Überraschungscoup: HSG Wetzlar schlägt HSV Handball deutlich!

DKB Handball-Bundesliga

Überragender Niko Weber vernagelt Kasten - Neuzugänge überzeugen geschlossen.

Als Tobias Reichmann den Ball in der 59. Minute zum 32:26 im Tor der Gäste unterbrachte, kannte der Jubel auf den Rängen der Rittal Arena keine Grenzen mehr. Bereits Minuten vorher hatten sich die 3718 Zuschauer in der Heimspielstätte der HSG Wetzlar von ihren Sitzen erhoben, um den zu diesem Zeitpunkt fast sicheren Sieg der Grün-Weißen gegen die Gäste des HSV Handball zu feiern. Mit dem Gegenstoßtor vom Neuzugang war der erste Sieg im ersten Spiel der neuen DKB Handball-Bundesliga endgültig besiegelt und der Auftakt in die 15. Saison im Handballoberhaus in Folge mit dem 33:26 (15:14)-Erfolg mehr als nur geglückt.

Dabei erwischten die Grün-Weißen keinen besonders guten Start. Die HSG startete nervös in die Begegnung gegen den ehemaligen Deutschen Meister. Drei Gegenstöße in den ersten sechs Minuten, die durch die hervorragend funktionierende 3:2:1-Deckung der Gäste erarbeitet wurden, brachten dem HSV eine 4:2-Einführung ein. Nach dem zwischenzeitlichen Anschlusstreffer durch Neuzugang Jens Tiedtke, stellte Ex-Nationalspieler Pascal Hens den Zwei-Tore-Vorsprung wieder her (7.), ehe der kroatische Kreisläufer Igor Vori zum 6:3 einnetzte. „Wir haben anfangs gegen die offensive 3:2:1 des HSV nicht gut gespielt und den Ball zu wenig laufen lassen. Dadurch sind uns einige leichte Fehler unterlaufen, die Hamburg zu einfachen Toren genutzt hat“, war die präzise Analyse von HSG-Coach Kai Wandschneider, der bereits früh in der Partie die erste Auszeit nehmen musste, um sein Team neu auf die aggressive Deckung der Gäste einzustellen. Mit Erfolg.

Das Team um die beiden Müller-Zwillinge verkürzte mit zwei schnellen Toren durch Spielmacher Adnan Harmandic und Tobias Reichmann per Gegenstoß auf 5:6 (10.).  Nach 13 Minuten bugsierte Philipp Müller in Überzahl den Ball aus dem linken Rückraum zum 7:8 über die Torlinie, was die heimischen Fans mit einem kollektiven lauten Aufjubeln feierten. In der Folge mussten die Anhänger in der Rittal Arena allerdings mit ansehen, wie sich die Hansestädter immer wieder in beste Wurfpositionen spielen konnten und die sich bietenden Chancen eiskalt nutzten.  Die Lücken im Abwehrverbund der Hausherren nutzte Marcin Lijewski und netzte nach 21 Minuten zum 12:9 ein. „Insgesamt war unsere Deckung heute sehr stark, auch wenn wir in der ersten Hälfte in der einen oder anderen Situation zu passiv waren. Über die 60 Minuten haben wir die nötige Aggressivität an den Tag gelegt, um so einen Gegner vor Probleme zu stellen“, erklärte Wandschneider, der mit dem Torhüterwechsel von Nikola Marinovic auf Niko Weber die HSG auf die Siegesstraße brachte. Der langjährige Kapitän vernagelte vor allem in Halbzeit zwei in den wichtigen Phasen das Gehäuse und hielt neben zahlreichen „Freien“ auch zwei Siebenmeter.

