THW Kiel siegt dank hochkonzentrierter Leistung in Wetzlar!

Bild: www.sportfoto-vogler.de

DKB Handball-Bundesliga

Rekordmeister nimmt nach 30:26 (16:14) zwei wichtige Zähler aus Rittal Arena mit – Dissinger und Weinhold bereiten grün-weißer Abwehr große Probleme!

Vor den Fernsehkameras von Sport1 und mit 4.421 Zuschauern ausverkauftem Haus hat der THW Kiel am Mittwochabend die „Festung“ Rittal Arena eingenommen. Dank einer hochkonzentrierten Leistung siegte das Team von Trainer Alfred Gislasson bei der HSG Wetzlar mit 30:26. Entscheidende Faktoren für den Ausgang des Spiels waren die jeweiligen Deckungsreihen der Tabellennachbarn. Während sich die Hausherren mit der 3:2:1-Abwehr der „Zebras“ enorm schwer taten, wies die ansonsten massive 6:0-Deckung der HSG Wetzlar ungewohnt viele Lücken auf, die Kiel zu nutzen wusste. Allen voran THW-Rückraumspieler Christian Dissinger, der insgesamt neun Mal traf.

„Wir haben eine schlechte Abwehrleistung gezeigt und dazu im Angriff zu viele einfache Ballverluste gehabt“, brachte es Wetzlars Nationalspieler Andreas Wolff nach dem Abpfiff kurz und knapp auf den Punkt. „Wir hätten an unsere obere Leistungsgrenze kommen müssen, um hier für eine erneut Überraschung zu sorgen. Das ist uns diesmal leider nicht geglückt“, fügte HSG-Trainer Kai Wandschneider an. „Aber wir haben keinen Grund jetzt die Köpfe hängen zu lassen. Gegen Kiel kann man verlieren!“

Viele gesenkte Häupter gab es bereits zu Spielbeginn, als die Zuschauer und Protagonisten bei einer Gedenkminute den Opfern der Terroranschläge in Paris gedachten. Danach stand der Sport im Mittelpunkt und Kiel erwischte den deutlich besseren Start, lag nach zwei Gegenstoßtreffern von Nicals Ekberg und Domagoj Duvnjak schnell mit 2:0 in Front. Vorangegangen waren einfache Ballverluste der Gastgeber, die nach Vorgabe von Kai Wandschneider unbedingt vermieden werden sollten. Erst beim Stand von 4:6 (10.) kam Wetzlar besser in Spiel. Rechtsaußen Guillaume Joli traf zum Anschluss und als der Portugiese Joao Ferraz in der 14. Minute in Überzahl zur 8:6-Führung für die Hausherren traf, bebte die Rittal Arena förmlich. Kurz zuvor hatte Kiels Kapitän Rene Toft Hansen die Rote Karte gesehen, nachdem er im Angriff zugelangt und HSG-Hüne Kristian Bliznac mit dem Ellenbogen im Gesicht getroffen hatte.

Wetzlar hatte nun das im Sport vielbeschriebene Momentum auf seiner Seite. Der „Riese“ aus Kiel wankte, doch mit zwei „vertändelten“ Gegenstöße von Carlos Prieto und Guillaume Joli ließen die Mittelhessen die große Möglichkeit liegen, in dieser Phase klarer davon zu ziehen. Stattdessen kam der THW wieder heran, vor allem der Torgefahr von Rückraum-Kanonier Christian Dissinger, dem bis zur Pause fünf Treffer gelangen. Dem Kieler Neuzugang war es dann auch vergönnt, per verdecktem Unterhandwurf den 16:14-Halbzeitstand für den THW zu erzielen.

Nach der Pause versuchten die Grün-Weißen dann noch einmal alles, um die Partie erneut zu drehen. Doch die Gäste profitierten ein ums andere Mal von durchaus umstrittenen Schiedsrichterentscheidungen und nutzten die sich daraus bietenden Chancen konsequent aus. Nationalspieler Steffen Weinhold und eben jeder Christian Dissinger waren deutlich zielstrebiger als ihre Wetzlarer Gegenüber und trafen oftmals nach vermeintlich einfachen Rückraum-Kreuzungen. So stand in der 45. Minute die ersten Fünf Tore-Führung der „Zebras“ auf der Anzeigetafel (26:21).

Positive Akzente setzten danach die eingewechselten Vladan Lipovina und Nikolai Weber bei den wacker kämpfenden Wetzlarern. Linkshänder Lipovina traf per Stemmwurf gleich doppelt und Keeper Nikolai Weber entschärfte zwei Kieler Siebenmeter nacheinander. Nur aus der, auch vom anwesenden hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier, erhofften Wende wurde es nichts.

Der THW spielte die Partie dank der individuellen Qualität solide herunter, konnte den Vorsprung zwischenzeitlich sogar auf sechs Tore ausbauen. Einmal mehr Dissinger war es, der in der 53. Minute zum 30:24 traf. Dies sollte bis zur 59. Minute der Spielstand bleiben. HSG-Linksaußen Maximilian Holst betrieb dann mit einem Doppelpack noch Ergebniskorrektur, sodass der THW schlussendlich mit 30.26 in der Domstadt gewann.

„Ich denke, der Sieg war verdient“, so „Zebra“-Coach Alfred Gislasson, der Christian Dissinger ein Sonderlob aussprach. „Seine einfache  Tore waren ganz wichtig für uns, weil wir nach der roten Karte gegen Toft Hansen ein bisschen basteln mussten. 

Nach den Heimsiegen gegen die Spitzenteams  aus Flensburg und Magdeburg blieb somit die Überraschung gegen den Rekordmeister aus, der gegen tapfer kämpfende Wetzlarer allerdings alles in die Waageschale werfen musste, um in der Rittal Arena zu bestehen. „Wir können erhobenen Hauptes aus dem heutigen Spiel gehen“, so HSG-Trainer Kai Wandschneider. „Aber auch mit dem Wissen, dass wir uns in der Abwehr bis zum nächsten Spiel steigern müssen.“

HSG Wetzlar - THW Kiel 26:30 (14:16)
Tore: Holst (6), Fath (5), Lipovina (5), Joli (3), Weber (2), Kohlbacher (2), Ferraz (2), Laudt (1) für Wetzlar - Dissinger (9), Weinhold (6), Ekberg (5), Duvnjak (5), Dahmke (3), Vujin (1), Anic (1) für Kiel
Zuschauer: 4.421 (ausverkauft). - Schiedsrichter: Fabian Baumgart/Sascha Wild.