gäste außer Rand und Band

Rechtzeitig zum Weihnachtsfest sorgte gestern Abend die HSG Wetzlar vor fast ausverkauftem Haus für eine tolle Bescherung. Im letzten Heimspiel vor der Handball-Europameisterschaft demontierten die Mittelhessen den VfL Gummersbach deutlicher als es das 35:27 (18:12)-Ergebnis aussagt. „Wir wollten unsere gute Leistung des Spiels in Hamburg bestätigen. Das ist uns heute eindrucksvoll gelungen“, strahlte ein hochzufriedener HSG-Kapitän Nikolai Weber nach der Begegnung und fügte hinzu: „Wir haben wie aus einem Guss gespielt und unseren Fans eine tolle Vorstellung gezeigt“.

 

Recht hatte er, der Wetzlarer Torhüter, der mit 19 Paraden zum überragenden Akteur auf dem Parkett avancierte und maßgeblich dazu beitrug, dass die Gastgeber den VfL Gummersbach streckenweise in Grund und Boden spielten.

Das, was der „Altmeister“ aus dem oberbergischen Land in der Rittal-Arena bot, spottete jeder Beschreibung. Von Bundesliga-Niveau war bei den Gummersbachern, die sich wie ein Absteiger präsentierten, nichts zu sehen. Man spielt aber auch nur so gut, wie es der Gegner zulässt. Und der Gegner hieß nun einmal gestern Abend HSG Wetzlar, die mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung die VfL-Defizite von Minute zu Minute immer deutlicher werden ließen.

Lediglich in der Anfangsviertelstunde hielten die Gummersbacher bis zum 9:7 mit. Danach gerieten sie immer deutlicher auf die Verliererstraße, weil technische Fehler im Angriff stets Ballverlust und Gegentor bedeuteten. Schon nach 19 Minuten musste VfL-Coach Emir Kurtagic seine Schützlinge zur Auszeitbesprechung bitten, doch es half nichts. Selbst eine offensivere Deckungsvariante mit zwei vorgezogenen Akteuren gegen Adnan Harmandic und Philipp Müller konnten den Wetzlarer Spielfluss nicht stoppen.

Die Lahnstädter steigerten sich, angetrieben durch hervorragende Paraden von Niko Weber, in einen Rausch. Allein vier Treffer markierten die Grün-Weißen im ersten Durchgang in Unterzahl gegen einen Kontrahenten, dem jegliche Spielkultur abhandengekommen schien. Der junge Kentin Mahé auf der Spielmacherposition war überfordert, die Rolle des Regisseurs auszufüllen, während im Angriff nur Linkshänder Adrian Pfahl so etwas wie Gefahr ausstrahlte. Es war schon peinlich, wie sich die Gäste ihrem Schicksal ergaben, denn nach dem 18:12-Pausenstand erhöhten die Wetzlarer auf 20:12 (Valo, 36.).

Jetzt musste der VfL-Trainer bereits nach acht Minuten seine Auszeit nehmen, weil sich bei dem Zwischenspurt der HSG zum 22:13 (Müller) ein Debakel andeutete. Erneut half aber die Dienstbesprechung der Gäste nicht, den Wetzlarer Sturmlauf zu stoppen. Beim 28:18 (Kristjansson, 46.) war der Zehn-Tore-Vorsprung erreicht. Die 4212 Zuschauer, soweit sie nicht VfL-Fans waren, peitschten lautstark die HSG weiter nach vorn.

HSG-Übungsleiter Gennadij Chalepo konnte bis auf Georgis Chalkidis (leicht verletzt) und Kevin Schmidt (Infekt) alle Akteure einsetzen, ohne dass der Spielfluss darunter litt.

Auf der anderen Seite sollte der ab der 29. Minute eingewechselte Christoph Schindler für den VfL die Kastanien aus dem Feuer holen. Doch dem Routinier, der viel zu spät auf das Parkett kam, gelang es auch nicht, das Gummersbacher Spiel zu stabilisieren. Als drei Minuten vor dem Ende der starke Kari Kristjansso ein Rückhandanspiel von Adnan Harmandic artistisch zum 33:23 vollstreckte, stand die Rittal-Arena kopf. Die spielerische, kämpferische, technische und taktische Überlegenheit der Mittelhessen kam einer Demütigung des krisengeschüttelten VfL Gummersbach gleich. „Niko“ Weber blieb mit seinen Paraden gegen Sprem, Pfahl und Mahé weiter auf hohem Niveau. Nach dem 35:25 gelang den Oberbergischen in der Schlussminute nur noch die Ergebniskosmetik durch Krause und Lützelberger zum 35:27-Endstand.

Während die Hausherren nach den zuletzt guten Leistungen in der Ferne nun auch zu Hause überzeugten, steht der VfL Gummersbach am Abgrund. Der Trainerwechsel von Sead Hasanefendic zu Emir Kurtagic hat bislang beim VfL keine positiven Impulse bewirkt, sodass der Gummersbacher Weihnachtsbaum schon drei Tage vor dem Fest lichterloh brennt.

Ulrich G. Monz