Überragende Weihnachtsgrüße

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HSG Wetzlar führt Abstiegskandidat VfL "Kummersbach" am Ende vor

"Überragend. Die genialste Weihnachtsbotschaft Deutschlands", schwärmte Horst Theiß. "Und es hat einen Riesenspaß gemacht", schmunzelte Timo Salzer. Der Mannschaftsbetreuer und der Mittelmann der HSG Wetzlar sprachen von zwei verschiedenen Dingen. Nachdem die Grün-Weißen mit ihren Videogrüßen zum Fest den Rest der Welt beglückt hatten, begeisterten sie drei Tage vor Heiligabend im letzten Bundesliga-Heimspiel des Jahres die 4212 Zuschauern in der Rittal-Arena mit dem 35:27 (18:12)-Sieg über den VfL Gummersbach.

 

In ihren grünen Trikots und mit roten Weihnachtsmützen überbrachten die Handballer Grüße in allen Sprachen der Multikultitruppe. Von hochdeutsch bis schwäbisch über griechisch, bosnisch, tschechisch, slowakisch, isländisch, russisch, österreichisch bis mittelhessisch. Zuvor sangen sie - so gut es eben ging - "Let it snow" - Lass es schneien. Dann machte die HSG den wie ein Abstiegskandidat auftretenden Altmeister nass.

"Wir haben uns am Ende vorführen lassen. Das war eines VfL Gummersbach nicht würdig", schüttelte Axel Geerken den Kopf. An alter Wirkungsstätte musste der Geschäftsführer der Oberbergischen fassungslos mit ansehen, wie die Talfahrt des einst erfolgreichsten Handballvereins der Welt ungebremst anhielt. "Wenn wir so weitermachen, bekommen wir noch größere Probleme als wir ohnehin schon haben", dachte der ehemalige Torwart und Geschäftsführer der HSG wohl schon mit Schrecken an die nächste Partie. Am Dienstag kommt der verlustpunktfreie Spitzenreiter THW Kiel in die Kölnarena.

Dabei hatte VfL-Trainer Emir Kurtagic, der 31-jährige Nachfolger des entlassenen Routiniers Sead Hasanefendic, "wirklich geglaubt, hier in Wetzlar eine Chance zu haben", wie der jüngste Coach der Liga hinterher kleinlaut erklärte. "Aber die Mannschaft hat nicht begriffen, dass wir mitten im Abstiegskampf stehen." Der aktuelle Platz 16 würde für den amtierender Europacupsieger der Pokalgewinner am Ende den Gang in die 2. Liga bedeuten.

Kari Kristjan Kristjansson macht Werbung in eigener Sache für neuen Vertrag

Dass sich "Kummersbach" so schlecht wie seit Jahren wohl keine Mannschaft mehr in der Rittal-Arena präsentierte, tat der Freude des Siegers am Mittwochabend so wenig Abtrag wie der schwache eigene Beginn. Und der Stimmung in der fast ausverkauften Halle schon gar nicht. "Unserer Mannschaft war die Freude am Handball richtig anzumerken", strahlte Trainer Gennadij Chalepo nach dem "ganz wichtigen Sieg" und lobte die "tolle Abwehr" vor dem sich immer mehr steigernden Torwart Nikolai Weber und den "sehr disziplinierten Angriff" in den höchsten Tönen.

"Wir wollten dieses Spiel unbedingt gewinnen. Ich glaube, das hat man von der ersten Minute an gemerkt", erklärte der sechsfache Torschütze Philipp Müller. "Gummersbach wird zu meinem Lieblingsgegner", erinnerte sich Ergänzungsspieler Christian Rompf, der den grippegeschwächten Kevin Schmidt auf Linksaußen ordentlich vertrat, an seinen spektakulären Auftritt gegen den VfL in der Vorsaison. "Wir waren in allen Mannschaftsteilen überlegen", betonte Timo Salzer, der auf der Spielmacherposition den sporadisch eingesetzten Adnan Harmandic deutlich in den Schatten stellte. "Das war ein wichtiger Sieg und Werbung in eigener Sache", genoss Torwart Nikola Marinovic den Triumph mit seinen Kameraden, obwohl er nur zu zwei Siebenmetern zwischen die Pfosten durfte, von denen er einen großartig parierte. Kollege Nikolai Weber freute sich auch über die Höhe des Sieges und konnte sich "gar nicht mehr daran erinnern, wann die HSG zu dieser Jahreszeit ein derart gutes Torverhältnis hatte". Mit minus zwölf stehen die Grün-Weißen in der Tat besser da als alle anderen Mannschaften im hinteren Tabellendrittel.

Der erhoffte Anschluss ans Mittelfeld war fürs Management ein weiterer Schritt in die Zukunft. "Wir haben mit beiden Kreisläufern vereinbart, dass wir nach dem erhofften Sieg über Gummersbach miteinander reden und in ein, zwei Wochen in aller Ruhe eine Entscheidung treffen", erklärte Aufsichtsratssprecher Manfred Thielmann. Dabei wollte der Geschäftsführer des Reisebüros Gimmler nicht ausschließen, dass sowohl der nach einer Muskelverletzung am Mittwoch nicht eingesetzte Abwehrspezialist Giorgos Chalkidis als auch Kari Kristjan Kristjansson einen neuen Vertrag erhalten. Wobei der Isländer mit acht Toren kräftig Werbung in eigener Sache machte. "Zuletzt gegen Lübbecke habe ich mein schlimmstes Spiel im HSG-Trikot bestritten. Deshalb bin ich froh, dass es heute so gut gelaufen ist", erklärte der 27-Jährige und betonte, "sehr gern" in Wetzlar bleiben zu wollen.

Als der bärtige "Wikinger" nach seinem prima Auftritt erfuhr, dass mit dem Lemgoer Nationalspieler Christoph Theuerkauf ein vermeintlicher HSG-Kandidat gerade bei HBW Balingen/Weilstetten unterschrieben hat, strahlte er und sagte "alles gut".

Das galt nach den überragenden Weihnachtsgrüßen per Video und auf dem Feld an diesem Abend wohl für alle bei der HSG. Und am Ende sangen dann nicht die Spieler, sondern die Zuschauer: "Oh wie ist das schön!"

Thomas Hain