THW Kiel lässt ersatzgeschwächten Grün-Weißen keine Chance!

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DKB Handball-Bundesliga

Die HSG Wetzlar verliert vor ausverkauftem Haus mit 24:35 gegen Tabellenführer – Wandschneider: "Kiel in allen Belangen überlegen!"

In der Anfangsphase konnte die HSG Wetzlar, die verletzungsbedingt auf Tobias Reichmann und Spielmacher Ivano Balic verzichten musste, vor den eigenen Fans gut mit dem THW Kiel mithalten und überzeugte mit guter Defensivarbeit und viel Engagement. Doch die Kieler fanden nach zehn Minuten besser ins Spiel und ließen sich daraufhin in keiner Phase des Spieles mehr in der ausverkauften Rittal-Arena beeindrucken. „Beim 12:17, kurz vor der Halbzeit, war Kiel bereits auf der Siegerstraße“, so HSG-Trainer Kai Wandschneider, für den der Ausfall von Balic gegen den THW nicht zu kompensieren war. 

Vor 4.412 Zuschauern legte die HSG Wetzlar erneut viel Kampf und Wille auf das Parkett. In den ersten Minuten zeigten die Torhüter beider Mannschaften Präsenz. Zuerst war es der Kieler Keeper Sjöstrand, der den ersten Ball auf sein Tor von Geburtstagskind Florian Laudt abwehren konnte, dann entschärfte sein Pendant auf der Gegenseite, Magnus Dahl den ersten Wurf der Gäste. Im dritten Angriff erzielte Evars Klesniks das das 1:0 für die Hausherren (3.). Die Grün-Weißen agierten auch danach sehr konzentriert in der Abwehr und konnten so den THW unter Druck setzen. In Minute sechs notierte Dahl bereits die dritten Parade im Spiel. Klesniks markierte kurz später den zweiten Treffer in Folge zur vielumjubelten 2:0-Führung der Hausherren.

Es dauerte bis zur sieben Minute bis die "Zebras", die ohne den frisch gebackenen Vater Dominik Klein angereist waren, den ersten Treffer in der Rittal Arena durch Sigurdsson verbuchen konnten (2:1, 8.). Zwei Minuten später egalisierte Rene Toft Hansen zum 3:3. Wetzlar tat sich nunmehr zunehmend schwerer mit der sehr kompakten 6:0-Abwehr der Gäste, so dass Sigurdsson per Tempogegenstoß auf 3:5 erhöhen konnte. Erneut war es dann jedoch HSG-Linkshänder Evars Klesniks, der nach zwölf Minuten den Anschlusstreffer zum 4:5 für die Domstädter markierte. Ein technischer Fehler der Gäste eröffnete Kevin Schmidt kurz später die Chance zum 5:6, die er eiskalt nutzte (14.). Die HSG Wetzlar musste fortan zwei Minuten dezimiert auf dem Feld stehen, da Klesniks nach einem Foul von den Unparteiischen auf die Bank geschickt wurde. Marko Vujin verwandelte nach einer Viertelstunde den Siebenmeter gegen Dahl (5:7). Die Hausherren blieben aber auch in Unterzahlkonsequent und Tobias Hahn setzte den Ball erfolgreich in die Maschen (6:7,15.).

HSG-Trainer Kai Wandschneider zitierte seine Männer wenig später zur Bank, um neue Instruktionen zu geben. Die Umsetzung lief nach Plan. Steffen Fäth erzielte den 7:7-Ausgleich (17.). Die Grün-Weißen spielten weiterhin auf Augenhöhe mit dem aktuellen Tabellenführer. Alfred Gislason versuchte es mit der Umstellung der Abwehr auf 5:1, um die Wetzlarer aus dem Konzept zu bringen. Zunächst ohne Erfolg. Kevin Schmidt verwandelte nach 20 Minuten sicher von der Siebenmeterlinie zum 9:10. Doch dann hatten die Hausherren zunehmend mehr Probleme mit der  offensiven Abwehrvariante der Kieler und vergab durch technische Fehler und überhastete Abschlüsse die Chance bis zur Halbzeit dran zu bleiben Aber auch das Spiel des Tabellenführers, der bis zum Ende auf den Einsatz von Rückkehrer Aron Palmasson verzichten konnte, blieb nicht fehlerfrei. Sjöstrands Gegenstoß-Pass wurde zur Beute des Wetzlarers Kevin Schmidt, der den ansonsten blass bleibenden Adnan Harmandic bediente, der seine Farben mit seinem Treffer zum 10:12 (23.) im Spiel hielt. In der Folgeminute überzeugte Filip Jicha mit seiner individuellen Klasse und erhöhte unter anderem aus der Distanz hart und präzise auf 13:10 für die Kieler. Das Spiel wurde auf beiden Seiten nun schneller, Kevin Schmidt verkürzte aus dem Spiel heraus zum 11:13 sechs Minuten vor Halbzeitpfiff. Doch der THW nahm nun richtig Fahrt auf. Zum ersten Mal funktionierte bei den Gästen auch das Spiel über den Kreis. Patrick Wiencek verwandelte auf Pass von Rasmus Lauge Schmidt zur ersten vier-Tore-Führung. Auf der Gegenseite versuchte es Harmandic mit viel Schwung aus dem Rückraum, doch den Ball beförderte er deutlich neben das Tor.

