Trotz „11:1 Punkte-Lauf“: Trainer Kai Wandschneider ist Tabelle völlig egal!

DKB Handball-Bundesliga

HSG Wetzlar siegt mit 29:25 beim Aufsteiger ThSV Eisenach – Maximilian Holst erzielt elf Treffer – Sonderlob für Spielmacher Florian Laudt

Die Bundesliga-Handballer der HSG Wetzlar eilen in der DKB Handball-Bundesliga derzeit von Sieg zu Sieg. Am Abend fuhren die Mittelhessen beim kampfstarken Aufsteiger ThSV Eisenach einen verdienten 29:25-Auswärtserfolg ein und stehen somit mit 13:5-Punkten auf Platz vier der Tabelle. „Es ist sensationell, was die Mannschaft leistet“, freut sich HSG-Geschäftsführer Björn Seipp. „Damit war nach dem Umbruch im Sommer absolut nicht zu rechnen. Deshalb sollten alle, denen die HSG Wetzlar am Herzen liegt, den Moment einfach genießen. Unserer Mannschaft merkt man an, dass sie vom Erfolg beflügelt und hungrig auf mehr ist. Siege sind der schönste Ansporn und das beste Teambuilding!“

Dass in Wetzlar überhaupt kein Übermut aufkommt, dafür steht auch Trainer Kai Wandschneider, der bereits Minuten nach dem Sieg am Fuße der Wartburg den Finger hob. „Ich habe der Mannschaft gesagt, dass uns die Tabelle zum jetzigen Zeitpunkt völlig egal sein muss. Wir müssen weiter auf Punktejagd gehen, heiß und hungrig bleiben! Wenn wir nur ein paar Prozent nachlassen, dann werden wir bestraft, egal, wie der Gegner heißt. Es gibt keinen Grund sich auszuruhen und gerade jetzt, in dieser Phase der Saison, muss man sich Sicherheit und Selbstvertrauen erkämpfen. So wie wir es in Eisenach getan haben.“

Der 55jährige war mit dem Auftritt seiner Grün-Weißen in Thüringen sehr zufrieden. „Ich bin sehr stolz auf unsere Mannschaft, denn wir haben hier ein sehr abgeklärtes Spiel gemacht. Eisenach hat zu Beginn mit einer unheimlichen Power gespielt, aber wir haben uns direkt dagegengestemmt und keine Anlaufzeit gebraucht, um ins Spiel zu finden. Die Abwehrumstellungen des ThSV haben uns dann etwas aus dem Tritt gebracht. Eigentlich waren wir darauf vorbereitet und deshalb kann ich mit einigen überhasteten Abschlüssen nicht zufrieden sein. Florian Laudt hat dann aber wieder Ordnung in unser Angriffsspiel gebracht und war mit dafür verantwortlich, dass wir mit einer Führung in die Pause gehen konnten“, bilanziert Wandschneider. „Nach dem Wechsel haben wir dann die Eisenacher Angreifer mehr und mehr zu Fehlern gezwungen, konnten einige Konter laufen und einfache Tore erzielen. Insgesamt hat meine Mannschaft die 60 Minuten ohne größere Einbrüche absolviert und das ist toll! Ich denke, dass der Sieg in Eisenach sehr wichtig sein kann, denn hier werden noch einige Mannschaften Punkte lassen. Wir freuen uns natürlich sehr, dass wir das erste Drittel der Saison so bravourös bewältigt haben.“  

Trotzdem fand der Diplom-Sportlehrer auch ein Haar in der Suppe: „Ich wäre ein schlechter Trainer, wenn ich nicht immer etwas zu kritisieren hätte. Wir waren heute auf der rechten Angriffsseite flügellahm. Da brauchen wir nicht um den heißen Brei reden: da muss mehr kommen!“

Erfolgreichster Wetzlarer Werfer war Linksaußen Maximilian Holst, dem bereits zum zweiten Mal in dieser Saison elf Treffer in fremder Halle gelangen. Der 26jährige blickte nach dem Spiel zufrieden auf das kampfbetone Duell mit dem Aufsteiger aus Eisenach zurück: „Ich denke, dass der Sieg für uns absolut in Ordnung geht! Wir waren in der 2. Halbzeit dauerhaft vorne, trotzdem mussten wir bis zum Ende kämpfen. Eisenach hat heute gefühlt fünf verschiedene Abwehrsysteme gegen uns gespielt, was vor allem für unsere Rückraumspieler schwer war. Sie mussten immer Lösungen zu finden, was ihnen toll gelungen ist“, bedankte sich Holst bei seinen Nebenleuten. „Wichtig war, dass wir nach einem guten Start und schwierigen Minuten danach mit zwei Toren Vorsprung in die Halbzeit gegangen sind. Nach der Pause sind wir dann wieder richtig gut reingekommen und waren bis zum Schluss immer in Führung. Eisenach war nie näher als zwei Tore ran. Wir haben es souverän runter gespielt und deshalb auch verdient gewonnen.“ 

Mit 55 Saisontreffern hat der gebürtige Siegburger maßgeblichen Anteil daran, dass sich die HSG Wetzlar in der Spitzengruppe der Liga behauptet. „Für uns ist es sehr überraschend, dass wir die Saison bislang so erfolgreich gespielt haben. 13:5 Punkte zum jetzigen Zeitpunkt ist genial! Davon hatte keiner zu Träumen gewagt“, so Holst. „Wir haben einige erfahrene Erstliga-Spieler im Kader, aber auch einige sogenannte ‚Rookies’, die zum ersten Mal in der stärksten Liga der Welt spielen. Dass das alles schon so gut harmoniert, ist großartig und gibt es uns jede Menge Selbstvertrauen.“ 

Ein großes Lob erntete Holst auch von Nationaltorhüter Andreas Wolff: „Max ist nicht nur ein klasse Typ sondern auch ein geiler Handballer. Es macht unheimlich Spaß mit ihm zu spielen. Heute war Max sensationell und unser ‚man of the match’!“

Am kommenden Samstag steht für die HSG Wetzlar nun das nächste Heimspiel an. Dann empfangen die Grün-Weißen den Bergischen HC in der Rittal Arena. Anwurf der Partie ist um 19 Uhr.