Tapfere "Recken" schrecken HSG Wetzlar!

Quelle: Oliver Vogler

DKB Handball-Bundesliga

Grün-Weiße verlieren nach starkem Start noch mit 24:28 bei TSV Hannover-Burgdorf

Von acht Auswärtsspielen hatte die HSG Wetzlar bei vier Siegen bisher nur zwei verloren – bei der TSV Hannover/Burgdorf kam am Samstag die dritte Niederlage dazu. Vor 3127 Zuschauern unterlag das Team von Trainer Kai Wandschneider bei den »Recken« nach starkem Beginn aber schwächerem Ende mit 24:28 (11:15). »Diese Niederlage geht vollends in Ordnung, ist für uns aber kein Beinbruch«, relativierte HSG-Geschäftsführer Björn Seipp. »Vorsprünge in Hannover zu verwalten, fällt uns sehr schwer«, fuhr Seipp fort und spielte damit auf die letzte Saison an, in der die Mittelhessen nach 19:11-Führung noch 26:28 verloren.

Wetzlar kam konzentriert aus der Kabine und gingen durch Maximilian Holst, Joao Ferraz, den Ex-Hannoveraner Filip Mirkulovski und Kreisläufer Jannik Kohlbacher mit 4:0 in Front. Fast wäre sogar noch das 5:0 gefallen, doch die HSG scheiterte an der Latte. Erst nach 8:18 Minuten gelang den »Recken« durch Kai Häfner der erste Treffer. Alles noch gut für Wetzlar, das weiter die Partie bestimmte, konzentriert und abgeklärt agierte und hinten mit dem zweiten Ex-TSVler Nikolai Weber einen starken Keeper zwischen den Pfosten hatte, der nach 20 Minuten bereits sieben Paraden in der Statistik aufwies.

»Wir haben gut angefangen, Hannover war nervös«, sagte Weber hinterher, während er noch unzählige Autogramme schreiben und Fotos machen musste – man hat ihn in Hannover nicht vergessen. »Ab der 17. Minute wars aber ein offenes Spiel, wir hatten irgendwie keine Durchschlagskraft mehr, haben uns letztlich unter Wert verkauft.«

In der Tat war bei der HSG nach 15, 20 Minuten der Spiel-Film gerissen. Hannover kam auf, verkürzte auf 4:6 und 6:7, ehe Häfner erstmals der Ausgleich (7:7) und Mait Patrail die erste Führung für die Niedersachsen zum 9:8 (21.) gelang. Je mehr die »Recken« aufkamen, desto mehr zeigten sich die Wetzlarer beeindruckt. »Hannover hat das Heft des Handelns in die Hand genommen«, analysierte HSG-Coach Kai Wandschneider hinterher. »Wir haben im Angriff zu viele Bälle vergeben, haben den Faden verloren. Die entscheidende Phase war zwischen der 15. und 30. Minute.« Da wurde aus einer 7:4-Führung der ohne den grippekranken Vladan Lipovina angetretenen Hessen durch einen 4:11-Lauf ein 11:15-Rückstand.

»Hannover kam immer besser ins Spiel«, kommentierte Wetzlars Ex-Recke Filip Mirkulovski das Match, in dem sein Team nach 35 Minuten noch einmal auf 15:17 aufschließen konnte. Davon ließ sich die Mannschaft von TSV-Trainer Jens Bürkle jedoch nicht beeindrucken, trat nun sehr selbstbewusst auf und kam hauptsächlich über Joakim Hykkerud vom Kreis und Rechtsaußen Timo Kastening zu weiteren Treffern. Die Torverteilung zeigte aber an, dass die »Recken« besonders als Team ausgewogen auftraten.

Bei der HSG hielt im zweiten Durchgang vor allem Steffen Fäth dagegen. Seine fünf Tore nach der Pause (insgesamt sieben) bewirkten allerdings auch nichts mehr. »Wenn ich Fäth eine Pause geben muss, läuft es bei uns nicht mehr«, meinte Coach Wandschneider. Auf die personelle Situation spielte auch Geschäftsführer Seipp nochmals an: »Hannover hat ausgezeichnet, dass es ohne Qualitätsverlust wechseln konnte. Das war bei uns nicht der Fall.«

So zogen die »Recken« über 21:16 (43.) und 23:18 auf 25:21 weg, das deren Linksaußen Lars Lehnhoff erzielte – sein gegen die HSG einziger Treffer, wodurch er seinen Bundesliga-Torrekord (1000 Treffer) um vier verpasste. »Die zweite Halbzeit haben wir 13:13 gespielt, meine Mannschaft hat sich nicht aufgegeben«, strich Wandschneider letztlich noch das Positive heraus. Leider habe auch die Umstellung der Deckung auf eine 3:3-Formation nichts mehr gebracht.

»Ich bin sehr zufrieden. Eine sehr vernünftige Leistung von allen«, hatte TSV-Coach Bürkle gesehen. »Wir sind ruhig geblieben, als Wetzlar seine Abwehr umgestellt hat. Aber gefühlt hatte ich auch in der 57. Minute noch Angst um den Erfolg. Aber: Unser dritter Sieg in Serie, der vierte Heimsieg in Folge – Kompliment an mein Team.« HSG-Geschäftsführer Seipp blickte indessen bereits voraus: »Wir müssen jetzt am kommenden Mittwoch in Magdeburg ordentlich auftreten.«

TSV Hannover/Burgdorf: Ziemer, Semisch (n.e.); Patrail (4), Hykkerud (4), Lehnhoff (1), Häfner (4), Karason (3), Y. Dräger, Schmidt (3), Olsen (3), Hinz, Christophersen (1), Kastening (5).

HSG Wetzlar: Nikolai Weber, Wolff; Fäth (7), Holst (4), Ferraz (3), Kohlbacher (3), Mirkulovski (3), Bliznac (1), Hahn (1), Laudt (1), Rompf (1), Sebastian Weber, Prieto, Klesniks.

Stenogramm: SR: Grell/Piper (Hamburg/Kiel). – Zuschauer: 3127. – Strafzeiten: 2:4 Minuten. – Siebenmeter: -:4/2.
 

Quelle: Gießener Allgemeine