Gestützt auf die prächtige Torwartleistung spielten sich die Grün-Weißen zunehmend in einen Rauschzustand. Die Abwehr agierte konzentriert und aggressiv und im Angriff waren es immer wieder Steffen Fäth und Neuzugang Fannar Thor Fridgeirsson, die mit ihren guten Aktionen für die 24:19-Führung der HSG sorgten. Mit einer Auszeit brach HSV-Coach Schwalb den Lauf der Hausherren ein wenig, die zwei schnelle Tore der Gäste hinnehmen mussten. Aus dem Konzept ließen sich die Grün-Weißen dadurch aber nicht bringen: Philipp Müller mit einem Doppelpack, Kevin Schmidt und Steffen Fäth sorgten mit ihren Treffern für das 28:21 (51.). „Das war eine Leistung, mit der der HSV Hamburg natürlich nicht zufrieden sein kann. Man hat heute gesehen, dass Handball ein Sport der Automatismen ist. Wenn diese nicht stimmen, dann verliert man Qualität. Die HSG Wetzlar hat das für sich genutzt und das Spiel verdient gewonnen“, gestand Gäste Trainer Martin Schwalb nach dem Spiel ein.

Dass die HSG in diesem Jahr deutlich an Qualität hinzu gewonnen hat, belegen nicht nur die sieben Tore von Rechtsaußen Tobias Reichmann, die guten Aktionen von Fannar Thor Fridgeirsson, sondern vielmehr auch die Abwehrleistung von Michael Müller, der seinen Job als neuer Kapitän bestens ausfüllte und sich spätestens mit dem Treffer von „Air Reichmann“ kurz vor Schluss mit in die Jubel-Orgie in Mittelhessen einreihte.

Für die HSG spielten: Marinovic (1.-22.), Weber (22.-60.); Schmidt (2), Rompf (n.e.), Philipp Müller (3), Fäth (7), Harmandic (3), Fridgeirsson (2), Mraz (2), Michael Müller (1), Valo (4), Reichmann (7), Kristjansson (1), Tiedtke (1).

Für den HSV spielten: Tahirovic, Beutler; Petersen (2), Lackovic (2), Hens (7), Kraus (2), Duvnjak (2), Lijewski (2), Schröder, Lindberg (4), Vori (4), Nilsson, Flohr (1).

"Starting Seven" Wetzlar: Marinovic; Schmidt, Mraz, Harmandic, M. Müller, Reichmann, Tiedtke.

"Starting Seven" Hamburg: Beutler; Flohr, Hens, Duvnjak, Vori, Lijewski, Lindberg.

Im Stenogramm: Schiedsrichter: Fabian Baumgart/Sascha Wild. – Zuschauer: 3718

 

Stimmen zum Spiel:

Philipp Müller: „Das ist ein überragender Auftakt in die neue Saison! Wir haben genau das umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben und sind 60 Minuten Tempo gegangen. Ich denke, dass sich das nicht nur im Sieg zeigt, sondern auch in den 33 Toren, die wir geworfen haben. Dass wir in den entscheidenden Phasen nicht nervös geworden sind oder den Kopf verloren haben, wie es in der Vergangenheit häufig passiert ist, ist mit Sicherheit ein Verdienst von Kai Wandschneider, der das Team unglaublich gut eingeschworen hat.“

Niko Weber: „Die Abwehr war heute bärenstark und der Schlüssel zum Erfolg. Ich glaube, wir haben so viele Bälle geblockt, wie in der gesamten letzten Saison. Das macht es für den Torwart einfacher. Jetzt freuen wir uns einfach, dass uns am 1. Spieltag der neuen Saison direkt eine Überraschung geglückt ist!“

Fannar Thor Fridgeirsson: „Das Gefühl endlich in der Bundesliga zu spielen, und dann noch vor so einer Kulisse, ist unglaublich. Beim Einlaufen hatte ich richtig Gänsehaut und die Stimmung in der Arena ist einfach super! Mein Treffer im zweiten Angriff hat mir Sicherheit und Ruhe gegeben, sodass ich insgesamt lockerer spielen konnte.“