Trainingslager-Tagebuch – Tag 3

DKB Handball-Bundesliga

Am Mittwoch hieß es Hecheln, Schuften und Grenzen überschreiten

Die Sonne in Hennef war untergegangen und somit endete auch der dritte Tag des Trainingslagers der HSG Wetzlar. HSG-Übungsleiter Kai Wandschneider prognostizierte am vorangegangenen Abend einen Tag mit knochenharten Einheiten und er hielt sein Wort. Die weiteren Gäste der Sportschule Hennef sahen keuchende, mit Schweiß übergossene, völlig erschöpfte, grün-weiße Handballprofis, deren Lunge am liebsten „das Weite“ gesucht hätte. 

„Um sieben Uhr morgens ist die Welt noch in Ordnung“, lautet der Titel eines Bestsellers vom englischen Romanautor Eric Malpass. Dies traf auf den dritten Tag des Trainingslagers vollkommen zu, jedoch sah die Welt kurz später, um halb acht, für alle Spieler schon ganz anders aus. Da war nichts mehr in Ordnung, da Athletiktrainer Thorsten Ribbecke zu Intervallläufen in den frühen Morgenstunden „einlud“. Manche Spieler, wie zum Beispiel Florian Laudt, hatten schon eine gewisse Vorahnung, welch eine Tortur ihnen noch bevorstehen würde: „Da verarscht man doch den Körper! Der pennt doch noch. Ich habe ja jetzt schon keinen Puls und ich will nicht wissen, wie es danach ausschaut.“ Sein Puls ließ ihn dann glücklicherweise nicht im Stich und so kämpfte er sich mit seinen Mannschaftskameraden von einem Sprintintervall zum anderen. Kaum angekommen „durften“ sich die Spieler Lockerungsübungen mit Rollen aus hartem Schaumstoff unterziehen, welche schmerzverzerrte Gesichter verursachten. Nur einer verzog keine Miene und das war Trainer Kai Wandschneider, der aus Solidarität zu seinen qualvoll drein blickenden Schützlingen sich einer morgendlichen Leibesertüchtigung unterzog.

Dem ersten Streich folgt ja bekannter Weise der zweite sogleich. Für diesen schleppten sich die Spieler in die Halle, in der Thorsten Ribbecke die „ach so beliebten“ blauen Matten auspackte, auf denen dann Stabilitätsübungen durchgeführt wurden. Am Gesichtsausdruck der Akteure sollte sich trotzdem nichts ändern. Der Schweiß lief literweise, so dass sich nahezu tropische Verhältnisse in der Sporthalle breit machten. Nach einer kurzen Beinarbeitsübung, die fast schon einer Erholung nahe kam, ging es dann in die „Mukkibude“ der Sportschule. Hanteln wurden in die Höhe gehievt, an der Sprungkraft gearbeitet und die Spieler zu Höchstleistungen angestachelt. Andreas Wolff und Dennis Krause stemmten die 100 Kilo beim Bankdrücken in die Luft, als würde es um olympische Medaillen gehen. Das Spektakel wurde selbstverständlich fachmännisch von Betreuer Stefan „Migge“ Rühl beäugt, der laut seiner Aussage „bei 100 Kilo erst ins Krafttraining einsteigen würde“. Im direkten Anschluss ging es dann auf den Beachvolleyball-Platz, auf dem die Jungs nicht nur ihre gestählten Körper zur Schau stellten, sondern auch kleine Koordinationsübungen durchführten. 

Nach den „Sandkastenspielchen“ und einer stärkenden Mahlzeit nahmen dann Kai Wandschneider und Jasmin Camdzic wieder das Zepter in die Hand. Wie schon am vorigen Tag ließ Wandschneider seine Mannen in positionsspezifischen Kleingruppen trainieren. Somit wurde die Intensität hochgehalten, was man jedem einzelnen deutlich ansah. Die Spieler gingen fast schon bei der dritten Einheit am Stock. Diesen hätten sich bestimmt einige gewünscht um sich mal gemütlich abzustützen um sich eine kleine Verschnaufpause zu gönnen, jedoch blieb lediglich der Wunsch Vater des Gedanken. Die Rückraumschützen warfen und warfen, die Außenspieler sprangen und sprangen, die Kreisläufer ackerten und ackerten und die Torhüter hielten und hielten. Nach dieser Einheit wich dem müden Gesichtsausdruck ein leichtes Anzeichen der Zufriedenheit, da sich jeder Bewusst war, wir haben drei Viertel schon gepackt.

Das letzte Viertel begann dann auch mit dem beliebtesten Warmmachspiel aller Handballer - dem Fußball. Auch hier gab es eine Parallele zum gestrigen Tag, denn Team „Alt“ zeigte der Jungen Fraktion wo der alte Hase langlief. „Alt“ fuhr die Taktik, hoch spielen und hoch gewinnen, denn mit Daniel Valo und Kristian Bliznac besaß die ältere Garde zwei Kopfballungeheuer, die im Luftspiel kaum zu schlagen waren. Für die technische Raffinesse war ein weiteres Mal „Ado“ Harmandic zuständig, der sich zum bosnischen Zinedine Zidane mauserte und seinem Team zu einem überaus deutlichen 6:1-Sieg verhalf. Danach wurde wieder ordentlich in den Harztopf gegriffen und die „Schnelle Mitte“ einstudiert. Trotz aller voran gegangenen  körperlichen Schandtaten, ging jeder einzelne ein Tempo im Abschlussspiel, das von der Geschwindigkeit der Richtungswechsel einem Tischtennisspiel gleichkam. Zwanzig Minuten höchstes Tempo am Ende der vierten Trainingseinheit, bei der die spielerische Qualität kaum in Mitleidenschaft gezogen wurde, zollt von Kampfgeist und einer starken Moral. 

Diese mussten die Spieler der HSG Wetzlar auch heute früh wieder beweisen, als die Welt wieder nicht ganz so in Ordnung war, um halb acht in der Früh.