Überragender Steffen Fäth führt Grün-Weißen zum Heimsieg!

DKB Handball-Bundesliga

Nationalspieler trifft 12 Mal gegen "Recken" - 4126 Zuschauer feiern 30:27-Erfolg der HSG Wetzlar euphorisch

Als Christopher Nordmeyer den "Recken" der TSV Hannover-Burgdorf sieben Minuten vor dem Ende befahl, Steffen Fäth in Manndeckung zu nehmen, war das Kind längst in den Brunnen gefallen - und das Spiel zugunsten der HSG Wetzlar entschieden.

Die Spielgemeinschaft aus Münchholzhausen und Dutenhofen bestätigte Samstagabend vor 4126 begeisterten Zuschauern mit dem 30:27 (14:12) gegen den Tabellensiebten ihren Aufwärtstrend in der Handball-Bundesliga. Mit den Zählern elf und zwölf, die der fantastische Fäth mit einem Dutzend an Treffern fast im Alleingang einsackte, halten die Grün-Weißen Anschluss an die obere Tabellenhälfte. "Die Mannschaft wächst mental zusammen, natürlich auch durch die Erfolgserlebnisse", jubelte Trainer Kai Wandschneider nach 9:3 Punkten aus den letzten sechs Begegnungen.

Einziger Wermutstropfen bei den glücklichen Siegern war die erneute Verletzung von Spielmacher Adnan Harmandic. Der Bosnier verletzte sich wenige Sekunden vor der Pausensirene an seinem gerade erst von einem Bruch verheilten rechten Daumen der Wurfhand und konnte fortan nicht mehr mitwirken. "Das ist sehr schade für ihn, er ist stark zurückgekommen", meinte Wandschneider, der heute auf eine milde Diagnose von Mannschaftsarzt Dr. Marco Kettrukat hofft.

Ein gebrauchter Abend war es aus rein sportlicher Sicht für den ehemaligen Wetzlarer Schlussmann Nikolai Weber. "Das war Gänsehaut-Feeling", strahlte die langjährige Nummer eins der HSG über die wohlgesonnene Begrüßung der Fans, schob aber freilich hinterher: "Ich hätte gerne etwas geholt." Nach zehn Jahren im Trikot der Grün-Weißen war die Rückkehr für den Heißsporn aus Münzenberg natürlich etwas ganz Spezielles. Kein Wunder, dass Trainer Christopher Nordmeyer "Niko" daher auch den Vorzug vor Nationaltorhüter Martin Ziemer gab. Weber machte seine Sache nicht schlecht und war mit zwei klasse Reflexen gegen den beide Male völlig freien Kevin Schmidt der Garant dafür, dass die Mannen aus Niedersachsens Landeshauptstadt verdient anfangs die Nase leicht vorne hatten.

Vor allem mit dem Halbrechten Jan Fiete Buschmann hatte die HSG-Deckung ihre liebe Müh‘ und Not. Dessen Treffer zum 2:1 (3.) machte der überragende Fäth nach exakt fünf Minuten mit seinem Knaller zum 3:2 zwar vergessen, doch die "Recken" hielten weiter die Hand am Abzug - und feuerten, was das Zeug hielt. Andreas Wolff bekam kaum einen Ball zu fassen, auch nicht den Siebenmeter von Vasko Sevaljevic zur 8:6-Gästeführung (15.).

Dass sich anschließend der Wind in der Rittal-Arena drehte, lag nicht nur am stürmischen Beifall der HSG-Anhänger. Vielmehr gab Linksaußen Schmidt dem Privatduell gegen seinen ehemaligen "Spezi" Nikolai Weber eine Wende und tunnelte den Zerberus bei seinem dritten Versuch zum 7:8-Anschlusstreffer. Nun beorderte Wandschneider zuerst seinen halbrechten Kanonier Kent Robin Tönnesen und kurz darauf auch Harmandic als Strippenzieher auf die Platte. Beide Wechsel kamen zum richtigen Zeitpunkt. Fäth und Schmidt schossen erstmals eine Zwei-Tore-Führung heraus (12:10, 25.), die sich die Grün-Weißen bis zur Pause auch nicht mehr nehmen ließen.

Weber parierte nach dem Wiederbeginn zwei Siebenmeter und lief zunehmend heiß. Doch weder der Rückkehrer noch der Este Mait Patrail mit seinen drei flotten Treffern konnten verhindern, dass die Hausherren durch Zuckerpässe von Ivano Balic und "Granaten" von Fäth den Taktstock nicht mehr aus der Hand gaben. Bundestrainer Martin Heuberger dürfte auf der Tribüne ob der Leistung des Jung-Nationalspielers aus dem Staunen nicht mehr herausgekommen sein. "Ich wusste nicht, dass er da ist", lächelte Fäth hinterher. Sein Aufsetzer zum 18:16 (37.) hatte ebenso seinen Anteil am überzeugenden Heimsieg wie seine Tore zum 23:19 (44.) und 27:24 (54.). Gästecoach Nordmeyer hoffte zwar beim 26:27-Anschluss 150 Sekunden vor dem Ende nochmal auf Zählbares, musste aber nach der Entscheidung vom Kreis durch Kapitän Jens Tiedtke eingestehen: "Die HSG Wetzlar ist auf einem guten Weg."

Wetzlar: Dahl, Wolff (bis 20., bei einem Siebenmeter) - Schmidt (3), Prieto, Tiedtke (3), Tönnesen (3), Reichmann (4), Fäth (12/1), Bliznac (1), Harmandic (1), Balic (2), Klesniks (1).

Hannover-Burgdorf: Ziemer, Weber (bis 43.) - Patrail (3), Buschmann (6), Hykkerud (5), Lehnhoff (5/3), Rydergard, Szücs, Sevaljevic (1/1), Hinz (1/1), Pollex, Mackovsek (5), Kastening (1).

Schiedsrichter: Schulze/Tönnies (Magdeburg) - Zuschauer: 4126 - Zeitstrafen: Wetzlar fünf (Bliznac zwei, Fäth, Reichmann, Prieto), Hannover-Burgdorf vier (Rydergard zwei, Sevaljevic, Buschmann) - verworfene Siebenmeter: Schmidt (32., Wetzlar) scheitert an Weber, Tönnesen (36., Wetzlar) scheitert an Weber.

Quelle: WNZ