Thielmann-Aus: Den »wahren Grund« nennt er nicht

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Paukenschlag bei der HSG Wetzlar. Manfred Thielmann ist am Samstagvormittag beim Handball-Bundesligisten zurückgetreten und steht dem Tabellenneunten ab sofort weder als Sportlicher Leiter noch als Aufsichtsratsprecher zur Verfügung.

 

Einen Tag nach dem wichtigen Derbysieg informierte er die Mannschaft, die sich zum gemeinsamen Auslaufen getroffen hatte, darüber. »Ich bin der festen Überzeugung, dass Ruhe einkehren muss. Deswegen war dieser Schritt nötig. Ab morgen geht der Blick nach vorne und die Mannschaft kann sich wieder ganz auf den Klassenerhalt konzentrieren. Den wahren Grund für meinen Rücktritt werden Sie nicht erfahren. Der wird in meinem Kopf bleiben«, erklärte Thielmann gestern. Im Interview wies er zudem daraufhin, dass seine Entscheidung nicht mit dem »Fall Klimovets« oder der Mannschaft zusammenhänge.

In den vergangenen Wochen war Kritik an Thielmann aufgekommen, u.a. weil Spieler die Entscheidungen über ihre Zukunft bei der HSG aus der Presse und nicht von Thielmann persönlich erfahren hatten, vor allen Dingen aber, weil sich Thielmann als Aufsichtsratsprecher in der »Wetzlarer Neuen Zeitung« abwertend über den langjährigen HSG-Spielmacher Timo Salzer geäußert und damit dessen Abschied provoziert hatte. »Timo Salzer ist lange nicht so stark, wie viele glauben. Unser Team bricht nicht zusammen, wenn wir ihn nicht mehr haben. Er wird von vielen überschätzt«.

Mit diesen Worten wurde Thielmann in der »WNZ« zitiert und verärgerte damit Spieler, Sponsoren und Fans. Auch bei den Aufsichtsratkollegen soll dieses Verhalten auf wenig Gegenliebe gestoßen sein. Martin Bender soll sich sogar vor der Mannschaft für die Aussagen von Thielmann entschuldigt haben.

Sie waren jedenfalls der Anfang einer Entwicklung, die am Freitag nach dem 26:22-Derbysieg gegen den TV Hüttenberg in einem Boykott der Wetzlarer Spieler gipfelte. Die Akteure verweigerten der »WNZ«, die Salzer in einem Kommentar sinngemäß als zu schlecht für die 1. Liga bezeichnet und ihn als »Maulwurf« beschimpft hatte, – wie berichtet – sämtliche Aussagen zum Spiel. Von dieser Maßnahme wurden die Verantwortlichen der HSG um Thielmann überrascht. Der entschuldigte sich daraufhin für das Verhalten der Mannschaft und drohte Konsequenzen an.

Vor dem Spiel war zudem bekannt geworden, dass der HSG – wie berichtet – ein Punktabzug sowie eine Sperre bis zum Saisonende für Zugang Andrej Klimovets droht. Derzeit prüft die HBL, ob der Ex-Nationalspieler bei seinem ersten Einsatz für die HSG gegen Frisch Auf Göppingen spielberechtigt war. Mit einer Entscheidung wird heute oder morgen gerechnet. Noch ist unklar, ob der HSG da ein Fehler unterlaufen ist. Thielmann legte gestern Wert auf die Feststellung, dass ihn dabei keine Schuld trifft. »Ich beantrage keine Pässe«, erklärte er.

»Der Rücktritt hat uns auch überraschend getroffen«, sagte Wetzlars Geschäftsführer Björn Seipp gestern und fügte an: »Der verbliebene Aufsichtsrat mit Martin Bender, Antonio Pardo und Marty Weber hat aber bekräftigt, dass man den Verein weiterhin genauso und sogar noch mehr unterstützen werde als bislang. Wir werden den Rücktritt intern auffangen.« Zunächst denkt man bei der HSG also nicht daran, eine Neubesetzung der Position vorzunehmen, die Thielmann inne hatte. »Auch die Verhandlungen mit unseren Spielern und möglichen Zugängen gehen normal weiter. Wir haben einen kompetenten Trainer«, erklärte Seipp, der auch sagte, »erst einmal nicht, langfristig aber schon« über die Einstellung eines Sportlichen Leiters nachzudenken. »Für die neue Saison sind wir auf alle Fälle schon gut aufgestellt«, so Seipp, wohl wissend, dass es im Kader für die neue Saison noch einige Baustellen gibt. Vor allen Dingen muss die Suche nach einem oder zwei Abwehrspezialisten vorangetrieben werden.

Thielmann war im November 2010 gemeinsam mit Bender, Pardo und Weber als neuer Aufsichtsrat der HSG vorgestellt worden und hat den Erstligisten, der vor einiger Zeit vor der Insolvenz stand, durch wirtschaftlich sehr schwierige Zeiten geführt sowie mittlerweile auf solide Füße gestellt. Dies war eine großartige Leistung. Jüngst hatte er mit den Transfers von Michael Müller, Jens Tiedtke und Tobias Reichmann für die neue Saison für Aufsehen gesorgt.

Thielmann will – wie bereits erwähnt – über die wahren Gründe seines Rücktritts nicht sprechen. Dem Vernehmen nach soll ihn die aufkommende Kritik von Aufsichtsratskollegen, einigen Sponsoren, Spielern und Medien in Summe zu dieser Entscheidung geführt haben. Das Verhältnis zwischen einigen Spielern und Thielmann jedenfalls war zuletzt sehr angespannt.

(mac)