Die Schwarz-Weißen agierten im Angriff nun mehr mit einfachen Kreuzbewegungen und brachten so die Abwehr der Hausherren in Bewegung. Jicha nutzte die Lücke in der 27. Minute mit seinem Durchbruch zum 16:11 für den amtierenden Meister. Bei den Gästen kam nun auch noch Pech dazu, denn Fäth traf mit seinem Gewaltwurf nur die Latte. Auf der Gegenseite setzte dann der neu eingewechselte Mann im HSG-Tor, Andreas Wolff, ein erstes Ausrufezeichen und schickte seinen Kapitän Jens Tiedtke, nach zuvor gehaltenem Ball, zum Tempogegenstoß. Ohne große Gegenwehr konnte der HSG-Kreisläufer zum 12:17 verwandeln. In der letzten Minute der ersten Hälfte legte Alfred Gislason die grüne Karte auf den Tisch. Den letzten Wurf nahm sich Torjäger Marko Vujin - allerdings vom Siebenmeterpunkt. Der Kieler fand jedoch in Andreas Wolff seinen Meister und so ging es mit einer verdienten 17:12-Gästeführung in die Kabine.

Die Kieler starteten gleich mit der ersten Aktion erfolgreich in die zweite Halbzeit. Der sehr starke Patrick Wiencek traf aus der Bedrängnis vom Kreis (12:18). Florian Laudt erhielt für seine Aktion gegen den deutschen Nationalspieler eine Zweiminuten-Strafe. Aber auch auf der Gegenseite schickten die Schiedsrichter Gudjon Valur Sigurdsson auf die Strafbank. Den anschließenden Siebenmeter verwandelte HSG-Linksaußen Kevin Schmidt zum 13:18 für seine Farben. Keeper Andreas Wolff musste in der folgenden Aktion, wenige Sekunden später, gegen Lauge Schmidt schon wieder hinter sich greifen, nachdem ihm der Aufsetzer unglücklich durchrutschte (13:19 33.) In den kommenden Minuten häuften sich die Fehler bei den Hausherren mehr und mehr. Harmandic war es, der erneut einen Fehlversuch verbuchte und auch der eingewechselte Kreisläufer Sebastian Weber scheiterte am in der 2. Halbzeit starken THW-Keeper Andreas  Palicka. 

Bis zur 40. Minuten wuchs der Kieler Vorsprung nun nach und nach an. Die "Zebras" zogen durch Patrick Wiencek und Niklas Ekberg auf 23:15 davon. Chefcoach Wandschneider zog aus der zunehmenden Unsicherheit seiner Mannschaft die folgerichtige Konsequenz und nahm seine zweite Auszeit im Spiel (40.). Schmidt versuchte anschließend vom Punkt den Kieler Torhüter Johan Sjöstrand per Heber zu überwinden, scheiterte jedoch bei diesem Vorhaben. Die HSG Wetzlar blieb in den darauffolgenden zwei Angriffen ebenfalls ohne Tor, so dass die Zebras nach 43 Minuten durch einen erfolgreich verwandelten Siebenmeter von Niklas Ekberg mit zehn Toren in Front gingen (25:15). Ganze sieben Minuten blieben die Mittelhessen ohne Treffer. Rückraumspieler Tönnesen beendete diese Torflaute in der 45 Minute mit krachenden Rückraumtreffer zum 16:25.

Beim Stand von 18:29 versuchte Kai Wandschneider sein Team noch einmal aufzubauen und gab letzte Anweisungen für die verbleibenden elf Spielminuten. Tiedkte und Bliznak sorgten binnen einer Minute für die HSG-Treffer 19 und 20 in der Rittal Arena. Der Kieler Christian Zeitz erzielte auf der Gegenseite in der 52. Minute das 21:31. Drei Minuten später konnte Bliznak noch einmal den Zehn-Tore-Rückstand herstellen. Die Fehlerquote bei der HSG Wetzlar blieb bis zum Ende hin jedoch ungewöhnlich hoch und so ermöglichte ein weiterer Ballverlust THW-Torjäger Marko Vujin die Chance zu einem weiteren Gegenstoß-Treffer, doch der ansonsten treffsichere Kieler scheiterte am kurz zuvor eingewechselten HSG-Keeper Magnus Dahl. Den 24:35-Endstand gebührte dem stark aufspielenden Kieler Kreisläufer Patrick Wiencek, der sich damit, mit insgesamt sechs Treffern, zum besten THW-Torschütze mauserte.

