Trainingslager-Tagebuch - Tag 5

DKB Handball-Bundesliga

Zum Frühstück gab es die „Treppen der Qualen“

Der fünfte und somit der letzte richtige Trainingstag in der Sportschule Hennef hat ein Ende gefunden. Am heutigen Samstag stand nur noch eine lockere Runde Fußball auf dem Plan und dann werden die Zelte abgebaut. Das heißt aber nicht, dass die HSG-Profis sich in einen gemütlichen Feierabend verabschieden können, da es nahtlos weitergeht. Nach dem Mittagessen reisen die Grün-Weißen zu einem Kurzturnier nach Wickede. Was am letzten Tag in der Sportschule alles passiert ist , erfahren Sie in diesem letzten Tagebuchbericht aus Hennef.

Die Sonne ging auf, der Wecker klingelte und am liebsten wären die Akteure im Bett geblieben, da Athletiktrainer Thorsten Ribbecke sich mal wieder bei der Mannschaft von seiner „unbeliebtesten“ Seite zeigte. Als Schleifer, Peitschenschwinger und Schinder. Wie schon gestern berichtet, verfügt das Gelände der Sportschule über eine „Treppe der Qualen“ mit 116 Stufen, die sich über knapp 200 Meter erstrecken. Schon beim Hochgehen wünscht man sich einen Aufzug herbei, der einen in windeseile und ohne Beinschmerzen den Anstieg hochfährt. Selbstverständlich ist so einer nicht vorhanden, so dass die Jungs ganze acht Mal hochsprinten „durften“. Acht Mal leiden, acht Mal den eigenen Schweinehund überwinden, acht Mal den Schmerz Schmerz sein lassen und acht Mal bis an die Grenzen des Machbaren gehen und das um 7.30 Uhr in der Früh. Spätestens beim fünften Lauf entglitten jegliche Gesichtszüge, der Mund wurde weit aufgerissen und mit der Menge an Schweiß hätte man das Schwimmbecken füllen können. Nach dem achten und somit letzten Anstieg hielt es einige nicht mehr auf den Beinen und manchen kam das abendliche Essen fast wieder hoch. „Ich habe selbst noch unter der Dusche zittrige Knie gehabt“, sagte Youngster Moritz Zörb, der dem kleinen Berg bravourös die Stirn bot. 

Kämpfen war dann auch in der zweiten Einheit angesagt, jedoch nur im bildlichen Sinne, da Thorsten „der Schleifer“ Ribbecke mit den Spielern in der Judohalle Stabilitätsübungen ausführte. Da ließ sich das HSG-Trainergespann Kai Wandschneider/Jasmin Camdzic es sich nicht nehmen, ihren Körper ebenfalls zu stählern, falls das noch weiter möglich ist. Nach dieser anstrengenden Einheit ging es dann wieder in die „Mukkibude“, in der laut „Sebbl“ Weber wieder „Eisen gefressen“ wurde. Man fühlte sich an die morgige Tortur ein wenig erinnert, da sich die Gesichtszüge sehr ähnelten. Die Neuzugänge erhielten eine technische Einweisung von Thorsten Ribbecke und die „alten HSG-Haudegen“ stemmten die Gewichte in die Höhe, als ob sie in ihrer Freizeit nichts anderes machen würden. 

Ein wenig Freizeit war den Wandschneider-Schützlingen dann nach der Hälfte des Tagesprogramms gegönnt. Im Anschluss an die freie Zeit, welche die meisten für kleine Nickerchen nutzten, wurde es dann analytisch. Alle HSG-Spieler erhielten im Vorfeld eine CD mit einem Spiel aus der letzten Saison und dazu eine spezielle Aufgabe, deren Ergebnisse sie dann auf einer großen Leinwand und vor allen Mannschaftskollegen vortragen mussten. Manche mussten sich zum Beispiel erfolgreiche Angriffe oder Abwehraktionen herauspicken und diese dann fachmännisch analysieren, wiederum andere mussten ein Auge auf das Verhalten beim Tempospiel werfen. Somit schlüpften die Protagonisten auf dem Spielfeld in die Rolle ihres Trainers und man darf mit Fug und Recht behaupten, dass in einigen wahre Trainertalente schlummern. 

Nach diesem kleinen Ausflug ins Übungsleiterdasein ging es dann wieder in die Halle, wo erst mal eine Runde Kicken anstand. Wie schon so oft nahm Team „Alt“ schnell das Heft in die Hand und mit Kai Wandschneider, verfügte die alte Garde über einen Trumpf im Ärmel. Dieser präsentierte sich zwar nicht als Konditionswunder, aber taktisch und passtechnisch macht dem gebürtigen Hamburger so schnell keiner was vor. Ob hohe, flache oder auch hart geschossene Pässe, sie fanden punktgenau ihr Ziel. Somit gewann „Jung“ auch dieses Mal nur an Erfahrung, mehr jedoch nicht. Nach kleineren taktischen Einheiten wurde dann auch noch Handball gespielt. Highlight dieses Abschlussspiels war ein Kempatrick, den Tobias „das Känguru“ Reichmann mit einem schönen Treffer veredelte. So treffsicher zeigten sich dann auch Tobias Hahn und Marius Sulzbach in der abendlichen Partie „Fifa“ und mussten sich am ganzen Abend keinem weiteren Zockerpärchen geschlagen geben. Früh verabschiedeten sich jedoch die meisten in ihre Schlafgemächer, da die Woche bei jedem seine Spuren hinterlassen hat. 

Am heutigen Morgen stand lediglich eine Partie Fußball an, die unter der Morgendsonne Hennefs ausgefochten wurde. Es sollte eine kleine Sensation geben, da Team „Jung“, angeführt vom lautstark dirigierenden Tobias Hahn, dieses Mal das bessere Ende für sich hatte. Kurzzeitig sah es nach einem unverhofften Sieg für „Alt“ aus, als sie sich von 1:7 auf 6:7 herankämpften, jedoch wurden jegliche Hoffnungen mit zwei schnellen Kontern postwendend zerschlagen.

Eine harte und doch auch stimmungsvolle Woche in der Sportschule Hennef geht somit vorbei, in der viel Schweiß, viele Aufschreie vor Schmerzen aber auch viele schöne Momente zum Tagesablauf gehörten. Ein großes Lob gebührt allen Mitarbeitern der Sportschule, da es der HSG Wetzlar an nichts fehlte. Der Service war sehr zuvorkommend, das Essen war sehr schmackhaft und die sportlichen Gegebenheiten waren optimal, um die Jungs athletisch als auch handballerisch auf Vordermann zu bringen. In einer Stunde geht es, wie schon erwähnt, nach Wickede, wo man hoffentlich einen krönenden Abschluss findet für eine belastungsreiche Woche.