Trainingslager-Tagebuch - Tag 4

Tobias Reichmann vertraut seinen Mitspielern!

DKB Handball-Bundesliga

Pezzibälle, Teambuilding und die „gute Fee“

Der vierte Tag in der Sportschule Hennef fing für die HSG-Akteure mit einem intensiven Paukenschlag an und endete angenehm mit einem saftigen Steak, a la „Migge“. Zwischen diesen beiden Ereignissen lagen jedoch einige interessante und lustige Momente, die es zu erwähnen gilt.

Wie es schon Tradition in diesem Trainingslager ist, grüßte mal wieder um 7.30 Uhr das Murmeltier in Person von Athletiktrainer Thorsten Ribbecke. Dieses Mal ging es für die Jungs nicht wie gewohnt auf die Laufbahn, sondern in die Halle. Es wurden sogar direkt in der ersten Einheit Bälle in die Hand genommen, jedoch ausschließlich Medizinbälle. Mit diesen wurde dann eine Tabata-Intervalleinheit durchgezogen. Dabei handelt es sich nicht um eine Heilkunst der Indianer sondern um eine anstrengende und kräftezehrende Einheit, bei der die Handballprofis aus Wetzlar 20 Sekunden lang belastet wurden und dann wieder zehn Sekunden Pause hatten. Dieser Ablauf wiederholte sich und wiederholte sich und wiederholte sich. Nach den „kleinen Ballspielchen“ ging es in den Boxraum. Kaum im Raum angelangt trat „Tobi“ Reichmann auch schon voller Vorfreude gegen die schweren Boxsäcke, woraufhin er postwendend und mit einem „zarten Stimmchen“ einen Einlauf vom Hausmeister erhielt, der die Kung-Fu-Tritte von unserem Rechtsaußen beobachtet hatte. Danach wurde geprügelt, jedoch bekamen es ausschließlich die Säcke ab und nicht die Gesichter der Mitspieler. Auch HSG-Trainer Kai Wandschneider ließ es sich nicht nehmen, dem Boxsack zu zeigen wer Chef im Ring ist, musste es jedoch mit Schmerzen im rechten Unterarm bezahlen: „Ich konnte einfach nicht widerstehen und das habe ich nun davon“.

Die zweite Trainingseinheit fand in der Judo-Halle statt, in der Stabilitätsübungen auf dem Tagesplan standen. Mit Stefan „Migge“ Rühl und Co-Trainer Jasmin Camdzic nahmen auch zwei „Ehrengäste“ an dieser Einheit teil. Beide machten einen durchtrainierten Eindruck und beflügelt vom Absolvieren der anstrengenden Stabilitätsübungen, nahmen sie sich sogar freiwillig die „Treppe der Qualen“ vor. 116 Treppenstufen  wurden leichtfüßig wie einst Rocky Balboa erklommen, ohne das auch nur ein kleines Anzeichen von Erschöpfungen zu erkennen war. Indes quälten sich die Wandschneider-Schützlinge mit den Pezzibällen herum, deren Name die härte der Übungen nicht ansatzweise zum Ausdruck bringt. 

Nach einer kleinen „Siesta“ zur Mittagszeit, mussten alle Akteure an einem Strang ziehen. In kleinen teambildenden Spielen wurde die Gemeinschaft und das Zusammensein gestärkt, was auf großen Anklang stieß bei allen Beteiligten. Besonders beim letzten Spiel, bei dem die Gruppe einem Mannschaftskollegen, der die Augen verbunden hatte, den Weg weisen musste. Für die Außenstehenden war der Spaßfaktor enorm groß, da die Jungs teilweise unbeholfen im Dunkel tappten. „Ich habe fast Tränen vergossen vor Lachen“, gab Kai Wandschneider im Nachhinein zu. Im direkten Anschluss wurden dann die Sprungbretter des Schwimmbeckens eingeweiht. Thorsten Ribbecke verwandelte sich in ein kleines Kind, das zum ersten Mal ins Wasser springen durfte. So hatte es zu mindestens den Anschein, da er gefühlte 100 Sprünge hintereinander absolvierte und kaum zu bändigen war. Nach einem so harten Vormittag haben sich die Verantwortlichen dann was ganz besonderes einfallen lassen. Betreuer „Migge“ schlüpfte in eine neckische Schürze, nahm eine Grillzange in die Hand und spielte sehr routiniert den Grillmeister. Wie so oft, kam das Beste also zum Schluss.

Schluss war jedoch für Physiotherapeutin Katharina Dietsch noch lange nicht. Wie an jedem Tag massierte sie die Schmerzen aller Spieler bis in die tiefe Nacht weg. Mit ihren Zauberhänden kümmert sich die 26-Jährige um die Spieler, als ob es ihre eigenen Kinder wären und nebenbei hat sie immer ein Ohr für die Probleme „ihrer“ Jungs offen. Zusätzlich arbeitet sie noch als Deutschlehrerin, in dem sie den Neuzugängen die ersten Wörter beibringt, was schon Früchte trägt. Man darf ohne zu übertreiben behaupten, dass „Kathi“ die gute Fee der HSG-Mannschaft ist, welche trotz teils schmerzhafter Behandlungen einen festen Platz in den Herzen der Spieler sicher hat. Auch der heutige Tag wird ein langer für die symphatische Physiotherapeutin, jedoch wird es auch für sie wieder um 7.30 Uhr weitergehen, wenn Thorsten Ribbecke wieder die „Peitsche“ auspackt und die Jungs über die Laufbahn scheucht.