Stenogramm:

HSG Wetzlar: Dahl, Wolff, Schmidt (5/2), Prieto, Tiedtke (2), Rompf (1), Weber, Tönnesen (4/1), Laudt, Fäth(3), Hahn (3), Harmandic (1), Klesniks (3) 

THW Kiel: Sjöstrand, Palicka, Lauge Schmidt (5), Zeitz (2),Jallouz (3), Palmarsson, Jicha (5), Vujin (5/2), Sigurdsson(4), Ekberg (4/1), Toft Hansen (1), Wiencek (6)

Schiedsrichter: Andreas Pritschow/Marcus Pritschow – Zuschauer: 4.412 – Zeitstrafen: 4:2 – Strafwürfe: 4:3.

Stimmen zum Spiel:

Kai Wandschneider (Trainer HSG Wetzlar): „Der Sieg in dieser Höhe war völlig verdient. Man hat heute den Klassenunterschied gesehen. Zu Beginn sind wir einigermaßen gut ins Spiel gekommen. Sehr stark war dann Filip Jicha, der aus dreizehn, vierzehn Metern unglaubliche und wichtige Tore gemacht hat. Wir hatten in der Deckung ein großes Problem gegen die Kreisläufer, denn wir sind einfach nicht vor diese gekommen. Spätestens bei der dritten Kreuzbewegung war unsere Abwehr zu weit auseinander gezogen. Dass müssen wir üben, dass die großen Leute vor die gegnerischen Kreisläufer kommen. Kiel hat mit ihrem unglaublich druckvollen Spiel unsere Abwehr auseinander genommen und uns eiskalt ausgekontert. Beim 12:17-Halbzeitstand war Kiel schon auf der Siegerstraße. Ich hatte gehofft, dass die Tordifferenz in der 2. Halbzeit für uns vielleicht noch etwas besser werden würde, denn das kann für uns sehr wichtig werden kann im Abstiegskampf. Ohne Ivano Balic haben wir gegen Gegner wie Kiel, Hamburg oder auch die Rhein-Neckar Löwen keine Chance, das ist hart, aber man hat es heute erneut gesehen. Das Spiel gegen Kiel müssen wir abhaken. Am Mittwoch kommt Flensburg in die Dutenhofener Sporthalle. Jetzt muss die Mannschaft sich regenerieren und ich hoffe, dass unsere Zuschauer uns auch am Mittwoch so toll unterstützen. Ich werde versuchen die Spieler jetzt wieder aufzurichten und ihnen klar machen, dass wir dem THW über 60 Minuten einfach nicht gewachsen waren. Das ist schon sehr beeindruckend, was Alfred mit dem THW Kiel in dieser Saison zeigt. Unsere stärksten Angreifer sind, wenn sie gesund sind, Tobias Reichmann, Ivano Balic, Steffen Fäth und endlich auch wieder Kevin Schmidt. Es ist sehr schwer einen Ausfall von ihnen, wie heute, zu kompensieren. Aber ich will das jetzt nicht auf die Goldwaage legen, denn es war Kiel heute zu Gast. Balic gibt der Mannschaft auch eine mentale Stärke, die sehr wichtig ist. Er macht seine Mitspieler besser, das ist das Entscheidende für uns.“

Alfred Gislason (Trainer THW Kiel): „Ich bin sehr zufrieden, dass wir hier gewonnen haben. Anfangs war das sehr behäbig, was wir gemacht haben, aber nach zehn Minuten haben wir dann sehr gut in das Spiel gefunden und danach daran angeknüpft. Unsere bewegliche Abwehr, die sehr gut gestanden ist, war mit ausschlaggebend. Dadurch konnten wir viele leichte Tore über den Gegenstoß oder die Außen erzielen. Wenn wir Deutscher Meister werden wollen, dann müssen wir die Punkte in solchen Spielen unbedingt einfahren. Das war sehr wichtig. Nach dem Hinspiel in Kiel, bei dem wir sehr glücklich gewonnen haben, haben wir uns heute sehr darauf fokussiert. Viel Glück für die kommenden Spiele an die HSG Wetzlar.“

Sebastian Weber (Spieler HSG Wetzlar): „Das, was wir in den ersten zwanzig Minuten so gut gemacht haben, haben wir in der zweiten Halbzeit richtig schlecht gemacht. Als wir gegen den THW in der Hinrunde gespielt haben, konnten wir uns gegen jede Abwehrformation der Kieler durchgesetzt. Das ist uns heute leider nicht gelungen. Kiel hat sich im Laufe der Runde auch gesteigert. Mund abputzen, Mittwoch wird es dann wieder wichtig im Pokalspiel. Wir hatten heute nichts zu verlieren, aber Kiel war einfach zu stark.“

Rene Toft Hansen (Spieler THW Kiel): „Wir sind sehr zufrieden, dass wir gegen Wetzlar mit elf Toren gewinnen konnten. Am Anfang sind wir sehr schwer reingekommen, besonders im Angriff haben wir uns schwer getan. Nach zehn Minuten ist es dann besser geworden und wir haben mehr in unser Spiel gefunden. Die Umstellung in der Abwehr hat uns vielleicht auch weitergeholfen. Durch die 3:2:1-Abwehr sind wir mehr über die einfachen schnellen Tore gekommen.“